Demonstration
Explosionen, Feuer, Verletzte: Rettungstruppen beweisen, dass sie für die grosse Katastrophe gewappnet sind

Die Armee demonstrierte in Wangen an der Aare das Zusammenspiel mit zivilen Partnern im Ernstfall. Auf dem Übungsareal hatten die Rettungstruppen mit mehreren Explosionen, mit eingestürzten Gebäuden, Feuer und Verletzten umzugehen.

Urs Moser
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Die Genie- und Rettungstruppen zeigen in Wangen an der Aare, was sie drauf haben.
40 Bilder
Geprobt wird auf dem Waffenplatz in Wangen a. A.
Wie es aussieht, sind alle bereit für die Übung.
Auch der Zivilschutz steht bereit.
Achtung, gleich knallts.
Von allen Seiten wird das Feuer gelöscht.
Das Feuer muss so schnell wie möglich gelöscht werden.
Das Publikum schaut währenddessen gespannt zu.
Der Helikopter hebt ab...
... und behält die Lage von oben im Blick, ...
... während sich der Soldat am Gebäude zu schaffen macht.
Das Team der Einsatzleiter hat währenddessen alles im Blick.
Demonstration der Genie- und Rettungstruppen des Militärs in Wangen an der Aare
Der Sprengstoffexperte bereitet sich auf seinen Einsatz vor.
Sitzt auch alles?
Der Sprengstoffexperte auf der Suche nach explosiven Substanzen.
In der Zwischenzeit macht sich die Truppe auf den Weg zum Einsatzort.
Auf gehts!

Die Genie- und Rettungstruppen zeigen in Wangen an der Aare, was sie drauf haben.

Hanspeter Bärtschi

Mehrere tausend Diensttage leisten Truppen der Schweizer Armee jährlich für Unterstützungseinsätze zugunsten der Zivilbevölkerung. Zentral dabei: Das Zusammenspiel der Rettungstruppen mit den zivilen Blaulichtorganisationen muss funktionieren. Dass es das im Ernstfall tut, habe gerade wieder der Einsatz in Bondo im Bergell gezeigt, meint Brigadier Stefan Christen, der den Lehrverband Genie/Rettung kommandiert.

Um zu zeigen, wie das Zusammenspiel im Katastrophenfall funktioniert und wie es geschult wird, lud sein in Zuchwil stationiertes Kommando am Donnerstag auf den Waffenplatz in Wangen an der Aare. Gemeinde- und Kantonsvertreter, aber vor allem Verteidigungsattachés aus beinahe der ganzen Welt – von Deutschland, Italien, Frankreich bis zu den Vereinigten Staaten, Mexiko und Südkorea – verfolgten die Leistungsdemonstration.

Oberst im Generalstab Mark Eisenheer, Kommandant Rettungs-UOS/RS und Waffenplatzkommandant, schildert das Szenario: An verschiedenen Orten in Europa gab es Anschläge von «radikalen Elementen». Auch in der Schweiz kam es zu kleineren Anschlägen ohne grössere Wirkung in den Ballungszentren von Bern und Zürich. Bis heute: Im Raum Wangen an der Aare, aus einem Ortsteil mit Industrieansiedlungen, geht ein Notruf ein: Es gab eine Explosion, vermutlich eines Öl- oder Gastanks, eine unbekannte Flüssigkeit ist ausgetreten und in die Kanalisation gelangt.

Armee leistet Spontanhilfe

Die Demonstration geht mit einem mächtigen Knall los. Es wurden Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst aufgeboten. Als erstes ist eine Polizeipatrouille vor Ort, sichert den Einsatzort ab. Auch die Feuerwehr rückt an, kurze Lagebesprechung, umgehend beginnt der Einsatz. Die ersten Löscharbeiten sind in Gang, es kommt zu Folgeexplosionen wegen dem ausgeflossenen Öl, weitere Unterstützung wird beantragt. Die Armee kann in solchen Fällen Spontanhilfe leisten, für länger dauernde Einsätze haben die Kantone ein entsprechendes Begehren zu stellen. Im demonstrierten Fall präsentiert sich das Übungsdorf auf dem Waffenplatz in Wangen an der Aare schnell als Inferno.

Ein Super-Puma-Helikopter bringt die ersten Einsatzelemente der Rettungstruppen vor Ort. Umgehend nimmt der Kompaniekommandant Kontakt mit seinen Leuten auf und erteilt erste Aufträge. Die Gesamteinsatzleitung bleibt aber immer bei den zivilen Behörden. Das Militär setzt als erstes eine Drohne zur Raumerkundung ein. Die Livebilder werden in die Einsatzzentrale gesendet, es geht darum, sich ein genaues Gesamtbild der Lage zu verschaffen. Die ist prekär. Es gibt sehr viele Verletzte, zusätzlich wird auch die Rettungsflugwacht aufgeboten, um die Schwerverletzten auszufliegen. Und es fährt eine ganze Rettungskompanie, begleitet von Militärpolizei, am Einsatzort ein.

Man sprich nicht explizit von einem Terroranschlag, sondern von einer «hybriden Bedrohung»: Der «Gegner», beziehungsweise die Ursache der Katastrophe, ist unbekannt. Aber da alle Facetten eines Einsatzes gezeigt werden sollen und auch die Spezialisten des Kommandos Kamir, der Kampfmittelbeseitigung, im Einsatz stehen, ist eigentlich klar, was es geschlagen hat.

Die Militärhelikopter kommen und gehen, fliegen laufend neues Material für den Katastropheneinsatz ein. Unter anderem eine 2,5 Tonnen schwere Löschwasserpumpe und ein sogenanntes Kernbohrgerät, um sich Zugang zu den in Trümmern liegenden Gebäuden zu verschaffen und nach Überlebenden der Katastrophe zu suchen.

Auch ein erster Hundeführer seilt sich mit seinem Rettungshund aus einem Helikopter ab – das effizienteste Mittel überhaupt, um Leute unter Trümmern zu finden, wie Schulkommandant Eisenheer erläutert. Es wird immer ein erster Hund zur Lokalisierung und dann ein zweiter zur Bestätigung eingesetzt.

Nach etwas mehr als einer Stunde ist der im Zeitraffertempo demonstrierte Katastropheneinsatz zu Ende, rund 150 Soldaten und gegen 100 zivile Einsatzkräfte sind schweissgebadet. Die in- und ausländischen Gäste scheinen beeindruckt, jedenfalls quittieren sie die Demonstration mit kräftigem Applaus – und überzeugen sich danach auch von der Leistungsfähigkeit der Feldküche.

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