Lohnunterschiede
Fazit zur Lohnungleichheit: «Frauen müssen selbst aktiv mehr einfordern»

Am «Equal Pay Day» trafen sich im Alten Spital Vertreter von Solothurner Firmen zur Debatte über ungleiche Löhne von Männern und Frauen. Das scheint zumindest bei den auf dem Podium vertretenen Firmen kein Problem zu sein.

Elisabeth Seifert
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«Es sollte es ja längst selbstverständlich sein, dass Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit den gleichen Lohn erhalten.» Das betonte Gesprächsleiterin Anita Panzer am Donnerstagabend zu Beginn einer Podiumsdiskussion anlässlich des «Equal Pay Day» vom 7. März. So sind die entsprechenden Grundsätze in der Bundesverfassung und auch im Gleichstellungsgesetz festgeschrieben.

Die Realität aber sieht anders aus: Derzeit verdienen Frauen in der Schweiz für gleiche Arbeit 18,4 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. «Und das, obwohl Frauen gemäss einer Studie der OECD fleissiger, effizienter und besser ausgebildet sind als Männer», sagte Panzer – und sorgte für ein belustigtes Raunen unter der vornehmlich weiblichen Zuhörerschaft. Rund 70 Personen haben den Weg ins Alte Spital gefunden, eingeladen hat die Solothurner Sektion der Business and Professional Women (BPW) Switzerland.

Was sich in offiziellen Erhebungen zeigt, scheint zumindest bei den auf dem Solothurner Podium vertretenen Firmen kein Problem zu sein. «Bei uns gibt es keine Unterschiede», sagte Ute Lepple, Kaufmännische Leiterin im Produktbereich Zubehör der Bosch Scintilla AG. «Für die gleiche Funktion haben wir identische Löhne», betonte auch Hansjörg Stöckli, Leiter Region Mittelland der BDO. «Die Leute reden miteinander, wir hätten gar keine Chance, die gleiche Arbeit ungleich zu entlöhnen.» Auch für Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor der UBS Solothurn/Aargau, ist die Lohngleichheit zumindest in seinem Entscheidungsbereich «absolut gegeben».

Engagierte Diskussion (v.l.): Karin Heimann (kantonale Wirtschaftsförderung), Thomas Sommerhalder (UBS), Moderatorin Anita Panzer (Kommunikationsfachfrau), Frau Landammann Esther Gassler, Ute Lepple (Bosch Scintilla AG) und Hansjörg Stöckli (BDO).

Engagierte Diskussion (v.l.): Karin Heimann (kantonale Wirtschaftsförderung), Thomas Sommerhalder (UBS), Moderatorin Anita Panzer (Kommunikationsfachfrau), Frau Landammann Esther Gassler, Ute Lepple (Bosch Scintilla AG) und Hansjörg Stöckli (BDO).

Felix Gerber

«Ich gehe davon aus, dass die Entlöhnung unabhängig vom Geschlecht erfolgt,» gibt sich Karin Heimann, Leiterin der kantonalen Wirtschaftsförderung, etwas vorsichtiger. Das «sehr transparente» Lohnsystem der kantonalen Verwaltung trage aber zur Lohngerechtigkeit bei. Die Lacher auf ihrer Seite hatte Frau Landammann Esther Gassler, als sie schmunzelnd meinte: «Ich bekomme gleich viel wie meine Regierungskollegen, ob für die gleiche Leistung weiss ich nicht, vielleicht sollte ich mehr erhalten.»

Hansjörg Stöckli stellte generell infrage, ob Frauen in der Schweiz für die gleiche Arbeit tatsächlich um 18,4 Prozent weniger verdienen. Eine Bemerkung, für die er auf dem Podium wenig Opposition erntete. Entscheidender für die Lohnunterschiede sei vielmehr, so Stöckli, dass Frauen viel seltener in Führungsfunktionen anzutreffen seien. «Wir wären sehr froh über mehr Frauen im Kader, aber sie drängen sich zu wenig auf.». Dem muss auch Regierungsrätin Esther Gassler beipflichten: Obwohl Frauen sehr gute Chancen hätten, aufzusteigen, seien im oberen Kader der Verwaltung nur zehn Prozent anzutreffen. Bei der UBS Solothurn/Aargau schaut es laut Thomas Sommerhalder nicht besser aus: Das Kader ist zu 22 Prozent weiblich, die Frauen sind aber vor allem im unteren Kaderbereich vertreten.

«Frauen sind viel selbstkritischer», analysierte Ute Lepple dieses Faktum. «Sie fragen weniger oft nach einer Beförderung». Deshalb müssten Frauen gezielt ermutigt werden. Die Bosch Scintilla AG habe entsprechende Ziele formuliert. «Vorgesetzte müssen bei uns zum Beispiel begründen, weshalb sie sich bei einer männlichen und einer weiblichen Bewerbung nicht für die Frau entscheiden.» Weiter bestehen Förderprogramme für Frauen während der Familienpause, damit diese den Anschluss nicht verpassen. «Frauen müssen selbst aktiv mehr einfordern und gleichzeitig im Betrieb besser gefördert werden», meinte Anita Panzer. Das habe dann Konsequenzen auf die Löhne und die Aufstiegschancen im Betrieb.

Alle Podiumsteilnehmer betonten die gute Wirkung gemischter Teams – und einige konnten aus diesem Grund sogar den viel geschmähten Frauenquoten etwas Positives abgewinnen. «Wenn es anders gar nicht funktionieren will, dann halte ich eine Frauenquote vorübergehend für gar nicht so schlecht», sagte etwa – nicht ganz erwartet – die freisinnige Esther Gassler. Und Karin Heimann meinte: «Es ist frustrierend, dass wir immer über die gleichen Themen reden müssen. Egal, wie man sich zu einer Quote stellt, die Folgen sind gut.»