Amtsgericht
Familienvater erfindet eine Entführung - das kommt ihn teuer zu stehen

Ein Familienvater hat zwei Mitfahrer beschuldigt, ihn entführt zu haben. Das war eine Lüge. Deshalb wurde er vom Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verurteilt. Insgesamt muss er über 30'000 Franken zahlen und ist zwei Jahre auf Bewährung.

Hans Peter Schläfli
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Silvio B. nahm die Ausfahrt Kriegstetten, stellte das Auto ab und rief die Polizei (Symbolbild)

Silvio B. nahm die Ausfahrt Kriegstetten, stellte das Auto ab und rief die Polizei (Symbolbild)

AZ

In den frühen Morgenstunden des 29. Aprils 2012 waren zwei im Kanton Freiburg lebende Brüder betrunken in einer Solothurner Bar gestrandet. Sie bettelten so lange bei Silvio B.*, den sie gerade erst kennen gelernt hatten, bis dieser einwilligte, sie nach Hause zu fahren.

Die Bulgaren kannten wohl nur die Strecke durchs Seeland, und als Silvio B. in die andere Richtung fuhr, um über die Autobahn 1 ins Freiburgische zu gelangen, brach Stanislav V.* in Panik aus. «Ich dachte, er wolle irgendwo hinfahren und mir und meinem Bruder etwas antun», erklärte er. Er habe verlangt, dass Silvio B. anhalte, aber der habe gelacht und sich seltsam verhalten. «Da habe ich ihn geschlagen, um ihn zum Anhalten zu zwingen.»

Seltenes Eingeständnis

Nach kurzem Halt auf dem Pannenstreifen fuhr B. weiter, nahm die Ausfahrt Kriegstetten, stellte das Auto ab und flüchtete zu Fuss. Er avisierte die Polizei. Silvio B. behauptete, dass er entführt, beraubt und bedroht worden sei. Die Polizei reagierte sofort und verhaftete die beiden Bulgaren. Stanislav und sein Bruder Vladimir* sassen 11 Tage in Untersuchungshaft, bis sich B. endlich dazu durchringen konnte, die Falschaussagen zurückzunehmen.

«Ich lag damals total falsch», gab Staatsanwalt Raphael Stüdi in seinem Plädoyer vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt zu. Er sei B. «auf den Leim gekrochen», als er die Untersuchungshaft beantragt hatte. Erst auf Druck einer Polizistin, die B. nicht geglaubt hatte, brach das Lügengebäude zusammen.

Der Staatsanwalt forderte Schuldsprüche wegen mehrfacher falscher Anschuldigungen und mehrfacher Freiheitsberaubung. «Mein Mandant gibt zu, dass er der Polizei eine falsche Geschichte aufgetischt hat», sagte Verteidiger Andreas Wehrle. Aber die Freiheitsberaubung sei subjektiv nicht erfüllt. «Er hat nicht verstanden, dass seine Aussagen zur Verhaftung der beiden führen werden.» Eine bedingte Geldstrafe genüge.

Gericht folgt Staatsanwalt

«Jedes Kind weiss, dass Entführung ein schweres Delikt ist und jemand deswegen in U-Haft genommen werden kann», sagte Gerichtspräsident Ueli Kölliker. Das Amtsgericht verurteilte Silvio B. zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Den beiden bulgarischen Brüdern muss er je 1000 Franken Genugtuung zahlen. Zudem muss B. die Verfahrenskosten zu 90 Prozent, alle Anwaltskosten und die Urteilsgebühr zahlen. Der Rachefeldzug kostet ihn somit weit über 30 000 Franken.

Namen von der Redaktion geändert.

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