Fall Nathalie
Kritik an der Kindsmutter geäussert: Nun kommt der Konter an die Anklage

Damit musste der Oberstaatsanwalt des Kantons Solothurn rechnen: Die Anzeigeerstatter im Fall Nathalie lassen die Kritik an der Kindsmutter nicht unerwidert.

Balz Bruder
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Die Solothurner Staatsanwaltschaft steht unter Beobachtung.

Die Solothurner Staatsanwaltschaft steht unter Beobachtung.

Hanspeter Baertschi

Die Kritik, die der Solothurner Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck an der Mutter der 9-jährigen Nathalie übte, die mutmasslich von ihrem Vater missbraucht worden ist, war heftig. Die Kindsmutter gefährde nicht nur das Wohl ihrer Tochter, sondern auch das Verfahren. Jene Auseinandersetzung darüber also, was an den an die Adresse des Kindsvaters erhobenen Vorwürfen ist und was nicht.

Nun gibt es aus dem Kreis jener, die den Vater von Nathalie angezeigt haben und auch die Anklagebehörde ins Visier nahmen, einen scharfen Konter. Der Ettinger Daniel Vuilliomenet sagt frank und frei:

«Man kann keine Strafuntersuchung gefährden, die offensichtlich nicht stattfindet.»

So habe es der fallführende Staatsanwalt fertiggebracht, zwischen dem Zeitpunkt der Strafanzeige und der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten ganze vier Monate verstreichen zu lassen. Zudem stünden die bei der Hausdurchsuchung zutage geförderten Materialien weiter unter Verschluss. Ganz zu schweigen davon, dass dem Anwalt der Kindsmutter bis heute die Akteneinsicht verweigert worden sei.

«Mehr als ein Jahr ist verstrichen und weit und breit ist keine Anklage in Sicht», sagt Vuilliomenet. Der beschuldigte Kindsvater sei zudem weiter auf freiem Fuss, obwohl gravierende Vorwürfe im Raum stünden, die bis zu Satanismus reichten. Gerade die Tatsache, dass die Anschuldigungen immer schlimmer geworden seien, deute auf deren Wahrheitsgehalt hin, findet Vuilliomenet mit Blick auf die Zweifel des Oberstaatsanwalts an den Aussagen von Nathalie.

«Umgekehrt müsste man sich fragen, weshalb eine Tochter zuerst Schlimmes erzählt, um dann das Ganze zu relativieren», führt Vuilliomenet aus. Das therapeutische Wissen von Hansjürg Brodbeck habe «offenbar an einem kleinen Ort Platz». Ja, man müsse sich fragen, ob in Solothurn nicht juristische Mühlen mahlten, sondern Windräder drehten.

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