Kanton Solothurn
Facebook als Informations-Plattform: Wie aktiv sind die Gemeinden?

Sucht man auf Facebook nach Seiten von Gemeinden aus dem Kanton Solothurn, fällt die Anzahl Treffer relativ mickrig aus: Nur gerade acht Verwaltungen werden angezeigt. Wer gehört zu den Treffern - und wie wird die Plattform genutzt?

Noëlle Karpf
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Grenchen hat mit 1238 die meisten Likes der aktiven Gemeinden im Kanton Solothurn.

Grenchen hat mit 1238 die meisten Likes der aktiven Gemeinden im Kanton Solothurn.

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Auf dem sozialen Netzwerk Facebook kann man heutzutage nicht nur mit Personen aus der Freundesliste den Kontakt pflegen, sondern erhält auch die neusten Informationen von den Seiten, die man mit «Gefällt mir» markiert. Firmen oder Vereine haben so die Möglichkeit, mit einem offiziellen Profil genau das Publikum zu erreichen, das sich für die Inhalte interessiert. Theoretisch könnten davon also auch Gemeinden Gebrauch machen und Facebook-Nutzer auf Neuigkeiten aus der Region hinweisen. Im Kanton Solothurn wird dieses Angebot aber nur selten benutzt.

Nur sechs Gemeinden im sozialen Netzwerk

Diese Solothurner Gemeinden sind aktiv auf Facebook

Grenchen: 16'401 Einwohner, 1'238 Facebook-Likes

Recherswil: 1'7569, 319 Facebook-Likes

Bettlach: 4'835 Einwohner, 317 Facebook-Likes

Drei Höfe: 745 Einwohner, 198 Facebook-Likes

Breitenbach: 3'635 Einwohner, 133 Facebook-Likes

Welschenrohr: 1'089 Einwohner, 126 Facebook-Likes

Zullwil: 626 Einwohner, 69 Facebook-Likes

Herbetswil: 541 Einwohner, 62 Facebook-Likes

Mit 62 «Gefällt mir»-Angaben erreicht Herbetswil - zumindest auf Facebook - auf jeden Fall mehr Personen als die restlichen 103 Solothurner Gemeinden, welche gar nicht aktiv sind auf der Plattform. Wie kommt es, dass diese kleine Ortschaft auf einem globalen Netzwerk eine Seite bewirtschaftet und grössere Gemeinden nicht?

Den Beschluss, eine Facebook-Seite ins Leben zu führen, fasste der Herbetswiler Gemeindepräsident Stefan Müller-Altermatt vor rund zwei Jahren. Er ist derjenige, der die Seite der kleinen Gemeinde aktualisiert. Dazu postet er Fotos von Anlässen, berichtet selbst von Gemeindeversammlungen, oder verlinkt Online-Artikel der Zeitung, die etwas mit Herbetswil zu tun haben.

Er selbst gibt aber zu, dass er für die Gemeinde online zu wenig aktiv ist. Für seinen eigenen Facebook- oder Twitter-Account veröffentlicht der CVP-Nationalrat praktisch tagtäglich etwas Neues. Auf der Seite von Herbetswil findet sich pro Monat durchschnittlich ein Post. «Es wäre eigentlich einmal ein Vorsatz gewesen, Facebook für Herbetswil konstanter zu bedienen.»

Was ihm besonders aufgefallen sei, dass die Facebook-Nutzer aus Herbetswil öfters mal ein Foto auf der Seite der Gemeinde posten. «Das scheinen die Leute wirklich gerne zu machen.» Der Gemeindepräsident sagt klar, dass er sehe, wie nützlich die Seite schon für eine kleine Gemeinde wie Herbetswil ist.

So empfiehlt er gerade den grossen Gemeinden, Facebook zu nutzen. «Die Plattform ist schnell, attraktiv und gratis», sagt der Nationalrat. Traditionelle Instrumente würden langsam an ihre Grenzen stossen.

«Eine grosse Stadt wie Grenchen sollte eigentlich einmal zählen, wie viele Besucher durch eine Gemeindeversammlung von Neuigkeiten erfahren und wie viele durch die Facebook-Seite über dieselben Nachrichten informiert werden», schlägt Müller-Altermatt vor. Er gehe davon aus, dass Facebook im direkten Vergleich mehr Leute erreichen würde.

Dieser Versuch kann in der Realität aber nicht umgesetzt werden. Auf der Facebook-Seite der Stadt Grenchen findet die Politik nämlich keinen Platz. «Wir wollen das Grenchner Publikum mit Posts aus den Bereichen Kultur und Sport erreichen», sagt Silvan Granig von der Stadtkanzlei Grenchen auf Anfrage.

Auf der Plattform würden sich Berichte über Anlässe, Ausstellungen und allgemein das «Positive, das passiert» finden. Über Politisches würde die Stadt in Medienmitteilungen oder auf der Homepage informieren. Dort herrsche «ein anderer Sprachstil», so Granig. «Auf Facebook können wir in einem lockeren Ton alle unterhalten, die sich mit Grenchen verbunden fühlen.»

