Solothurn
Ex-Drummer nicht beim Abschiedskonzert von «Krokus» dabei – «Fans hätten Original-Formation verdient»

Am 7. Dezember 2019 gibt die Solothurner Band Krokus ihr Schweizer Abschiedskonzert im Hallenstadion. Freddy Steady, Mitglied der Originalformation, ist nicht eingeladen. Das wurmt den Drummer.

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1979 präsentierte sich die Band Krokus, vier Jahre nach der Gründung, noch jung und rebellisch.
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Krokus 1980: (oben) Tommy Kiefer, Marc Storace, Fernando von Arb, (unten) Freddy Steady und Chris von Rohr.
Ein Bild aus 2008, als die Band ihr Comeback gab: Mark Kohler, Chris von Rohr, Freddy Steady, Fernando von Arb und Marc Storace
Nach ihrem Comeback gings wieder bergauf für die Band
Krokus traten 2013 mit einem Charity-Konzert in der Kulturfabrik Kofmehl auf.
Marc Storace, Chris von Rohr, Mandy Meyer, Fernando von Arb und Mark Kohler (von links).
An den Swiss Music Awards 2015 gabs für «Krokus» einen «Outstanding Achievement Award».
Krokus 2019: mit Marc Storace, Chris von Rohr, Mark Kohler, Mandy Meyer, Flavio Mezzodi, Fernando von Arb.
Die Hardrock-Band bei einem Konzert im Juni 2019 mit grossem Pomp am Rockfest Barcelona.

1979 präsentierte sich die Band Krokus, vier Jahre nach der Gründung, noch jung und rebellisch.

Corinne Glanzmann

Nach über 40 Jahren und 2000 gespielten Konzerten will sich Krokus von der Bühne verabschieden. Das Schweizer Schlusskonzert auf der «Adios Amigos»-Tour vom 7. Dezember im Zürcher Hallenstadion ist restlos ausverkauft. Tausende Fans freuen sich auf eine grosse Party. Kein Ticket hat hingegen Freddy «Steady» Frutig. Und das wurmt den ehemaligen Krokus-Drummer. Er hatte die Band 1975 mitgegründet und mehrmals verlassen. Beim Comeback von Krokus 2008 war er wieder eingestiegen – und sagte 2011 definitiv Tschüss. Seit 2014 verkauft er Motorräder.

«Ich finde, dass die Fans am letzten Konzert die Originalformation der grossen Erfolge, zumindest für ein oder zwei Songs, verdient hätten», schreibt Frutig am Samstagmorgen auf seinem Facebook-Profil. Auf den Plakaten stehe «Original since 1975», aber das stimme nicht. «Ohne überheblich zu wirken: Ich war einer der fünf einflussgebenden Musiker, der dieser Band zu dem Erfolg verhalf.» Von dem werde heute noch profitiert.

Deshalb habe er bei der Band nachgefragt, ob er eine Einladung fürs Schlusskonzert erhalte. Die Antwort war Nein. «Schade, aber eigentlich erstaunt mich das nicht», meint der Ex-Krokus-Drummer. «Ich habe gar nicht gewusst, dass ich für gewisse Bandmembers so angsteinflössend bin.» Er sei froh, habe er sich 2011 verabschiedet. «Auf der anderen Seite war diese Krokus-Zeit ein Hauptteil meines Lebens und machte mich zu dem, was ich heute bin.»

Unzählige Facebook-Freunde reagierten auf diesen Post. Bis Montagmittag hinterlegten knapp 300 Personen Kommentare. Viele zollen Freddy Steady für seine Worte Respekt. Er sei in der Originalbesetzung gewesen und gehöre deshalb zu Krokus und beim Abschlusskonzert auch auf die Bühne.

«Ein grosses Stück Arbeit»

Diese Meinung vertritt Krokus nicht. Auf der offiziellen Band-Fanpage gab Bassist, Produzent und Kopf der Band Chris von Rohr wenige Stunden später ein «offizielles Statement» ab. Ein grosses Hindernis war demnach offenbar die Gästeliste. Jeder Musiker hatte laut von Rohr nur 10 Tickets, die er vergeben konnte. «Wäre unser Verhältnis über die Jahre reifer und positiver gewesen, wie das mit anderen Ex-Krokus-Musikern ist, wäre einer Einladung nix im Weg gestanden.» Andere hätten Krokus in den letzten zehn Jahren mehr unterstützt.

Der Weg nach dem Comeback 2008 bis zurück ins Hallenstadion sei ein grosses Stück Arbeit gewesen, meint Chris von Rohr auf Frutigs Anmerkung, er habe der Band zum Erfolg verholfen. Und nein, man fühle sich nicht bedroht durch Freddy Steady. Die Bandmitglieder – eine «crazy, nicht immer einfache Familie» – hätten gerade in den letzten Jahren sehr viel auf «gute Vibes und Harmonie» gesetzt.

Der Stadtsolothurner mit der bekannten «Meh Dräck»-Parole nimmt wie gewohnt kein Blatt vor den Mund und erklärt dem Ex-Drummer auch noch die Vorzüge des jetzigen Taktgebers Flavio Mezzodi – «der peitscht uns mit seinem wahnsinnigen Spiel jeden Abend an den Bühnenrand». Wahrheit und Qualität setze sich am Schluss eben durch.

Einigen Krokus-Fans geht das Ganze zu weit. «DAS hier ist definitiv KEIN Rock'n Roll», meint ein User. Eine Einladung hätte allen ehemaligen Mitgliedern gebührt, schreibt ein anderer.

In dem Fall hätte man sich wohl weniger «Dräck» gewünscht. (ldu)