«Kaffee trinke ich aber keinen. Den bringe ich nicht runter.» Gut, dann heisst die Rubrik heute eben auf ein Glas Wasser mit ... Und zwar mit Thomas Zindel. Der 40-jährige Steuerexperte hat eine geschäftige Woche hinter sich. Sein Geschäft, die GSW Treuhand AG, ist umgezogen. Am Montag wurden die neuen Büros am Solothurner Dornacherplatz bezogen. «Das war eine Übung. So ein Büro zügelt man nicht alle Tage, und zum Glück auch nicht alle Jahre», kommentiert er. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die HESO auf Hochtouren. Seit einigen Jahren ist er im Organisationskomitee der Messe, hat dort das Mandat für die Finanzen inne. «Den HESO-Virus habe ich mir vor 20 Jahren eingefangen, als wir das erste Mal das Schwingerzelt stellen durften. Und bis heute hat er mich nicht losgelassen.»

Und gleichzeitig tanzt Zindel noch auf einer dritten Hochzeit, steht doch dieses Wochenende das Eidgenössische Schwingfest an. Das Schwingen ist Zindels Hobby und seine grosse Leidenschaft. Mit dem Schwingklub Solothurn, bei dem er für die Jungschwinger verantwortlich ist, ist er am Donnerstag nach Zug gefahren. Zusammen mit 90 Vereinskollegen wird er sich dieses Wochenende die Kämpfe in der Arena anschauen.

Drei eidgenössische Kränze nach Hause gebracht

Heute schaut er sich die Kämpfe nur noch an. Vor einigen Jahren stand er aber selber noch im Sägemehl. Und dies äusserst erfolgreich. An insgesamt fünf Eidgenössischen hat er geschwungen, dabei drei Kränze gewonnen. Sein sportlicher Höhepunkt? «Als ich 2010 in Frauenfeld gegen Jörg Abderhalden, den damals amtierenden Schwingerkönig, antreten durfte.» Körperlich und mental befand sich Zindel auf dem Höhepunkt seiner Karriere, verlangte dem König alles ab, brachte ihn an den Rand einer Niederlage. Am Ende verlor er den Kampf ganz knapp. «Trotzdem konnte ich erhobenen Hauptes die Arena verlassen. Das war der Kampf meines Lebens.» Und für einen Kranz hat es dann trotz der Niederlage doch gereicht.

Und noch ein anderer Moment ist Zindel ganz besonders in Erinnerung geblieben: In der Woche vor dem Eidgenössischen 2007 in Aarau wurde er Vater einer Tochter. Am Wochenende schwang er dann, war im achten und letzten Gang am Rande einer Niederlage, konnte den Kampf gerade noch herumreissen und so einen Kranz gewinnen. «Da kam alles hoch: Die Geburt, das Vaterwerden, der Kranz, auf den ich so hart hingearbeitet hatte. Es läuft mir heute noch kalt den Rücken hinunter, wenn ich daran denke.»

Schwingfest-Gigantismus: «Das ist der Lauf der Zeit.»

Seit Zindels Aktivzeit ist das Schwingfest kontinuierlich gewachsen. 56'500 Plätze hat die Arena in Zug, die Tickets sind begehrter denn je, das Gelände wird am Wochenende zu einer riesigen Partymeile. «Das ist der Lauf der Zeit», findet Zindel. «Ich sehe es aber auch ein wenig kritisch.» Ihm persönlich ist die ganze Partymeile zu viel. «Ich bin dort, um Schwingen zu schauen, und nicht, um Party zu machen.» So wird er sich dann auch mit den Kollegen vom Schwingklub am Abend auf den Campingplatz zurückziehen, gemeinsam essen und fachsimpeln.

Und wer wird Schwingerkönig? «Ich sehe fünf Favoriten», sagt Zindel. «Orlik, Wicki, Reichmuth, Stucki und Giger. Einer der fünf wird es wohl machen. Mein Tipp ist Pirmin Reichmuth.» Auch der Schwingklub Solothurn hat mit Thomas Stüdeli einen Athleten am Start. «Ein sehr guter Schwinger», findet Zindel. «Damit es allerdings für einen Kranz reicht, müsste er über sich hinauswachsen.» Vom Schwingklub Solothurn wird aber noch zu hören sein, ist Zindel überzeugt. Vielleicht nicht am nächsten oder übernächsten Eidgenössischen. Aber irgendwann bestimmt. «Wir haben mit der Schwinghalle im Brühl eine super Infrastruktur, ein super Leiterteam, alles ehemalige Schwinger, und wir haben super Jungschwinger. Wir brauchen fünf bis zehn Jahre Aufbauphase, die Zeit nehmen wir uns. Aber danach liest man von uns wieder.»