Urchig
Familienfest in der «Kathedrale auf dem Neuhof»

Die Sommertagung der Katholischen Bauernvereinigung des Kantons Solothurn am Scheltenpass wurde zum gelungenen Fest.

Benildis Bentolila
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«Die Kirchenorgel konnte ich nicht von Balsthal nach Ramiswil mitnehmen», lachte Pfarrer Toni Bucher, «aber ich kann unseren Gesang während des Gottesdienstes trotzdem begleiten.»

«Die Kirchenorgel konnte ich nicht von Balsthal nach Ramiswil mitnehmen», lachte Pfarrer Toni Bucher, «aber ich kann unseren Gesang während des Gottesdienstes trotzdem begleiten.»

Benildis Bentolila

«Grüezi mitenand, ich bin der Toni Bucher, der Pfarrer von Balsthal», wandte sich der Priester fröhlich vom Altar aus an die rund 250 Gläubigen an der Sommertagung der Katholischen Bauernvereinigung des Kantons Solothurn (KBVSO). «Ich heisse euch auf dem Neuhof am Scheltenpass in der ‹Kathedrale› von Rita und Albert Imhof herzlich willkommen.»

Bucher bat um Verständnis, dass er vorerst angesichts der Schwüle im Hemd mit Stola zelebriere. Und schon hatte er alle Anwesenden im Sack. Auch jene, die ihn nicht kannten, meinten, das sei jetzt ein total lässiger Priester. Als er dann noch seine Handorgel umhängte und die geistlichen Lieder begleitete, weil er ja die Kirchenorgel nicht habe mitnehmen können ins Guldental, war die Begeisterung total.

«Vieles liegt in unserer Hand», hielt der Balsthaler Pfarrer fest, «aber wir stossen an Grenzen, trotz Technik und Wissenschaft.» Beispielsweise könnten wir das Wetter nicht steuern». Anstelle einer Predigt erzählte Bucher die Geschichte von zwei Brüdern, die beide gleich viel erbten. Zusammen mit den Ministranten stellte er bildlich dar, wie der alleinstehende Bruder seinem Bruder, der eine Familie hatte, nachts die Hälfte seines Besitztums heimlich überbrachte. In der nächsten Nacht schlich der Familienvater mit seiner Hälfte zum Ledigen, weil er Erbarmen hatte mit ihm. Also besassen beide wieder gleich viel. «Das Leben ist ein Geben und Nehmen», sagte Toni Bucher, «und diese Brüder schauten zueinander, im Gegensatz zu heute, wo bald jeder nur noch für sich schaut.»

Thalerinnen enttäuschten nicht

Die Katholische Bauernvereinigung Thal hatte zusammen mit der Familie Imhof den Tag perfekt organisiert, so dass sich alle Altersgruppen wohl und willkommen fühlten. Die Essensausgabe lief wie am Schnürchen und als dann die herrlichen Kuchen und Torten aufgefahren wurden, meinte eine Teilnehmerin: «Die Thalerinnen, bekannt für ihre köstlichen Süssigkeiten, enttäuschen uns nicht.»

Albert Imhof, der mit seiner Frau Rita den Neuhof vor 25 Jahren von den Eltern übernommen hatte, zeigte den Gästen gerne die Vielseitigkeit seines Betriebes auf. Die Familie betreibt Milchwirtschaft und Kälbermast; das Fleisch wird direkt an eine langjährige Privatkundschaft verkauft. Im Sommer hält sie rund 150 Tiere zur Sömmerung auf dem Stierenberg, den sie gepachtet hat. Stolz ist der Betriebsleiter auf die neue Maschinenhalle – diesmal eben die «Kathedrale» umfunktioniert – welche er als gelernter Zimmermann selbst konstruiert und zusammen mit Kollegen und Nachbarn erstellt hatte.

Imhof lobte den Zusammenhalt unter der Nachbarschaft am Scheltenpass: «Wir können aufeinander zählen, auch wenn wir nicht grad Tür an Tür wohnen.» Die Familie baute einen eindrücklichen und vielseitigen Agroservice mit modernen Maschinen auf, worüber sich besonders Sohn Christoph, gelernter Landmaschinenmechaniker, freut.