Stellenabbau bei Scintilla
Esther Gassler: «Jede Produktions-Schliessung ist bedauerlich»

Der Kanton will die Betroffenen in der Scintilla mit allen Möglichkeiten unterstützen, sagt Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler. Den Entscheid zum Stellenabbau könne der Kanton aber nicht beeinflussen.

Franz Schaible
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Schliessungen seien kein «speziell solothurnisches oder schweizerisches Problem», sagt Esther Gassler.

Schliessungen seien kein «speziell solothurnisches oder schweizerisches Problem», sagt Esther Gassler.

Felix Gerber

Kam für Sie der Entscheid über die geplante Schliessung der Fertigung bei der Scintilla überraschend?

Esther Gassler: Wir standen und stehen mit der Firma Bosch in regelmässigem und offenem Kontakt. Bereits vor zwei Jahren wurde uns kommuniziert, dass es wegen des Konkurrenzkampfes und der dünnen Margen schwierig sei, in der Fertigung am Standort Zuchwil Geld zu verdienen. Über den jetzigen Schliessungsentscheid wurden wir im Voraus informiert. Nichtsdestotrotz bedrückt es auch uns, dass die Produktion in der traditionsreichen Scintilla aufgehoben werden soll.

Hat der Kanton Hilfe angeboten?

Wir hätten, wenn möglich, alles unternommen, um mit den Instrumenten der Wirtschaftsförderung die Verlagerung zu verhindern. Zum Beispiel, wenn Bosch in eine Neuausrichtung investiert hätte. Das war aber nie ein Thema. Aus Sicht des Unternehmens gibt es keine andere Möglichkeit. Zuchwil ist offenbar kostenmässig der falsche Standort, um die Elektrowerkzeuge herzustellen. Es liegt ausserhalb unserer Möglichkeiten, einen solchen Entscheid zu beeinflussen.

Die Gewerkschaften fordern eine Verlängerung der Konsultationsfrist. Unterstützen Sie dieses Anliegen?

Das kann ich nicht entscheiden . . .

. . . aber fordern.

Das ist Sache der Sozialpartner. Welche Frist richtig ist, ist im Gesetz nicht exakt vorgegeben, dort heisst es «angemessen». Entscheidend ist jetzt, dass die 30 Tage bis zum 20. Dezember voll für die Erarbeitung von realistischen Möglichkeiten genutzt werden. Ich habe vom Unternehmen die Zusicherung erhalten, dass vor dem definitiven Entscheid noch Gespräche zwischen der Firma und der Regierung geführt werden.

Gefordert wird auch die Einberufung eines «Runden Tisches» mit allen Beteiligten.

Der Kanton würde daran teilnehmen. Aber eine Einberufung ist nicht unsere Aufgabe. Dazu braucht es zuerst ernsthaft erarbeitete Ziele unter Einbezug der betroffenen Mitarbeitenden. Sie und ihre Anliegen müssen im Mittelpunkt stehen. Klar ist, dass wir vom Kanton her alles unternehmen, was in unserer Macht liegt und alles machen, was der Sache nützt.

Sie haben sich als Volkswirtschaftsdirektorin nicht aktiv geäussert, um den Betroffenen Ihre Hilfe zu signalisieren. Es herrscht der Eindruck, dass der Kanton tatenlos zuschaut.

Das wäre ein absolut falscher Eindruck. Im Gegenteil. Wir sind sehr aktiv und nützen alle unsere Möglichkeiten. Wenn wir nichts machen würden, dann hätte der Kanton Solothurn mit 2,5 Prozent nicht eine landesweit unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote. Im «Fall Bosch» können wir aus den erwähnten Gründen den Entscheid nicht beeinflussen. Es nützt nichts, öffentlich Versprechungen zu machen, welche dann doch nicht eingehalten werden können. Aber nach Vorliegen der Resultate aus dem Konsultationsverfahren werden wir alles unternehmen, um den «Schaden» zu minimieren.

Sie loben jeweils die starke Verankerung der Industrie im Kanton. Doch eine Grossfirma nach der anderen schliesst oder verlagert. Welches sind die Standortprobleme?

Grundsätzlich ist jede Produktions-Schliessung sehr bedauerlich, insbesondere, wenn es eine Traditionsfirma wie Scintilla mit vielen Zulieferern betrifft. Aber das ist kein speziell solothurnisches oder schweizerisches Problem, wenn ich die Wirtschaftslage in der Schweiz mit dem Ausland vergleiche. Dem Strukturwandel mit dem Verschwinden ganzer Industriezweige kann sich niemand nicht entziehen. Es ergeben sich aber Möglichkeiten, neue Industriebereiche anzusiedeln. Und wenn ich zurückblicke, haben wir im Kanton Solothurn schwierigste Situationen gemeistert und uns jeweils wieder erholen können.