Spionage-Technik
Fahrlehrer: «Mogeln an der Theorieprüfung lohnt sich nicht»

Ein 41-jähriger Kosovare hat 20 Absolventen der Auto-Theorieprüfung mittels Kameras und Hörern geholfen, die Prüfung zu bestehen. Doch bringt Mogeln den Absolventen etwas? Nein, findet ein Fahrlehrer.

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Bschiss bei der Theorieprüfung mit technischen Hilfsmitteln.

Bschiss bei der Theorieprüfung mit technischen Hilfsmitteln.

Kapo SO

Nach umfangreichen Ermittlungen, Hinweisen aus anderen Kantonen sowie der Überwachung eines Beschuldigten deckte die Kantonspolizei Solothurn zusammen mit der Staatsanwaltschaft einen grösseren Fall von betrügerischem Verhalten auf. Der mutmassliche Haupttäter, ein 41-jähriger Kosovare, wird verdächtigt, Absolventen der theoretischen Auto-Führerprüfung mit Hilfe von technischen Geräten geholfen zu haben. Er soll für diese Dienste jeweils für einige Tausend Franken verlangt haben.

Der betrügerische Kosovare und seine Kunden müssen sich nun vor den Strafbehörden verantworten. Die Staatsanwaltschaft führt eine Strafuntersuchung wegen Betrugs und Erschleichens einer Bewilligung. Die Prüflinge müssen wohl nochmals zum Test antreten.

Weshalb überhaupt betrügen? Und bringt das etwas?

Es lohnt sich kaum, an der theoretischen Führerprüfung zu mogeln, sagt der Bettlacher Fahrlehrer Reto Wüthrich zu Tele M1. «Es fehlt diesen Personen dann an Wissen über die Verkehrsregeln, entsprechend brauchen sie mehr Fahrstunden.»

In der Praxis erlebe er durchaus Klienten, bei denen er sich frage, wie sie die Theorieprüfung erfolgreich absolvieren konnten. Wüthrich vermutet, bisweilen werde der Stoff einfach auswendig gelernt. «Die Fahrlehrer merken dann auf der Strasse rasch, dass da ein grosses Manko besteht.»

Verkehrsexperten werden geschult

Die kantonale Motorfahrzeugkontrolle (MFK) hat auf die Betrugsserie reagiert. Amtschef Kenneth Lützelschwab erklärt auf Anfrage, man habe eine interne Schulung durchgeführt. In dieser wurden die Verkehrsexperten unter anderem dafür sensibilisiert, welche technischen Möglichkeiten bestehen, um zu tricksen. «Jegliche elektronischen Geräte sind untersagt», betont Lützelschwab.

Im Übrigen sind zumindest der Solothurner MFK keine weiteren Fälle von Spicken bekannt. Die Verkehrsexperten achten laut Lützelschwab strengstens darauf, dass keine Hilfsmittel verwendet würden. «Die Prüflinge werden genau betrachtet und beobachtet.»

Die nationale Vereinigung der Strassenverkehrsämter (ASA) registrierte derweil schon 2016 eine wachsende Zahl an Betrügereien bei Theorieprüfungen. Der Verband erarbeitete deshalb ein Merkblatt zu dem Thema – dieses dürfte bei Verkehrsexperten nun noch mehr Beachtung finden. (sva/ldu)