Amtsgericht
Ex-Drogendealer kann Job behalten dank Fussfessel

Er handelte mit Kokain, kaufte eine verbotene Kalaschnikow AK 47 und verursachte einen Unfall mit einem Postauto. Der 26-jährige Evren T.* lebte bisher nicht gerade tugendhaft. Das soll sich aber ändern.

Christoph Neuenschwander
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Fussfessel. (Symbolbild)

Fussfessel. (Symbolbild)

Keystone

Er habe sich wieder gefangen und sehe ein, dass er Blödsinn gemacht habe, sagte er gestern vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Inzwischen hat der junge Türke wieder einen Job, seine langjährige Freundin ist schwanger, er will bald heiraten und mit Drogen habe er nichts mehr zu tun.

«Viele aus meinem Freundeskreis konsumierten Drogen», erklärte er dem Gericht. «Also fing ich auch an. Ich machte Schulden und kriegte zudem finanzielle Probleme, weil ich von Zuhause wegzog. Dann fing ich an zu dealen.» Von Anfang bis Mitte 2010 verkaufte er in Grenchen, Biel und Zuchwil mindestens 258 Gramm Kokain. Die Kalaschnikow habe er im Mai 2010 einem verschuldeten Kunden sozusagen als Pfand abgenommen. Kurz darauf wurde Evren T. verhaftet.

Hausarrest statt Gefängnis

Zusammen mit seiner Anwältin Eveline Roos und dem Staatsanwalt Raphael Stüdi hat er eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten und eine Busse von 250 Franken ausgehandelt, die vom Amtsgericht jetzt in einem abgekürzten Verfahren bestätigt wurden. Diskussionspunkt zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung sei dabei die Aufteilung der Strafe in bedingten und unbedingten Vollzug gewesen, wie Stüdi berichtete. Er habe zuerst auf einer unbedingten Gefängnisstrafe von 15 Monaten beharrt.

Weil aber Evren T. seit einem Jahr wieder berufstätig ist, hat man eine «zweckmässigere» Lösung gefunden: Bei einer Freiheitsstrafe von maximal zwölf Monaten ist es nämlich möglich, dass der Verurteilte seine Haft in Form eines Hausarrests absitzt. Allerdings nur, wenn er einen Job und einen festen Wohnsitz hat.

In diesem Fall kann er mittels Fussfessel durch ein «Electronic Monitoring» überwacht werden. Zwar hat T. einen Teil seiner Strafe bereits 2010 im Untersuchungsgefängnis verbüsst; sogar bei einer unbedingten Strafe von 15 Monaten wäre die verbleibende Freiheitsstrafe unter ein Jahr gefallen. Doch im Kanton Solothurn ist nicht die noch abzusitzende, sondern die gesamte unbedingte Haft ausschlaggebend für den Entscheid zur elektronischen Überwachung.

«Es mag nichts mehr vertragen»

«Wegen dreier Monate wollten wir dem Beschuldigten nicht die Grundlage entziehen, sein Leben in den Griff zu bekommen», so Staatsanwalt Stüdi. Denn ohne die Möglichkeit einer Fussfessel hätte Evren T. seinen Job verloren. «Eine Gefängnisstrafe wäre für meinen Mandanten zu diesem Zeitpunkt absolut kontraproduktiv», erläuterte auch Verteidigerin Eveline Roos, die sich mit dem Kompromiss zufrieden zeigte.

Amtsgerichtspräsident François Scheidegger hielt die beantragte Sanktion für angemessen und riet dem 26-Jährigen: «Distanzieren Sie sich von Ihrem Umfeld. Denken Sie daran, die Probezeit von vier Jahren ist lang, es mag nichts mehr vertragen. Sehen Sie das als Chance, Sie sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.»