Energieforschung

Europäisches Forschungsprojekt in Zuchwil vermeldet einen wichtigen Erfolg

Aus erneuerbarem Strom wurde erstmals in der Schweiz erneuerbares Methan hergestellt.

Aus erneuerbarem Strom wurde erstmals in der Schweiz erneuerbares Methan hergestellt.

Die 700 Billiarden Mikroorganismen im Bioreaktorturm auf dem Areal Aarmatt der Regio Energie Solothurn leisten ganze Arbeit: Am Freitag, 31. Mai, konnte dort mithilfe eines Biomethanisierungs-Prozesses aus erneuerbarem Strom erstmals in der Schweiz erneuerbares Methan hergestellt werden.

«Wenige Tage später erfolgte die erste Einspeisung ins Gasnetz», berichten die Verantwortlichen in einer Medienmitteilung stolz. Das dabei angewendete biologische Verfahren ist einmalig in der Schweiz und die Store&Go-Anlage Teil eines gesamteuropäischen Forschungsprojektes. «Die biologische Methanisierung gilt als wichtiger Baustein im sogenannten Power-to-Gas-Prozess, der in Zukunft für die saisonale Speicherung von überschüssigem erneuerbarem Strom von zentraler Bedeutung sein wird», wird die Wichtigkeit des Schrittes hervorgestrichen. Konkret können so Schwankungen bei der Produktion von Wind- und Solarenergie ausgeglichen werden. Die Technologie für das EU-Forschungsprojekt lieferte das deutsche Unternehmen Electrochaea GmbH, das mit der biologischen Methanisierung eine Lösung zur Stromspeicherung, Wiederverwertung von Kohlenstoffdioxid (CO2) und Erzeugung erneuerbarer Kraftstoffe anbietet.

Schon 370 Kilogramm produziert

In diesem Verfahren wandeln Urbakterien (sogenannte Archaeen) Wasserstoff und CO2 in erneuerbares Gas um. Ab einer Methankonzentration von 96 Prozent kann das erneuerbare Gas uneingeschränkt in das herkömmliche Gasnetz eingespeist werden. «Dies erfolgte in Zuchwil erstmals am 6. Juni nach einer Laufzeit von lediglich vier Tagen», vermelden die Forscher nun. Und: «Seitdem wurden mehr als 370 kg erneuerbares Methan eingespeist.» Zum Vergleich: Mit dieser Menge könnte ein mit Gas betriebener Kleinwagen rund 10 000 km fahren.

Die Verantwortlichen künden an, dass die internationalen Projektpartner in den nächsten Wochen und Monaten intensive Tests und Optimierungen durchführen wollen. «Die daraus gewonnenen Erkenntnisse dienen der grosstechnischen Weiterentwicklung des Power-to-Gas-Verfahrens».

Store&Go steht für «Innovative large-scale energy Storage technologies and Power-to-Gas concepts after Optimisation». Das internationale Projekt wurde 2016 im Rahmen von «Horizon 2020», dem Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation, lanciert. 27 Projektpartner aus sechs europäischen Ländern wollen die Power-to-Gas-Technologie weiterentwickeln. Geforscht wird anhand von drei unterschiedlichen Power-to-Gas-Konzepten an drei Standorten in Deutschland (Falkenhagen/Brandenburg), Italien (Troia/Apulien) und der Schweiz (Solothurn). Hier sind nebst Regio Energie Solothurn, Electrochaea, die Hochschule für Technik Rapperswil, die Ecole polytechnique fédérale Lausanne, die Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt sowie der Schweizer Verband des Gas-und Wasserfachs am Projekt beteiligt. (mgt/szr)

Meistgesehen

Artboard 1