> Frauenstimmrecht: Mit nur 145 Stimmen Differenz lehnten es die Solothurner Männer 1948 ab, dass Gemeinden den Frauen das aktive Stimm- und Wahlrecht in Schul- oder Gesundheits- und Fürsorgeanliegen geben durften. Ab 1952 konnten dann Kirchgemeinden Frauen mitbestimmen lassen. Auch 1968 noch lehnten die Solothurner das Frauenstimmrecht in Kantons- und Gemeindeangelegenheiten ab, bis dann 1971 das Frauenstimmrecht auch auf kantonaler Ebene kam. Auf Gemeindeebene gab es damit das Frauenstimmrecht jedoch noch nicht überall: Erst 1980 wurde es im ganzen Kanton obligatorisch. Steinhof und Eppenberg-Wöschnau wurden zur Einführung gezwungen.

> Diskriminiert: Lehrerin war zwar ein Beruf, in dem Frauen früh selbst für sich sorgen konnten. Diskriminiert aber wurden sie auch in diesem Bereich: Für Seminarabgängerinnen galt – anders als für ihre männlichen Konkurrenten – lange eine dreijährige Wartefrist, in denen sie sich nicht bewerben durften. Bis in die 1960er-Jahre hinein waren verheiratete Frauen als Lehrerin im Hauptamt nicht wählbar.

> Nie Zweite: FDP-Politikerin Cornelia Füeg (1941) war immer die erste Frau in der Solothurner Politik: 1971 wurde sie erste Gemeindeschreiberin im Kanton, 1973 gehörte sie zu den ersten sechs Kantonsrätinnen.

1975 wurde Füeg erste Nationalrätin des Kantons Solothurn und 1987 dann noch erste Regierungsrätin. Getragen wurde sie damals von einer FDP-Basis-Bewegung. «Den Beweis, dass Frauen auch etwas können, muss man heute nicht mehr erbringen. Ich musste das beweisen», sagt Füeg.

> Unvorstellbar für heutige Verhältnisse ist der Kampf, den die Solothurner SP-Politikerin Lucie Hüsler 1977 führte. Die spätere Präsidentin der SP Frauen Schweiz wollte als verheiratete Frau unter ihrem Ledignamen zu den Solothurner Kantonsratswahlen antreten.

Dies wurde ihr vom Kanton nicht erlaubt. Hüsler zog bis nach Strassburg - und unterlag. Die Anwältin liess sich nicht unterkriegen. Sie und ihr Mann liessen sich scheiden, damit sie auf der nächsten Liste ganz korrekt mit dem Namen Hüsler antreten konnte.

> Frauen-Etappen-Sieg: Anfang März 1993 wurde in Bern die offizielle SP-Kandidatin Christiane Brunner nicht in den Bundesrat gewählt. Das Ereignis hatte grosse Auswirkungen auf die Solothurner Kantonsratswahlen wenige Wochen später: 50 Frauen wurden in den damals noch 144-köpfigen Kantonsrat gewählt. 14 Männer wurden abgewählt. Mit 34,72 Prozent war der Frauenanteil im Solothurner Kantonsrat so hoch wie nie mehr seither. Heute liegt er bei gerade einmal 28 Prozent. (lfh)