Amtsgericht Solothurn-Lebern
Ex-Freundin geschlagen? Sri Lanker wird mangels Beweisen freigesprochen

Ein Sri Lanker übernachtet bei seiner Ex-Freundin. Am Morgen danach kommt es zu einem Streit. Ob der Sri Lanker seine Ex-Freundin dabei geschlagen haben soll ist unklar. Die Beweislage reichte nicht aus und er wurde freigesprochen.

Christoph Neuenschwander
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Der 32-jährige Sri Lanker wurde vom Amtsgericht Solothurn-Lebern für unschuldig befunden.

Der 32-jährige Sri Lanker wurde vom Amtsgericht Solothurn-Lebern für unschuldig befunden.

Oliver Menge

Hamshan G.* war erst gerade wegen häuslicher Gewalt verurteilt worden. 14 Monate Gefängnis hatte ihm Amtsrichter François Scheidegger aufgebrummt. Jedoch bedingt, bei einer Probezeit von vier Jahren. So die Ausgangslage, als der Sri Lanker am ersten Augustwochenende 2011 bei seiner Ex-Freundin Dahana N.* und den beiden gemeinsamen Kindern übernachtete.

Das Verhältnis zwischen dem Verurteilten und der Geschädigten war angespannt. Manchmal habe sie ihn in die Wohnung gelassen, manchmal nicht, sagte sie am Dienstag vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern, das von François Scheidegger präsidiert wurde. Manchmal habe G. gesagt, dass es ihm leid tue und er sie liebe.

Morddrohung wegen 500 Franken?

Was am Morgen des 6. August 2011 geschah, nachdem die Familie ausgeschlafen hatte und frühstücken wollte, hatte aber mit Liebe wenig zu tun - auch wenn unklar bleibt, was genau passiert ist. Die Version von Dahana N. ist folgende: Das zweijährige Töchterchen fand nach dem Aufstehen in der Tasche des Vaters eine Uhr, die der Mutter gehörte. Die Mutter stellte den Ex-Freund zur Rede. Dieser gab an, die Uhr genommen zu haben, weil ihm N. 500 Franken schulde.

«Ich habe mit ihm geschimpft und gefragt, was das soll», so die Privatklägerin. «Dann schlug er mir ohne Vorwarnung viermal ins Gesicht. Er drohte, meine Mutter zurück nach Sri Lanka zu bringen oder mich zu töten, wenn er das Geld nicht erhalte.» Weil Dahana N. Angst hatte, weitere Prügel einzustecken, verhielt sie sich ruhig und wartete, bis Hamshan G. in den Keller ging. Dann schloss sie sich ein und alarmierte die Polizei.

Der Beschuldigte schilderte die Situation völlig anders: Er habe die Uhr zwar genommen, wollte sie aber wieder zurückgeben. Geschlagen habe er seine Ex-Freundin nicht, nur geschubst. Und von Drohungen wollte der 32-Jährige auch nichts wissen. Er gab aber zu, Dahana N. beschimpft zu haben, möglicherweise als Schlampe.
«Als ich aus dem Keller kam, stand plötzlich die Polizei vor der Tür», erinnerte sich G. Seine Freundin sei einfach wütend auf ihn, deshalb gehe sie mit diesen falschen Anschuldigungen auf ihn los.

«Es geht nicht um Sympathien»

«Ich habe Sie bereits einmal wegen einfacher und schwerer Körperverletzung verurteilt», entgegnete Scheidegger. «Irgendwie passen die aktuellen Anschuldigungen schon ins Bild.» Diese Sicht wollte Verteidigerin Eveline Roos nicht gelten lassen: «Einmal gewalttätig, immer gewalttätig - so einfach ist es nicht.» Ihr Mandant wirke zwar weniger sympathisch als die Privatklägerin, aber es gehe hier nicht um Sympathien, sondern um Beweise, fuhr sie fort. «Wir haben nur die Behauptungen der beiden Parteien.» Und die Aussagen, die Dahana N. in verschiedenen Befragungen gemacht habe, seien widersprüchlich.

Beweislage reicht nicht

Durch reinen Zufall habe die Geschädigte keine Verletzungen davongetragen, erwiderte Staatsanwalt Raphael Stüdi. Der Beschuldigte habe aber Verletzungen in Kauf genommen, da er unkontrolliert zugeschlagen habe. Seine Aussagen betreffend der Schulden seien zudem unglaubhaft, da N. finanziell besser dastehe als ihr Ex-Freund. Stüdi forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten und die Widerrufung des bedingen Strafvollzugs, der bei der früheren Verurteilung gewährt wurde.

Das Amtsgericht folgte schliesslich dem Antrag der Verteidigerin, Hamshan G. nur der Beschimpfung schuldig zu sprechen. Er wurde dafür zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 70 Franken verurteilt. Für die Anklagepunkte der versuchten Körperverletzung, räuberischen Erpressung und Nötigung sowie des Diebstahls reiche die Beweislage nicht. «Es ist sicher etwas passiert», kommentierte Scheidegger. «Aber was, ist unklar.»

*Name von der Redaktion geändert

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