Kanton Solothurn
Fachhochschule Nordwestschweiz: Regierung sorgt sich um Praxisnähe

Die Solothurner Regierung stört sich daran, dass ein Grossteil der Dozierenden an der Fachhochschule Universitätsabgänger sind. Auch sonst sieht sie Handlungsbedarf, um eine Verakademisierung der Bildungsinstitution zu stoppen.

Lucien Fluri
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Der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten. Das Gebäude wurde letztes Jahr eingeweiht. (Archiv)

Der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten. Das Gebäude wurde letztes Jahr eingeweiht. (Archiv)

Bruno Kissling

Die Solothurner FDP will verhindern, dass die Fachhochschule Nordwestschweiz ihren Praxisbezug verliert und in Richtung Universität abdriftet. In einem Auftrag (Erstunterzeichner Peter Brügger) fordert sie deshalb, dass die angebotenen Masterlehrgänge reduziert werden. «Die FHNW soll sich klar auf ihre Kernaufgabe im Rahmen des dualen Bildungssystems konzentrieren», heisst es im Vorstoss.

Den «Trend zur Verakademisierung» ortet die FDP insbesondere darin, dass der Bund die Möglichkeit zur Führung von Masterlehrgängen vergrössert hat. Die Fachhochschulen entscheiden in Eigenregie, welche Studiengänge sie anbieten. Dies, so die FDP, führe zu steigenden Kosten. «Mit einer Begrenzung der Masterstudiengänge können einerseits Kosten eingespart sowie in der Lehre und Forschung der Fokus auf den Praxisbezug gelegt werden.»

Praxisbezug der Fachhochschulen: «Ungeeignet für eine Standesinitiative»

Dem Anliegen, die Mittelzuteilung der Fachhochschulen mehr auf den Kernauftrag des Praxisbezugs und der anwendungsorientierten Forschung auszurichten, versucht die FDP-Fraktion mit einem zweiten Auftrag Nachachtung zu verschaffen: Der Regierungsrat soll dies mit einer Standesinitiative vom Bund verlangen. Obwohl die Regierung das Anliegen mindestens teilweise teilt (siehe Hauptartikel), lehnt sie eine Standesinitiative ab. Das Anliegen könne nicht Gegenstand einer Standesinitiative sein, weil diese ausschliesslich einen Erlass der Bundesversammlung verlangen kann. Die Solothurner Regierung ortet die Schwierigkeiten bei der Praxis- und Anwendungsorientierung aber «eher im Bereich der Umsetzung als in fehlenden rechtlichen Grundlagen». (cva)

«Wir beobachten mit Sorge»

Am Dienstag nun hat die Regierung Stellung zum Auftrag bezogen. Sie gibt der FDP teilweise recht: «Wir beobachten ebenfalls mit Sorge, dass sich bei den Fachhochschulen und den Pädagogischen Hochschulen Tendenzen zeigen, sich zunehmend an den Universitäten auszurichten», steht in der Antwort des Regierungsrates. Ob es bereits zu viele Masterstudiengänge gibt, darüber will die Regierung nicht spekulieren. «Wir sind aber der Meinung, dass diese Frage geklärt werden soll.» Für die Regierung ist klar, dass die Fachhochschulen «praxis- und anwendungsorientierte Ausbildung, Forschung, Dienstleitung und Weiterbildung» anbieten soll, die auf der dualen Berufsbildung aufbauen. Universität, Fachhochschule und Pädagogische Hochschulen hätten sich, so die Regierung, «in ihrer unterschiedlichen Ausrichtung gegenseitig zu ergänzen».

Eine generelle Reduktion der Masterstudiengänge, wie sie die FDP möchte, lehnt der Regierungsrat ab. Innerhalb der einzelnen Fachbereiche müsse aber der Bedarf an Masterstudiengängen geprüft werden. «Es ist dabei insbesondere zu berücksichtigen, welche fachverwandten Ausbildungsangebote ausserhalb des FH-Bereichs an Universitäten angeboten werden.»

Viele Dozenten kommen von Uni

Ein Problem sieht die Regierung auch in der Ausbildung der FH-Dozierenden: Rund 60 Prozent verfügen über eine universitäre Ausbildung. «Bei Betonung der unterschiedlichen Ausrichtung der Hochschultypen müssten die FH ihren eigenen Nachwuchs in grösserem Ausmass auch selber ausbilden.»

Die Regierung schlägt dem Kantonsrat deshalb vor, den Auftrag der FDP mit geändertem Wortlaut erheblich zu erklären: Der Regierungsrat soll beauftragt werden, «bei den entsprechenden Gremien darauf hinzuwirken, das Angebot der Masterstudiengänge fachbereichsspezifisch kritisch zu überprüfen.» Die FHNW soll die vom Arbeitsmarkt benötigten Masterstudiengänge führen und diese klar auf die Berufspraxis ausrichten.

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