Von «einer beschleunigten Revolution» sprach Moderator Ernst Brugger am von der Baloise Bank SoBa organisierten 18. Panelgespräch im vollbesetzten Solothurner Landhaus. Die Informationstechnologien und damit die Social Media verbreiteten sich rasant und grenzenlos. «Die Entwicklung ist nur vergleichbar mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert.»

Daraus leitete Brugger einige Grundsatzfragen ab: Werden Neue Medien wie Facebook oder Twitter mehr und auch bessere Informationen anbieten? Wer verifiziert deren Wahrheit? Fördern Social Media Transparenz und Demokratie? Oder manipulieren sie zunehmend die Bevölkerung?

Keine Untergangsstimmung

Markus Spillmann, Chefredaktor der NZZ, sieht im Aufkommen der Social Media die einschneidenste Veränderung seit Beginn der Printmedien. Er wollte aber keine Untergangsstimmung verbreiten. Es müsse akzeptiert werden, dass es neue Realitäten gebe und gleichzeitig lernen, damit klug umzugehen.

«Ich sehe mehr Chancen und betrachte die neuen Medien als Bereicherung», sagte Spillmann. Sie ermöglichten es, mit Informationsleistungen mehr Menschen zu erreichen. Und von einer generellen Absenkung der Qualität der Inhalte wollte der Chefredaktor nicht sprechen. «Guter Journalismus ist nicht vom jeweiligen Medienträger abhängig.» So sei auch die gedruckte Zeitung einfach eine Darlegungsform mit guter wie mit schlechter journalistischer Arbeit.

«Führt zu wertvollem Dialog»

Auch für die Medienwissenschaftlerin Sarah Genner führen die neuen Medien nicht automatisch zu einer Globalisierung der Oberflächlichkeit. Es bildeten sich vielmehr qualitativ hochstehende Medien heraus, die dank den modernsten Technologien mehr Informationen aus der ganzen Welt verbreiteten. «Die Aussage, Social Media sind nur schnell und oberflächlich, stimmt so nicht.»

Als Politiker sprach der Solothurner Regierungsrat Roland Fürst die technischen Möglichkeiten der Neuen Medien an. In seinem Wahlkampf beispielsweise habe er über Social Media viele Menschen erreichen können. «Es gab Echo, es führte zu einem wertvollen Dialog.» Gleichzeitig mit der technologischen Entwicklung stiegen aber auch die Anforderungen an den Nutzer der neuen Plattformen, um die «Möglichkeiten» in «Wirkung» zu überführen. Der Auftritt müsse authentisch und nicht künstlich sein. Es genüge schliesslich auch nicht, kurz vor Gemeinderats-Wahlen einfach dem Turnverein im Dorf beizutreten.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtete Nationalrat Ruedi Noser. Noch nie sei es einfacher gewesen, mit Tausenden von Personen in Kontakt zu kommen. Diese Reichweite und der Austausch mit der Basis seien wichtig. «Aus dem Monolog entsteht ein Dialog.» Gleichzeitig seien die neuen Medien gnadenlos. Komme eine Position oder ein Vorschlag nicht gut an, werde das innert Minuten weit verbreitet.

Die Gefahr bestehe, dass gerade ein Politiker versucht sei, dem Volk nach dem Mund zu reden. Das Tempo führe auch dazu, dass Äusserungen vor dem Überlegen gemacht werden. «Mancher Tweet ist falsch.» Die Schuld dafür will aber NZZ-Chefredaktor Spillmann nicht den Medien zuweisen. «Ich wundere mich jeweils, wie rasch Politiker ihre Meinung abgeben.» Dahinter ortete er oftmals «Gier nach öffentlicher Aufmerksamkeit».

Einordnung und Gewichtung

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer darin, dass die Verifizierung der Informationen über Social Media, auch wenn nicht einfach, doch zwingend sei. Regierungsrat Roland Fürst appellierte diesbezüglich an «den gesunden Menschenverstand und an die Eigenverantwortung der Nutzer der Social Media».

«Die kritische Würdigung der Inhalte, deren Einordnung und Gewichtung ist Aufgabe der Journalisten», ergänzte Markus Spillmann. Die Konsumenten rief er auf, kritisch zu bleiben und sich eine eigene Meinung zu bilden. Medienwissenschaftlerin Genner machte sich stark für die Förderung der Medienkompetenz, schon bei den Jugendlichen.