Bienenmangel

Fast wurden auch Solothurner Imker Opfer des Bienenschmuggels

Ein neues Phänomen macht die Runde: Der Verkauf von illegal importierten Bienen droht die Anstrengungen der Imker zur Krankheitsbekämpfung zunichte zu machen.

Ein neues Phänomen macht die Runde: Der Verkauf von illegal importierten Bienen droht die Anstrengungen der Imker zur Krankheitsbekämpfung zunichte zu machen.

Die Kälte im letzten Winter und die Varroa-Milbe haben die Bienenvölker massiv dezimiert. Der Bienenmangel treibt jetzt neue Blüten: Internet-Schmuggel von Bienen.

 «Ich habe gehört, dass auch ein Solothurner am Kauf der angebotenen Bienen interessiert war», erklärt der kantonale Bieneninspektor Josef Brägger. Eine Firma - angeblich im Kanton Zug - nutzte den im Winter entstandenen Bienenmangel aus und bot Imkern aus der ganzen Schweiz Schwärme zum Kauf an. «Als die Übergabemodalitäten verhandelt wurden, hat aber der Interessent gemerkt, dass etwas nicht stimmt», erklärt Brägger.

Und tatsächlich: Kürzlich gelang den Zollbehörden in Zusammenarbeit mit Bieneninspektoren und der Dachorganisation der Imker der Deutschschweiz ein grosser Coup. An unbewachten Grenzübergängen zu Deutschland haben sie illegale Einfuhren von Bienen in flagranti aufgedeckt.

Nur mit Gesundheitsbescheinigung

Laut Brägger dürfen Bienen aus dem Ausland nur mit veterinäramtlichen Gesundheitsbescheinigungen importiert werden. Beim aufgedeckten Bienenschmuggel waren diese entweder gefälscht oder den Käufern wurde suggeriert, die Bienen stammten aus der Schweiz. Weil aber der Schweizer Markt ausgetrocknet ist, schöpften Behörden und Fachleute Verdacht. Um die Einschleppung von Krankheiten und Parasiten zu verhindern, mussten laut Angaben des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET) «Dutzende von Völkern vernichtet» werden.

Max Tschumi, Präsident der Solothurner Imker, war an der Razzia an der Grenze dabei. «Ich kann meinen Kollegen nur raten, die Finger von solchen Geschäften zu lassen», betont er. Die Gefahr, dass neue Schädlinge wie der Beutekäfer eingeschleppt würden, sei einfach zu gross. Und selbst wenn die Bienen bei der «Einreise» tierärztlich begutachtet werden, ist eine lückenlose Kontrolle faktisch unmöglich. Denn ein Bienenvolk hat zehntausende Insekten.

Bienenvolk für 200 Franken

Imker kaufen und verkaufen normalerweise Bienenvölker unter ihresgleichen. Ein Bienenvolk mit Waben und Königin kostet etwa 200 Franken Die Bienenschieber boten die Schwärme für 135 Franken an. Auch über das Einfangen herrenloser Schwärme kommen die Imker gelegentlich zu neuen Tieren. Max Tschumi, rät aber Kollegen, Bienenvölker selber heranzuziehen. Dies sei die sicherste Methode, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Nachdem aber schweizweit etwa 30 Prozent der Bienen eingegangen sind, herrscht akuter Bienenmangel. Die momentane Situation ist aussergewöhnlich. «Man kann von einem Notstand sprechen», erklärt Josef Brägger. Und so sind Imker, deren Bestand dezimiert wurde, eher geneigt, auf zweifelhafte Angebote im Internet einzugehen.

«Bienen selber heranzüchten», rät deshalb auch Ruedi Ritter vom Inforama Zollikofen. Dies sei selbst bei stark dezimierten Beständen möglich, sofern die Imker bereit seien, auf einen Teil des Honigs zu verzichten.

Bis sich der Bestand erholt hat, dürften zwei bis drei Jahre vergehen. Vorausgesetzt der Varroa-Befall und Krankheiten können unter Kontrolle gehalten werden. «Es steht und fällt mit dem richtigen Timing», sagt Tschumi. Bei der Varroa gebe es eine wichtige Devise: «Die Imker müssen handeln, wenn es Zeit ist, nicht wenn sie Zeit haben.»

Die gängige Methode der Varroa-Bekämpfung ist das Verdampfen von Ameisensäure nach der Honigernte. «Der Arbeitsaufwand für einen Imker hat sich seit dem Aufkommen der Varroa-Milbe etwa verdoppelt», erklärt Josef Brägger. Immerhin sind im Kanton noch immer 600 bis 700 Imker aktiv. Sie halten aber aufgrund des Arbeitsaufwandes tendenziell kleinere Bestände als früher.

Am gestrigen Imkertag im Wallierhof wurden die Probleme ebenfalls thematisiert. Tschumi ist der Überzeugung, dass bei richtiger Varroa-Bekämpfung der Bienenbestand gesichert werden kann. «Ich habe selber 45 Völker und nur zwei davon verloren.»

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