Wasserqualität
«Fast Trinkwasser-Qualität»: So sauber sind unsere Gewässer

Flüsse, Seen und Schwimmbäder werden im Kanton Solothurn laufend auf ihre Sauberkeit geprüft. Das Badewasser in Zuchwil hat «fast Trinkwasserqualität» – vom Eintauchen in die Emme raten Experten derzeit ab.

Lara Enggist
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Bademeisterin Brigitte Schranz und Anlagenleiter Maik Ruzicska prüfen den Chlor- und den pH-Wert des Wassers im Sportzentrum Zuchwil.

Bademeisterin Brigitte Schranz und Anlagenleiter Maik Ruzicska prüfen den Chlor- und den pH-Wert des Wassers im Sportzentrum Zuchwil.

Lara Enggist

Im unterirdischen Raum um das Hallenbadbecken im Sportzentrum Zuchwil summen die Messgeräte. Es ist warm, die Luftfeuchtigkeit hoch und der beissende Geruch nach Chlor steigt in die Nase.

«Die fünf Becken im Sportzentrum fassen insgesamt 3,7 Millionen Liter Wasser», erklärt Anlagenleiter Maik Ruzicska. Wasser, welches auf chemische, physikalische und mikrobiologische Verschmutzung geprüft werden muss. Für die Klarheit, den pH-Wert und den Chlorgehalt des Wassers sind die Badmeister verantwortlich, dreimal täglich nehmen sie dafür Wasserproben. Ruzicska trägt gar ein Alarmgerät auf sich, welches sofort meldet, wenn die Chloranlage einen zu tiefen oder zu hohen Wert anzeigt. Auf mikrobiologische Verschmutzungen – sprich auf Keime und Bakterien – wird das Wasser einmal im Monat durch den Kanton geprüft.

So wird das Wasser gereinigt

«Es handelt sich beim Wasser in den Becken um normales Leitungswasser», erklärt Ruzicska. «Dieses wird umgewälzt, gefiltert und mit Chlor desinfiziert.» Dieser Prozess werde ständig wiederholt, natürlich füge man regelmässig neues Leitungswasser hinzu.

«In einem ersten Schritt werden Partikel wie zum Beispiel Haare herausgefiltert», so der Anlageleiter. Was Badegäste Körperpflege nennen, ist für Maik Ruzicska Verunreinigung: «Viele Gäste verstehen nicht, wie wichtig gründliches Duschen für die Sauberkeit des Wassers ist.» Nur weil man am Morgen geduscht habe, heisse das noch lange nicht, dass man sich vor dem Bad im öffentlichen Schwimmbecken nicht mehr von Make-up, Deo oder Parfum befreien müsse. Denn diese Stoffe haben einen wesentlichen Einfluss auf den Chlorgehalt im Wasser. Chlor bindet unerwünschte Stoffe, damit auch diese herausgefiltert werden können. Je mehr solche Stoffe sich im Wasser befinden, desto mehr Chlor muss dem Schwimmbecken zugefügt werden.

0,2 mg Harnstoff pro Liter

Jeder Badegast hat sich wohl schon gefragt, wie viel Urin sich in einem Schwimmbecken befindet. Da lacht Ruzicska: «Zurzeit haben wir einen Wert von 0,2 mg Harnstoff pro Liter. Das ist schon fast Trinkwasserqualität.» Harnstoffe seien nicht nur Urin, sondern auch Schweiss und Hautschuppen. Der Harnstoffwert sei aufgrund der schwitzenden Badegäste im Schwimmbecken oft höher als im Kinderbecken. In der Schweiz haben Schwimmbäder einen sehr tiefen Chlorgehalt, so Ruzicska. «Vermutlich sogar tiefer als im Trinkwasser in Budapest», sagt er scherzhaft.

Die Normen seien in den letzten Jahren strenger geworden, besonders beim Grenzwert des gebundenen Chlors. Aber das sei auch gut so, die Wasserqualität sei die Visitenkarte eines Schwimmbades. «Badmeister müssen nicht nur aufpassen, retten und zurechtweisen. Sie sind dafür verantwortlich, dass Badegästen immer eine hohe Wasserqualität garantiert wird.»

Die Qualität der Flüsse und Seen im Kanton

Gute Note für den Burgäschisee, die Emme schneidet weniger gut ab

Nicht nur Schwimmbäder müssen auf ihre Sauberkeit geprüft werden. Die kantonale Lebensmittelkontrolle bestimmt regelmässig die Keimzahlen von E.-Coli-Bakterien (Darmbakterien) und Enterokokken (Milchsäurebakterien) in Solothurner Flüssen und Seen. «So können wir beurteilen, ob eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch das Badewasser durch Fäkalkeime möglich ist oder nicht», erklärt der Kantonschemiker Martin Kohler.

Anhand der Keimzahlen werden die Flüsse und Seen monatlich in die Qualitätsklassen A bis D eingeteilt. Der Burgäschisee beispielsweise wurde diesen Monat in die bestmögliche Klasse eingeteilt. «Der Burgäschisee hat in der Regel bessere Noten, da er nicht direkt mit Abwasser belastet ist», so Kohler. Die Emme hingegen gehört diesen Monat zur Klasse C: Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch Badewasser ist nicht auszuschliessen. Der Kanton empfiehlt, nicht zu tauchen und nach dem Baden gründlich zu duschen.

Die Wasserqualität der Solothurner See- und Flussbäder sei in der Regel aber gut. «Nach starken Regenfällen oder bei Qualitätsklasse D raten wir jedoch vom Baden ab.»

Problem Mikroverunreinigung

Die Flüsse und Seen werden aber nicht nur durch Fäkalkeime belastet, sondern zunehmend auch durch sogenannten Mikroverunreinigungen. Dabei handelt es sich um organische Spurenstoffe wie beispielsweise Medikamentenrückstände, Reinigungsmittel, Pflanzenschutzmittel und Biozide. «Sie gelangen über das Schmutzwasser und das Regenwasser in unsere Kanalisationen», sagt Philipp Staufer vom Amt für Umwelt. Ihnen sei gemeinsam, dass sie in sehr geringen Konzentrationen unerwünschte Folgen für die Tiere im Wasser auslösen. Staufer zufolge sind sie potenziell gar für den Schutz unserer Trinkwasserressource problematisch. «Die Stoffe können aber durch verschiedene Verfahren aus dem Abwasser eliminiert werden.»

Einerseits sei dies durch eine Ozonbehandlung möglich und andererseits durch eine Filterung des Wassers mit Aktivkohle. Die Gewässer nachhaltig von diesen Mikroverunreinigungen zu befreien, stellt Experten zufolge aber eine grosse Herausforderung dar.

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