Warum wurde der Sexualstraftäter freigelassen, obwohl ein erhebliches Risiko für einen Rückfall bestand - was sich dann auch bewahrheitete? Dieser Frage gehen nun Peter Straub und Joe Keel im Auftrag der Solothurner Regierung nach. Doch wer sind diese beiden Sonderermittler? Das ist über sie bekannt.

Joe Keel, Experte für Justizvollzug und Verwahrung

Da ist zum einen Joe Keel (59). Der St.Galler ist seit Mitte 2018 vollamtlicher Sekretär des Ostschweizer Strafvollzugskonkordats. Davor leitete er seit 2008 das Amt für Justizvollzug im Kanton St.Gallen. Keel war seit 1991 für den Vollzug der im Kanton St.Gallen ausgesprochenen Strafen und für alle Rechtsfragen rund um den Strafvollzug zuständig. Keel ist also ein ausgewiesener Fachmann für den Justizvollzug. 

Mit Verwahrungsfragen - sie wurde auch im Falle von William W. aufgeworfen - ist Keel vertraut. Er war bei der Umsetzung der Verwahrungs-Initiative dabei und Teil einer Arbeitsgruppe. 

Als Mitglied der CVP sass Keel von 1989 bis 1998 im St.Galler Stadtparlament, ist aber seit Jahren nicht mehr parteipolitisch tätig. 

Wie denkt Joe Keel? In einem Interview mit dem St.Galler Tagblatt äusserte er sich vor einem Jahr auch zu Sexualstraftätern wie William W.. Auf die Frage, ob bei rückfällig gewordenen Tätern jeweils zurecht von Justizversagen die Rede sei, sagte Keel: "Diese Forderung ‹Das darf nie mehr passieren› macht uns das Leben schwer. Es werden von uns ‹sichere Prognosen› verlangt – ein Widerspruch in sich. Menschliches Verhalten lässt sich nie exakt voraussagen."

Man müsse einen Täter auf ihre Rückkehr in die Freiheit schrittweise vorbereiten und dabei gewisse Risiken in Kauf nehmen. "Wir versuchen, diese möglichst klein zu halten, eine absolute Sicherheit können wir aber nie garantieren." 

Doch Keel hat eine klare Meinung, wenn es um gefährliche Täter geht: "Wenn jemand gefährlich ist, dann gehört er nicht auf die Strasse, sondern eingesperrt." Von Fussfesseln hält er wenig. Die Politik habe die Vorstellung, die elektronische Überwachung sei ein Allzweckmittel, auch im Kampf gegen Terrorismus. Jedoch: "Sie können mit einer Fussfessel keinen Anschlag verhindern: Wenn der Attentäter mit einem Sprengstoffgürtel herumläuft, merkt das die Fussfessel nicht."

Peter Straub, Experte für Gemeingefährlichkeit von Tätern

Da ist zum anderen Peter Straub. Der gebürtige Deutsche aus dem Schwarwald ist parteilos und seit 2012 leitender Staatsanwalt in St.Gallen. Er sitzt zudem in der Fachkommission Ostschweizer Strafvollzugskonkordat zur Überprüfung der Gemeingefährlichkeit von Straftätern. Er ist Mitglied der Prüfungskommission für Rechtsanwälte beim Kantonsgericht St.Gallen. An der Ostschweizer Polizeischule ist er Dozent, an der Hochschule St.Gallen Lehrbeauftragter für Strafprozessrecht.

Von 2008 bis 2011 war Straub stellvertretender Staatsanwalt des Bundes bei der Schweizerischen Bundesanwaltschaft, ehe er als Jurist zu einer Grossbank wechselte, wo er bis zum Wechsel in die Staatsanwaltschaft ein Team von Juristinnen und Juristen in der Anti-Geldwäscherei-Einheit leitete. (jk)