Wirtschaftsausblick

Fachkräfte bleiben trotz Eurokrise gefragt

Am Podium wurde der Fachkräftemangel aus unterschiedlicher Optik betrachtet (v.l.): Ivano Marraffino, Leiter Sektion Solothurn der Gewerkschaft Unia, Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor UBS Aargau/Solothurn, Moderator Franz Fischlin, Jane Melmuka, Site Director Galderma Spirig AG Egerkingen, und Stefan Blaser, CEO Roth Gruppe AG

Am Podium wurde der Fachkräftemangel aus unterschiedlicher Optik betrachtet (v.l.): Ivano Marraffino, Leiter Sektion Solothurn der Gewerkschaft Unia, Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor UBS Aargau/Solothurn, Moderator Franz Fischlin, Jane Melmuka, Site Director Galderma Spirig AG Egerkingen, und Stefan Blaser, CEO Roth Gruppe AG

Der starke Franken belastet den Solothurner Arbeitsmarkt, aber der Fachkräftemangel wird nicht behoben. Das wurde am Anlass «Wirtschaftsausblick für den Kanton Solothurn» im Solothurner Landhaus klar.

«Die Frankenstärke schlägt voll durch, die Lage ist ernst», sagte Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer. Am vom Wirtschaftsverband, der UBS und der Wirtschaftsförderung am Dienstagabend im Solothurner Landhaus durchgeführten Anlass «Wirtschaftsausblick für den Kanton Solothurn» präsentierte er einige ungemütliche Zahlen. Im Monat Februar 2015, also im ersten Monat nach der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze von Fr. 1.20, seien die Schweizer Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,9 Prozent gesunken; im Kanton Solothurn gar um 8,4 Prozent und jene nach Europa, dem wichtigsten Solothurner Exportmarkt, um 14 Prozent.

Daniel Kalt, Chefökonom der UBS Schweiz, ortete zusätzlich «schwerwiegende Nebenwirkungen», ausgelöst durch das Negativzinsumfeld: «Diese sind langfristig schädlicher als jene der Frankenaufwertung.» Negativzinsen würden die Sparer bestrafen und die Schuldner belohnen. Und für die Altersvorsorge, insbesondere die Pensionskassen, seien negative Zinsen verheerend. «Sie können gar keine Rendite mehr erwirtschaften.» Kalt erläuterte die Dramatik an einem Beispiel: Bei einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent sei ein Vermögen ohne Zinserfolg nach 14,7 Jahren aufgebraucht. Die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Pensionierung liege aber bei durchschnittlich 23 Jahren.

Fehlende Tagesstrukturen

Handelskammer-Direktor Probst hielt fest, dass es trotz dieser insgesamt schwierigen Situation für einen Wirtschaftsstandort zentral bleibe, genügend qualifizierte Berufsleute zur Verfügung stellen zu können. Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler nahm den Ball auf. Auf eine schwankende Konjunktur könne man sich einstellen, der Fachkräftemangel werde hingegen bleiben. Es sei ein strukturelles Problem. «Wir leben länger, gehen länger zur Schule und wir haben deutlich weniger Kinder als unsere Grosseltern.» Dadurch fehlten der Wirtschaft potenzielle Arbeitskräfte. Für die Firmen bedeute dies steigende Rekrutierungskosten; letztlich stiegen wegen der Knappheit auch die Löhne.

In diesem Zusammenhang stellte Gassler einige Forderungen auf: «Wir können es uns nicht mehr leisten, dass gut ausgebildete Frauen wegen fehlender Tagesstrukturen nur kleine Teilzeitpensen arbeiten.» Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsse deshalb verbessert werden. «Wir können es uns zudem nicht leisten, die Arbeitskräfte mit der längsten Berufserfahrung vom Arbeitsmarkt auszuschliessen.» Es brauche folglich bessere Bedingungen für die Erwerbstätigkeit von Arbeitnehmern, die über die Pensionierung hinaus arbeiten wollten.

Im anschliessenden Podium stand der Arbeitsmarkt respektive der Kampf um qualifiziertes Personal im Zentrum. Die Problematik präsentiert sich aber je nach Unternehmung unterschiedlich. Für Jane Melmuka, Site Director Egerkingen des global agierenden Pharmakonzerns Galderma Spirig, ist die Masseneinwanderungsinitiative eine grosse Herausforderung. Man rekrutiere viele Fachkräfte aus dem Ausland. Da sei es schwierig, Personal für Egerkingen zu finden, weil es beispielsweise keine englischsprachige Schule gebe. Dagegen kämpft Stefan Blaser, CEO der im Isolations-, Brandschutz- und Beschichtungsbereich tätigen Roth AG, mit Schulabgängern, die für eine solide Berufslehre zu wenig qualifiziert seien.

Unia-Gewerkschafter Ivano Marraffino seinerseits forderte die Firmen auf, für attraktive Arbeitsbedingungen zu sorgen. Es brauche auch eine Bildungsoffensive, um wenig qualifizierte Berufsleute aufs nötige Niveau zu bringen. Dem widersprach niemand. Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor UBS Aargau/Solothurn, machte aber auf die Rolle der Arbeitnehmenden aufmerksam: «Der Arbeitnehmer selbst muss den Willen und die Flexibilität haben, sich weiterbilden zu wollen.» Ohne das funktionierten die besten Ausbildungsangebote nicht.

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