Die eigene Steuererklärung hat Josef Rudolf schon ausgefüllt. Bereits im Februar. Die definitive Veranlagung lag auch schon im Briefkasten. Und zusätzlich hat er rund 20 weitere Steuererklärungen gemacht. Der 68-Jährige unterstützt andere Menschen bei der Beantwortung der eher unbeliebten Post vom Steueramt. Als freiwilliger Helfer der Pro Senectute besucht der Selzacher ältere Menschen zu Hause oder im Altersheim, mit seinem Laptop und einem Drucker, der auch kopieren kann.

Eine Stunde bis eineinhalb – «maximal» – brauche er pro Senior. «Vorausgesetzt, sie haben alle Unterlagen beieinander», fügt er leise lächelnd hinzu. Das sei in 90 Prozent der Fälle so – bei den anderen Besuchen müsse er sich zuerst durch einen Stapel Couverts kämpfen. So fülle er in einem Jahr rund 30 Steuererklärungen aus. Im Spitzenjahr vor zwei Jahren seien es gar 70 gewesen. Dazu kommen jeweils rund 10, die er für Bekannte macht. Schwiegertochter, Kollegen, deren Eltern. «Das spricht sich halt herum, wenn sich jemand damit auskennt.»

Auch wegen «sozialem Aspekt»

Und Rudolf kennt sich mit den Zahlen aus: Er hat eine kaufmännische Lehre absolviert, ein Leben lang auf dem Beruf gearbeitet. Noch nie sei er bei einer Steuererklärung nicht weitergekommen, betont er. Fast von einem Hobby könne man schon reden. Die Buchhaltung füllte sein Berufsleben aus – er war für die frühere Delta in Langendorf tätig, bei der Ascom, der Kantonspolizei, der Finanzverwaltung.

Bis zur Pension – die früher kam, als ihm lieb war. Rudolf wurde mit einem Nierenleiden geboren. Zweieinhalb Jahre lang stand er auf der Liste für eine Organtransplantation. Bis ihm seine Frau 2015 eine Niere spendete. Heute gehe es ihm gut. Er hat zwei Kinder, zwei Enkelkinder, kann wieder seinem «zweiten Hobby, dem Sport, frönen.

Aber: Er habe einfach noch etwas mehr tun wollen – «nebenbei». So kam er auf die Pro Senectute, die im Kanton verschiedene Dienstleistungen für Senioren anbietet und deren freiwillige Helfer vergangenes Jahr 933 Steuererklärungen erledigt haben. «Es geht mir auch ums Soziale», erklärt der 68-Jährige. Mittlerweile habe er «Stammkunden» im Raum Solothurn. Auch zwei Senioren im Bucheggberg besucht er jedes Jahr. Stolz erzählt er dann, er sei früher einmal dort eingesprungen, weil ein Helfer fehlte. Mittlerweile ist zwar einer gefunden, die Kunden verlangten aber explizit nach Rudolf.

Mit den Senioren redet er nicht nur über Zahlen, sie berichten jeweils auch aus ihrem Leben und freuen sich, wenn jemand vorbeischaut. Schwierig seien Besuche bei einsamen Menschen, etwa im Altersheim. Diese kosteten teils persönliche Überwindung. Rudolf wohnt mit seiner Frau in einem grossen Haus, vor über 20 Jahren haben sie in Selzach gebaut. Ins Altersheim möchte er nie. Nachdenklich stimmten ihn auch Fälle von Senioren, die knapp von AHV und Pensionskasse lebten: «Die müssen ihre Steuern trotzdem zahlen; jeden Monat abstottern.»

Die Letzte macht er im November

Im Kanton haben bis heute über 30 000 Steuerpflichtige die Fristverlängerung für die Steuererklärung eingereicht; rund 10 000 Personen weniger haben diese schon erledigt. Senioren, so berichtet indes Rudolf, seien eher ungeduldig, wollten diese Sache erledigt haben, sobald die Post vom Steueramt kommt. Zumindest die Mehrheit. Es gebe immer auch solche, die die Frist verlängern. «Und – das weiss ich schon jetzt – im November mache ich die letzte Erklärung.» Immer die gleiche Person käme nämlich dann mit der Steuererklärung noch zur Pro Senectute.

Den Steuerpflichtigen, die jetzt noch mit der Steuererklärung am «Chnorzen» sind, rät Rudolf: «Alles abziehen, was man abziehen kann.» Eigentumswohnung, Reisespesen, Spenden, Kontoführung. Und: Alles sortieren. Er lege alle Unterlagen zum Thema Steuererklärung stets in ein Mäppli, dann wird es gleich erledigt. «Etwas anderes kommt bei mir ja gar nicht infrage», sagt er lächelnd.