Jubiläum
Eveline Widmer-Schlumpf: «Engagierte Frauen packen das Übel an der Wurzel»

Der Schweizerische Gemeinnützige Frauenverein wird 125 Jahre alt. Am Mittwoch feierten im Solothurner Landhaus Frauen aus der ganzen Schweiz ihr Netzwerk. Dabei trat auch Evelyne Widmer-Schlumpf als Festrednerin auf.

Fränzi Rütti-Saner
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Der Schweizerische Gemeinnützige Frauenverein feiert sein 125-jähriges Jubiläum.
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Als Festrednerin kam Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf
125 Jahr Jubiläum des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins
Als Festrednerin kam Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf
Als Festrednerin kam Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf

Der Schweizerische Gemeinnützige Frauenverein feiert sein 125-jähriges Jubiläum.

Hansjörg Sahli

Eine stringente zweistündige, reich befrachtete Generalversammlung hätte es am Vormittag werden sollen, doch sie dauerte bis in die Mittagszeit hinein: Die 125. GV des Dachverbandes Gemeinnütziger Frauenvereine SGF. Als Präsidentin wurde die Lohnerin Priska Stalder bestätigt. Sie hatte das Amt bisher ad interim inne. Nach dem wohlverdienten Stehlunch in der Säulenhalle des Landhauses nahmen die rund 370 Frauen und ihre Gäste um 14 Uhr wieder im grossen Saal Platz. Jetzt war es an der Zeit, lockerer zu werden und den 125. Geburtstag des Dachverbandes zu feiern.

Neue Strophe im Solothurner-Lied

Edith Ursprung, die Präsidentin der gastgebenden Sektion Solothurn lud Vorstands-Damen auf die Bühne. Zusammen mit Mario Ursprung am Flügel intonierte dieser Ad hoc-Chor das Solothurner Lied – neu arrangiert und um eine SGF-Strophe erweitert. Dann war es Frau Landammann Esther Gassler, welche den gemeinnützig arbeitenden Frauen erste offizielle Glückwünsche überbrachte. «Ein mit lauter Frauen voll besetzter Saal habe ich eher selten vor mir», begann die Volkswirtschaftsdirektorin. «Ihr Frauen seit in der Regel diejenigen, die geben. Heute sollt ihr die sein, die nehmen. Nämlich den Dank und die Glückwünsche der Gesellschaft für ihre Arbeit.»

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Gemeinnützige Arbeit als Erfolgsrezept

Obwohl gemeinnützige Arbeit heute nicht mehr so Mode sei, sei sie doch ein Erfolgsrezept. Die ganze schweizerische Gesellschaft basiere doch auf dem Milizsystem. «Heute wird allerdings Professionalisierung verlangt und gefordert. Doch das Milizsystem ist nicht das Gegenteil von Professionalität. Das Gegenteil von Professionalität ist Dilettantismus, und davon sind sogar auch Professionelle nichtnicht immer gefeilt.» Und zu einem weiteren Bonmot liess sich Gassler hinreissen. «Man sagt, hinter jedem erfolgreichem Mann steht eine Frau. Bei ihnen aber muss davon ausgegangen werden: hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein Mann, der mitträgt und der, wenn man heimkommt, schon vieles erledigt hat.»

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Feiern einer anderen Realität

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf war als Festrednerin gekommen. Sie fühlte sich sichtlich wohl unter den Frauen in Solothurn. «Nachdem ich bis vor einer Stunde den Journalisten in Bern versucht habe zu erklären, was die Realität ist in Sachen USA und Steuerstreit, bin ich gerne gekommen, eine andere Realität zu feiern.» Vieles habe sich in den vergangenen 125 Jahren verändert, doch im Grunde sei das Engagement des SGF noch immer das gleiche. Starke, engagierte Frauen packen Übel an der Wurzel und machen etwas dagegen. «Wir haben viel erreicht – auch im Bundesrat, doch es ist noch nicht immer alles so, wie wir es möchten», meinte Widmer-Schlumpf.

Sie erwähnte die Lohngleichheit, oder auch die Gleichheit im Versicherungs- oder Vorsorgebereich. «Wichtig ist, dass der SGF auch in Zukunft mit Stellungnahmen seine Position engagiert nach aussen vertritt.» Die Bundesrätin rief die Frauen dazu auf, ihre Geschichte weiter zu schreiben, die Netzwerke weiter zu nutzen, Solidarität zu leben und zu fordern, sich einzusetzen und zu kämpfen. Als Vorbild der Frauen-Geschichtsschreibung nannte sie das Gosteli-Archiv in Worblaufen.

Nicht Eigennützigen überlassen

Ein weiterer Gratulant war Herbert Ammann, Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft der Schweiz. Er sagte: «Gemeinnützig Tätige müssen politisieren. Sonst überlassen wir dieses Feld den Eigennützigen». Ammann strich in seiner Rede die Unterschiede zwischen männlich-theoretischer Inititative und weiblich-praxisnaher Umsetzung hervor. Zum Rednerpult traten auch Robert Hilti, Stiftungsratsmitglied der Gosteli-Stiftung und Esther Bosshart-Ehrensperger, Präsidentin des Evangelischen Frauenbundes.

Zwischen den Rednern lockerte das Schauspielerinnen-Trio «Silberdistel» den Nachmittag mit unterhaltenden Episoden aus dem 125-jährigen Wirken des SGF auf.

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