Grenchen
Ex-UBS-Banker packt aus: So finanzierte er traumhafte Renditen

8,7 Millionen Franken Schaden und über 162 Betrogene hat ein Grenchner Ex-Banker zurückgelassen. Am Montag stand er vor Gericht. Dort kam es gar zur Morddrohung.

Hans Peter Schläfli
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Unter dem Dach der Grenchner UBS-Filiale geschah bis Ende 2008 Ungeheuerliches: Ein Berater versprach fantastische Renditen von bis zu 30 Prozent und zog ein Schneeballsystem auf, mit dem er seine italienischen Bekannten um ihre Ersparnisse und Pensionskassengelder brachte. Er betreute insgesamt 252 «private» Kunden und setzte dabei rund 21 Millionen Franken um, wie Staatsanwalt Domenic Fässler am Montag vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern schätzte. Die neu eingenommenen Gelder verwendete der ehemalige Kundenberater dazu, alte Kunden zufriedenzustellen. Und die waren über diese wundersame Geldvermehrung derart entzückt, dass sie ihm gleich neue Investoren brachten.

Nicht weniger als 162 Personen haben sich gemeldet, die noch eine Rechnung mit dem ehemaligen Banker offen haben. Die Schadenssumme schätzte der Staatsanwalt auf 8,7 Millionen Franken. So genau wisse das niemand, weil 90 Prozent der Geschäfte mit Bargeld und ohne Quittungen abgewickelt wurden.

Obwohl viele der unsauberen Geschäfte während der Bürozeiten von einem UBS-Angestellten in der UBS-Niederlassung abgewickelt wurden, hat übrigens die Bank bis heute keine Verantwortung dafür übernommen.

Geld an Frau überschrieben?

Eine Privatklägerin beschrieb, wie sie vom UBS-Kundenberater in dessen Büro aufgefordert wurde, unten am Schalter 45’000 Franken abzuheben. Sie habe das Geld auf den Tisch gelegt, und da habe er gleich 5000 Franken wieder zurückgegeben. Das sei die erste Zinszahlung. Einige Leute, die im Gerichtssaal diese Geschichte hörten, mussten ob dieser Naivität das Lachen unterdrücken.

«Das Geld habe ich nicht versteckt, wie man es mir vorwirft. Das ist alles in Form von Zinsen und Rückzahlungen verschwunden», beteuerte der Angeklagte. Er wisse aber wirklich nicht mehr, wer wie viel erhalten habe. Eine Privatklägerin warf ihm vor, alles Geld seiner Frau überschrieben zu haben, bevor er sich scheiden liess. «Er lebt immer noch mit Frau und Kindern zusammen. Da ist doch klar, was passiert ist», meinte die Frau, die einen Schaden von 145’000 Franken geltend machte.

Morddrohung im Gerichtssaal

Das alles war zu viel für einen älteren Herrn im Gerichtssaal. Er beschimpfte den Angeklagten auf italienisch: «Du Bastard, ich bringe dich um wie einen Hund.» Dann wurde er von der Polizei aus dem Gerichtssaal entfernt.

«Dummheit und Stolz.» So erklärte der ehemalige UBS-Kundenberater sein Motiv. Es sei ihm nicht ums Geld gegangen, er habe es auch nichts davon für sich ausgegeben. «Das Ganze fing 2001 mit ein paar Kollegen an. Wir haben begonnen mit Optionen und Derivaten zu handeln. Alle haben mich gelobt und ich sonnte mich im Erfolg. Dann gab es massive Verluste und ich habe versucht, neues Geld aufzutreiben, um nicht zugeben zu müssen, dass ich versagt hatte.» So ab Mitte 2006 sei er nur noch am Geldsuchen gewesen, um die Löcher zu stopfen. Am 1. Dezember 2008 ging er zur Polizei und machte eine Selbstanzeige.

«Hatte Angst um meine Kinder»

Der sofort fristlos entlassene UBS-Kundenberater sass 171 Tage in Untersuchungshaft. Kaum auf freiem Fuss begann er, in Grenchen wieder Geld zu veruntreuen. «Ich wurde von einer türkischen Mafia massiv bedroht. Ich hatte Angst um meine Kinder. Ich wurde fast wahnsinnig», erklärte er das Motiv für die zweite Serie mit einer Schadenssumme von rund 500’000 Franken.

«Als Bankangestellter hat er das grosse Vertrauen seiner italienischen Landsleute schamlos ausgenützt», sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Das Geständnis und die Kooperation seien strafmildernd anzurechnen. Dass er nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft gleich wieder straffällig geworden ist, sei dagegen straferhöhend. Der Staatsanwalt forderte eine Verurteilung wegen mehrfacher, vorsätzlicher und gewerbsmässiger Veruntreuung sowie mehrfacher Urkundenfälschung und forderte eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.

Die Verteidigung forderte Freisprüche bei den ersten angeklagten Summen. Erst ab Mitte 2006 habe es sich um Veruntreuung gehandelt. «Die Spirale drehte sich immer schneller. Er wurde zu einem Hamster, der im Rad immer schneller rennen musste», sagte Rechtsanwältin Ida Salvetti in ihrem Plädoyer. Sie sprach von einem gewissen Selbstverschulden der Opfer, die leichtfertig gehandelt hätten und forderte eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Die öffentliche Urteilsverkündung ist auf diesen Freitag, 14 Uhr, angesetzt.

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