Hellchöpfli
«Es wäre ja okay – wenn sie dort oben blieben ...»

n der ehemaligen Fliegerabwehrstellung auf dem Hellchöpfli soll ein kantonales Durchgangszentrum für Asylsuchende eröffnet werden. Die Reaktionen der Thaler Bevölkerung: vorwiegend skeptisch, überrascht, enttäuscht.

Norma Vögeli
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Dort oben auf dem Jurakamm, zwischen Schengimatt und Rüttelhorn: Das Hellchöpfli im Schneetreiben

Dort oben auf dem Jurakamm, zwischen Schengimatt und Rüttelhorn: Das Hellchöpfli im Schneetreiben

UW

Der Zugang via Fahrsträsschen erfolgt von der Thaler Seite her. Hans Moser, ein älterer Herr aus Laupersdorf, ist nicht begeistert: Für die Gemeinde sei die geplante Unterbringung eine grosse Belastung. «Ich habe Angst, dass Gruppen von Asylsuchenden die Dörfer unsicher machen. Es wäre ja okay, wenn die Leute da oben bleiben würden. Aber die wollen runter. So war es auch auf dem Jaunpass.» Moser ist der Meinung, dass es wichtig wäre, dass die Asylsuchenden einfache Arbeit bekämen wie Flur- und Waldarbeiten. «Solche Arbeiten, die uns sonst Geld kosten würden.»

«Das Volk muss entscheiden»

Manche reagieren sogar aufgebracht. Bruno Weber und Thomas Würstel, angetroffen im «Jägerstübli» in Laupersdorf, haben das Gefühl, man habe die Bevölkerung nicht informieren wollen. Der Grund, warum bis vor Kurzem nicht öffentlich über das Vorhaben diskutiert worden sei, scheine auf der Hand zu liegen: «Alle sind eingeschüchtert. Daher traut man sich nicht mehr, das Volk zu fragen. Doch der Steuerzahler muss involviert werden und das Volk muss entscheiden, nicht der Kanton. Wir sind einfach enttäuscht.»

«Reiche junge Männer»

Oftmals seien es eh nicht diejenigen, die Hilfe bräuchten, die hierher kämen. «Die Armen, denen es wirklich schlecht geht, können es sich gar nicht leisten, das Land zu verlassen. Es sind die reichen jungen Männer, die wir hier zu erwarten haben.»

Übergriffe und Kriminalität scheinen für manche Leute da fast schon programmiert zu sein. Leider seien die Fremden meistens junge Männer, sagt in Laupersdorf auch eine junge Frau, die nicht namentlich erwähnt werden möchte. «Das macht Angst vor Übergriffen.» Und eine ältere Dame klagt: «Wir haben schon genug solche Leute in Balsthal - es ist nicht angenehm, wenn man abends im Postauto sitzt und Angst haben muss.»

Nur wenige der Befragten können dem Vorhaben etwas Positives abgewinnen. Die Skepsis, die Angst ist bei den meisten zu gross. «Trotzdem müssen sie irgendwohin. Aber niemand will sie», so tönt es von vielen Seiten. «Und ausserdem, was sollen die da oben den ganzen Tag machen? - Also bekommen sie einen kostenlosen Fahrdienst, damit sie ins Dorf hinunter können. Und am Ende muss man sie einsperren, weil sie kriminell geworden sind und sich nicht anpassen können», ergänzen sich Weber und Würstel am allabendlichen Stammtisch gegenseitig.

«Den Zaun stehen lassen»

«Ich bin ratlos», sagt ein weiterer «Stammtischler» - und weiss dann doch einen Rat: «Am besten würde man den Zaun um das Gelände stehen und geschlossen lassen. Dann haben wir hier in Laupersdorf keine Probleme.»

Gelassener nimmt es hier die Familie Fluri, ein junges Paar, das mit dem Kinderwagen unterwegs ist: «Das ist schon gut, die sollen ruhig da oben sein. Ich habe da keine Bedenken. Wenn sie mit dem Pendeldienst um 18 Uhr wieder zurück sind, ist das ja kein Problem für uns», findet der Familienvater. «Zudem scheint es mir ein guter Standort zu ein», bemerkt die Mutter.

Auch neutrale Stimmen hört man. Oder vorsichtig-differenzierte: Ralf Koch etwa macht deutlich: «Im Moment bin ich eher gegen diese Einrichtung. Ich konnte mich aber noch nicht genug mit dem Thema befassen. Ich finde es nicht gut, wenn man einfach blauäugig drauflos redet. Ich muss mich noch genauer mit dem Thema auseinander setzen und mir eine Meinung bilden. Daher ist es gut möglich, dass ich meine Einstellung noch ändere.»

Ein Unort für eine Einrichtung

Und wie klingt es in Balsthal? - Auch Gemeindepräsident Willy Hafner beschränkt sich auf einen knappen, vorsichtigen Kommentar: «Im Moment möchte ich zu diesem Thema noch keine Meinung abgeben. Zuerst werde ich mich mit meinen Amtskollegen aus dem Thal treffen und die Angelegenheit besprechen.»

Martin Frei, angetroffen am Balsthaler Bahnhof, ist gar besorgt um das Wohl der Asylanten: «Eigentlich ist das Hellchöpfli ein Unort für eine humanitäre Einrichtung.» Und, so Martin Frei weiter: «Ich finde es komisch, dass man die Asylanten auf einen Berg schicken will. Es ist aber unsere humanitäre Pflicht, dass eine wohlsituierte Gesellschaft wie wir Asylanten aufnimmt.»