Fischereiverband
«Fadenscheinige Argumentation» – Diskussion um Hegebeiträge ist noch nicht zu Ende

Keine stillen Wasser: Der Volksauftrag zur Entschädigung des Kantonalen Fischereiverbandes sorgt weiterhin für Diskussionen.

Morena Adimari
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Fischen: Hobby und Arbeit. Symbolbild

Fischen: Hobby und Arbeit. Symbolbild

Walter Schwager/Az Archiv

An der 96. Delegiertenversammlung des Solothurnischen Kantonalen Fischerei-Verbandes (SOKFV) wurde eifrig diskutiert und abgestimmt. Dieses Jahr waren jedoch weder Regierungs- noch Kantonsräte am Treffen. Marco Vescovi, Präsident des SOKFV, deutete dies als Zeichen: «Wahrscheinlich wollen sie sich nicht beeinflussen lassen», sagte er. Damit wurde gleich in der Präsidentenrede auf den Volksauftrag «Hegebeitrag» Bezug genommen.

Volksauftrag: Hegebeiträge

Wie bereits berichtet wurde, lehnte der Regierungsrat den Volksauftrag ab. Auch die kantonsrätliche Umwelt-, Bau- und Wirtschaftskommission (UMBAWIKO) hat dem Kantonsrat empfohlen, den Auftrag abzulehnen.

Nüchtern berichtete Vescovi, dass er nicht übermässige Hoffnungen hege, dass der Auftrag im Kantonsrat auf Anklang stossen wird. Dennoch sei aber nicht alles verloren: «Die Grünen, einige Kantonsräte und Bio-Verbände haben positive Signale gesendet», meinte er.

Der Regierungsrat sieht in diesem Volksauftrag ein schleichendes Wiederkommen des Vereinszwangs, zudem wären die administrativen Herausforderungen bei einer Einführung des Hegebeitrags hoch und nicht zuletzt sei die Arbeit des SOKFV durch einen zeitgemässen Leistungsauftrag abgegolten. Für Marco Vescovi unverständlich, dies sei lediglich «eine fadenscheinige Argumentation.»

Fischerei bewegt auch Bern

Roberto Zanetti, SP-Ständerat und Zentralpräsident des Schweizerischen Fischerei-Verbands (SFV), hielt an der Delegiertenversammlung eine Grussrede und berichtete über eigene Erfahrungen in der Politik: «In jeder Session wird stets über Gewässerschutz und Ähnliches gesprochen.» Er erklärte den Teilnehmern, wie teilweise zufällig eine Motion durchkommen kann oder nicht.

So wurde beispielsweise die «Motion Regazzi» vom Nationalrat angenommen. Diese verlangt eine Erlaubnis des Widerhakenangelns auch in Fliessgewässern. «Wäre nach dem Parlamentarierfischessen entschieden worden, hätte die Situation wahrscheinlich anders ausgesehen, weil darüber am Essen diskutiert und informiert worden wäre», erklärte der Ständerat. Zanetti, der sich in der zuständigen Kommission mit der Motion beschäftigt, erklärte, dass sie im Ständerat kaum Chancen hätte.

Zanetti äusserte sich auch zum Hegebeitrag. Er stimmte mit Vescovi überein, dass «die Argumentation des Regierungsrates eher schwach» sei. Er meinte, das Administrative stelle bestimmt keine Hürde dar – «ein Lehrling könnte ein solches Programm erstellen», so Zanetti. Auch sei es kein schleichender Vereinszwang, schliesslich müsse man sich für Leistungen von anderen Vereinen auch an den Kosten beteiligen.

Hoffnung trotz Kürzungen

Ob der Volksauftrag «Hegebeiträge» erfolgreich sein wird oder nicht, scheint ungewiss. Marco Vescovi betonte mehrmals: «Es liegt an uns». Die Fischer und Fischerinnen sollten sich «mobilisieren und alle benachrichtigen», sagte der SOKFV-Präsident. Auch Zanetti meinte dazu: «Politiker haben ein offenes Ohr, man muss sich einfach persönlich bei ihnen melden.»

Der Ständerat erhofft sich einen Erfolg und wird wahrscheinlich zusammen mit Vescovi noch einen Brief an die Kantonsräte senden, um das Problem zu erörtern. «Man lädt mich nicht ein, um unser Anliegen zu erklären», teilte der Präsident betrübt mit.

Nicht nur der Hegebeitrag macht den Fischern zu schaffen. Auch wird künftig der Leistungsauftrag gekürzt. Diese Kürzungen sind auf Veränderungen im Besatzplan zurückzuführen: Im kommenden Jahr wird der Äschen- und Hechtbesatz gestrichen; der Forellenbesatz wird gekürzt.

Gabriel van der Veer von der Fachstelle Fischerei des Amtes für Wald, Jagd und Fischerei erklärte diesen Sachverhalt: Die Leistungen reduzieren sich, «folglich müssen die Unterstützungsbeiträge auch gekürzt werden», man schätze aber die Arbeit des Verbandes.