Die Befürchtung, dass nach der Aufhebung der Wechselkurs-Untergrenze die Arbeitslosigkeit stark steigen wird, ist noch nicht eingetroffen. Noch. «In den kommenden Monaten wird die Zahl der Männer und Frauen ohne Arbeit im Kanton Solothurn zunehmen», sagt Jonas Motschi, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Die Frankenstärke respektive die abrupt gesunkene Wettbewerbsfähigkeit der Exportfirmen werde sich auswirken. «Die Unternehmen werden die Zahl der Arbeitsplätze hinterfragen.»

Bislang seien die Meldungen über einen Stellenabbau, welche direkt mit der Frankenstärke zusammenhängen, aber wenige. «In der Regel liegen andere Gründe vor, der Wechselkurs wird als zusätzlicher Grund aufgeführt.» Lohnkürzungen erwartet Motschi eher nicht. Einige Firmen versuchten dagegen, die Kostensituation mit verlängerten Arbeitszeiten bei gleichem Lohn in den Griff zu kriegen.

Mit einer sprunghaften Zunahme der Arbeitslosigkeit rechnet Motschi deshalb nicht. Er beobachte in Gesprächen mit Unternehmern, dass die Mitte Januar dunkel gemalten Zukunftsaussichten sich etwas aufgehellt hätten. Die Konjunkturexperten rechneten im Durchschnitt zwar für das laufende Jahr nur noch mit einem mageren Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 0,4 Prozent, aber für 2016 sähen die Prognosen doch bereits wieder besser aus. Motschi bleibt vorerst bei seiner Prognose: Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit steigt 2015 nicht über 3 Prozent. In den beiden Vorjahren lag sie bei 2,7 respektive 2,5 Prozent.

Deutlicher Anstieg der Kurzarbeit

Im Februar waren bei den RAV 3788 Menschen ohne Arbeit registriert. Das waren 10 mehr als im Vormonat, die Arbeitslosenquote verharrte bei 2,6 Prozent (landesweit 3,5 Prozent). «Der Arbeitsmarkt hat aber an Dynamik verloren», so Motschi. Die Zu- und Abgänge der Stellensuchenden seien zurückgegangen. Dasselbe gelte für den Anteil der Personen mit einem Zwischenverdienst an den Stellensuchenden.

Dass sich eine Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt abzeichnet, zeigt auch die Entwicklung bei den Gesuchen für Kurzarbeit. 2014 sind beim AWA durchschnittlich 7,4 Gesuche pro Monat eingetroffen. Im Januar 2015 waren es 9 Betriebe mit 284 betroffenen Mitarbeitenden. «Im Februar stellten 31 Betriebe mit 613 betroffenen Arbeitnehmenden ein entsprechendes Gesuch», meldet Motschi.

Droht nun Einbruch wie 2009?

Droht nun eine ähnliche Entwicklung wie während der Krise 2009? Damals schnellte die Zahl der Firmen mit Kurzarbeit extrem in die Höhe. So waren beispielsweise im Oktober 2009 rund 210 Betriebe mit 2930 Angestellten betroffen. Die Ausfallstunden betrugen über 168 000. Ein Jahr zuvor waren es 3 Firmen mit 50 Beschäftigten. Die Situation heute präsentiere sich anders, sagt Motschi. «Damals brach innert kurzer Zeit die globale Industrieproduktion massiv ein.» Und das sei heute nicht der Fall.

Im Gegenteil. Die US-Wirtschaft wachse, China habe ein neues Wachstumsziel definiert und in einigen europäischen Ländern gehe es aufwärts. Zwar seien die Schweizer Produkte teurer geworden, es sei aber nicht so, dass die Nachfrage eingebrochen wäre. «Kurzarbeit macht nur dann einen Sinn, wenn durch Auftragsschwankungen eine tiefere Auslastung vorliegt, aber die Aussicht auf eine Verbesserung besteht.»