Das soll bei den Nutzern gut ankommen: «Wir erhalten Rückmeldung von den Lesern und bekommen so gleich mit, was ankommt und was nicht», erklärt der Verantwortliche für Standortmarketing. Im Netz hätten die Leute auch weniger Hemmungen und würden schneller einen Kommentar abgeben, als einen Brief an die Stadtverwaltung zu schreiben. Momentan sei man sehr zufrieden mit der Seite und so soll sie in Zukunft auch weitergeführt werden.

Soziales Netzwerk «kein Thema»

Für eine kleine Gemeinde soll Facebook hilfreich sein, für die grossen Gemeinden werden sie sogar von einem Nationalrat explizit empfohlen. Trotzdem sind 103 Gemeinden auf der Plattform gar nicht aktiv. Wird das Netzwerk von einer grösseren Gemeinde wie Subingen nicht so attraktiv eingeschätzt wie vom Herbetswiler Gemeindepräsident? Oder plant man dort etwa, noch eine Seite zu starten?

«Eine Facebook-Seite ist bei der Gemeinde Subingen momentan gar kein Thema», sagt die Gemeindeschreiberin Vreni Zimmermann auf Anfrage. «Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Verwaltung daran interessiert wäre.» Die Neuigkeiten würde man auf der Seite der Gemeinde veröffentlichen. Wer etwas über das aktuelle Geschehen wissen möchte, könne sich dort selbst informieren.

Facebook als Zusatzleistung der Gemeinde

Bettlach ist eine der Gemeinden nebst Herbetswil, die sich für das Betreiben einer Seite entschieden hat und auch positive Erfahrungen damit macht. Mit Posts werden die Einwohnerinnen und Einwohner auf dem Laufenden gehalten. «Letztes Jahr haben wir uns dazu entschieden, eine zusätzliche Informationsplattform zu führen», erklärt Gregor Mrhar von der Bettlacher Gemeindeverwaltung.

Mit Fotos und Zeitungsartikeln zu Anlässen oder Neuigkeiten der Gemeinde versuche man, den Einwohnern und den «Heimweh Bettlacherinnen und Bettlachern» eine belebte Seite zur Verfügung zu stellen, so Mrhar. Ziel sei es aber die Seite noch aktiver zu gestalten, sagt er weiter. Bislang finden sich auf der Seite vor allem Links von Online-Artikeln der Zeitung. Der letzte eigene Post der Gemeinde ist vom 23. April.

Mit etwas «Zurückhaltung» und «eher geringem Aufwand» schafft es die Gemeinde so, den 317 Fans der Seite einen Überblick über das aktuelle Geschehen in Bettlach zu ermöglichen. Vergleichbare Aktivität im sozialen Netzwerk können schliesslich nur fünf weitere Gemeinden im ganzen Kanton von sich behaupten - Bürgergemeinden ausgenommen.

Von drei Solothurner Städten ist nur eine aktiv - Olten folgt

Die Stadt Grenchen beitreibt ihre Facebook Seite mit Posts aus den Bereichen Kultur und Sport und will den Fans damit positive Geschichten der Stadt liefern. Über Tausend Nutzern «gefällt das». Sucht man auf der Plattform nach Solothurn oder Olten, findet man keine offiziellen Ergebnisse.

In der Stadtverwaltung Solothurn war das Starten einer eigenen Seite schon Thema, wie Stadtpräsident Kurt Fluri auf Anfrage sagt. Aufwand und Ertrag würden in einem schlechten Verhältnis stehen, daher sei kein Projekt in Aussicht. Sollte sich das ändern, würde die Stadt zuerst ein Profil erstellen, um sich auf dem Netzwerk nach anderen Seiten von Solothurn umzuschauen und dann zu entscheiden, was es noch braucht. Fluri hat selbst kein Facebook-Profil, daher sind im auch inoffizielle Seiten der Stadt wie «Du bisch vo Solothurn wenn...» kein Begriff. Eine weitere Frage sei ausserdem, ob die Stadt Inhalte bieten könne, die interessant genug wären um ein genügend grosses Publikum zu erreichen. Eine solche Seite zu führen sei schon «sehr arbeitsintensiv».

Dass eine Facebook-Seite mit Arbeit verbunden ist, ist auch dem Stadtschreiber von Olten bewusst. Markus Dietler erzählt aber, dass diese Arbeit in Angriff genommen wird. «Eine Facebook-Seite ist bei uns momentan tatsächlich ein Projekt, dass sich in der Entwicklung befindet», sagt er. Die Abteilungen der Stadt würden sich zur Zeit darüber austauschen, wer was zu dieser Seite beitragen könnte. Man wolle nämlich keinen «Versuchsballon starten» sondern erst mit der Seite starten, wenn abgesichert ist, dass diese auch mittelfristig weitergeführt und der Bevölkerung konstant etwas Aktuelles geboten werden kann. Noch dieses Jahr soll das Konzept dem Stadtrat vorgelegt werden.

Somit wären dann zwei der drei Solothurner Städte online. (nka)