Gesundheitsberufe
Fachkräftemangel: Es braucht einen Blick für das Machbare

Im Unterschied zu anderen Kantonen setzt Solothurn bei der Ausbildungsverpflichtung auf Selbstregulierung. Von alleine behebt sich der Fachkräftemangel jedoch nicht. So gilt es, Massnahmen zu ergreifen, um diesen zu beheben.

Elisabeth Seifert
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Noch gibt es keinen Notstand an medizinischem Personal, auch nicht im Kanton Solothurn. Das aber kann sich ändern. (Symbol)

Noch gibt es keinen Notstand an medizinischem Personal, auch nicht im Kanton Solothurn. Das aber kann sich ändern. (Symbol)

Keystone

Die Schweiz, eines der reichsten Länder der Welt, investiert verhältnismässig wenig in die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal. Gemäss einer Studie der OECD, die Ausgaben für Gesundheitsberufe mit der Wirtschaftsleistung vergleicht, bildet unser Land zusammen mit der Türkei das Schlusslicht.

Obwohl nicht gerade ein Ruhmesblatt, sind wir damit bis jetzt ganz gut gefahren. Aufgrund der attraktiven Arbeitsbedingungen hierzulande liess und lässt sich genügend medizinisches Fachpersonal aus dem Ausland rekrutieren.

Noch gibt es keinen Notstand an medizinischem Personal, auch nicht im Kanton Solothurn. Das aber kann sich ändern. Die Quellen aus dem Ausland dürften künftig weniger reichlich fliessen, auch wegen der geforderten Drosselung der Zuwanderung. Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft älter und damit pflegebedürftiger wird.

Es wird kein Weg daran vorbeiführen, künftig mehr Gesundheitspersonal auszubilden. Wie bereits andere Kantone auch hat Solothurn beschlossen, eine Ausbildungsverpflichtung für nicht-universitäre Gesundheitsberufe einzuführen.

Spitäler, Heime und Spitex sollen sich für die berufliche Qualifizierung einer bestimmten Anzahl Pflegender engagieren. Bis Ende 2014 müssen die Institutionen ein Drittel des Ziels erreichen - 2016 dann die volle Ausbildungsleitung. Eine Herausforderung stellt dies insbesondere für einen grossen Teil der Spitex-Organisationen sowie zahlreiche Alters- und Pflegeheime dar, die derzeit kaum oder gar kein pflegerisches Fachpersonal ausbilden.

Abseits stehen bei der Ausbildung auch Privatspitäler wie die Privatklinik Obach. Die Spitäler AG indes kommt ihrer Verantwortung schon heute nach, nicht zuletzt aufgrund eines entsprechenden öffentlichen Auftrags. Mit einem stärkeren Engagement in der Ausbildung können gerade Spitex und Heime zu einem umfassend qualifizierten Pflege-Personal beitragen - vor allem im Ausbildungs- verbund mit den Spitälern.

Solothurn setzt im Unterschied zu anderen Kantonen mit seiner Konzeption der Ausbildungsverpflichtung - einer liberalen Grundhaltung entsprechend - auf Selbstregulierung. Ähnlich wie andere Branchen auch, sollen die Betriebe im Gesundheitsbereich selbst dafür sorgen, dass sie über genügend Fachpersonal verfügen. Die neu geschaffenen gesetzlichen Grundlagen zwingen die Institutionen denn auch nicht in ihre Verantwortung. Sie verpflichten diese vielmehr grundsätzlich dazu, ihren Ausbildungsbeitrag zu leisten. Zudem ist mit der Umsetzung der Verpflichtung nicht etwa eine kantonale Amtsstelle betraut, sondern die Berufsorganisation SOdAS (Stiftung Organisationen der Arbeit Gesundheit im Kanton Solothurn).

Damit aber hat es die Berufsorganisation auch in der Hand, Umsetzungsbedingungen zu definieren, die für die einzelnen Institutionen realistisch sind, gerade auch für all jene, die bis jetzt kaum Ausbildungsplätze angeboten haben. Dieser Blick für das Machbare aber ist nötig, damit das auf Freiwilligkeit basierende Projekt Ausbildungsverpflichtung schliesslich nicht einfach wirkungslos im Sand verläuft.

Trotz Selbstregulierung kann sich aber auch die öffentliche Hand nicht ganz der Verantwortung entziehen: Im Unterschied zu anderen Branchen ist der Gesundheitsbereich stark reglementiert und über die öffentliche Hand gesteuert. Sollen mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden, dann müssen den Institutionen auch die dafür nötigen finanziellen Ressourcen zur Verfügung stehen.

Besonders in der Pflicht stehen bei der Umsetzung der Ausbildungsverpflichtung aber selbstredend die Institutionen im Gesundheitsbereich selber. Vor allem die vielen kleinen Heime und Spitex-Betriebe. Mittels regionaler Zusammenschlüsse müssen sie sich von solch kleinräumigen, wenig effizienten Strukturen verabschieden. Dadurch verschaffen sie sich organisatorischen und finanziellen Spielraum, um sich in der Ausbildung ihres Nachwuchses zu engagieren.
Dass Solothurn auf Freiwilligkeit setzt, ist für alle eine Chance. Bleibt diese ungenutzt, wird der Kanton nicht darum herumkommen, die Schraube fester anzuziehen.