Armee
Es tönt nach schlimmem Kriegsszenario, ist aber nur eine Übung

Die Panzerbrigade 1 probt derzeit im Raum Solothurn/Bern den Ernstfall. Für die Übung unter dem Namen «Angerona Duplex» stehen elf Tonnen schwere Panzer entlang der Emme für den Einsatz bereit.

Fabiana Seitz
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Unter dem Namen «Angerona Duplex» probt die Panzerbrigade 1 im Raum Solothurn/Bern für den Ernstfall
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Die Mission: Herausfinden, wo der Gegner sich befinden könnte.
Brr kalt...
Die Lage wird beurteilt
Information ist alles
Er freut sich auf wärmere Zeiten
So sehen Null-Stern Schlafplätze aus
So sehen Null-Stern Schlafplätze aus
Verschiebungsübung der Panzerbrigade 1 im Raum Solothurn/Bern
Insgesamt stehen 28 Aufklärungsfahrzeuge und 20 Panzerhäger bereit
An einer Pressekonferenz wird der Einsatz erklärt v.l., Major Sybille Probst, Kommunikations-Stab Panzerbrigade 1; Brigadier Yvon Langel, Kommandant Panzerbrigade 1; Fachoffizier Marc Arlettaz
Brigadier Yvon Langel: «Auch wenn wir in der Schweiz nicht mit einem Krieg rechnen müssen, sind Paris oder Kopenhagen nicht sehr weit entfernt.»
Oberstleutnant Alexandre Vautravers, Überbungsleiter-Stellvertreter «Bei Angerona Duplex wird von einer hybriden Bedrohung ausgegangen, also sowohl ausserhalb als auch innerhalb der Landesgrenzen.»

Unter dem Namen «Angerona Duplex» probt die Panzerbrigade 1 im Raum Solothurn/Bern für den Ernstfall

Hans Ulrich Mülchi

16. Februar 2015. Es ist eisig kalt und ruhig. Noch lässt sich nichts vom nahenden Gegner erahnen. Doch gut versteckt in einem alten Bauernhaus in der Nähe von Biberist stehen Panzer und Soldaten bereit. Über Funk meldet ein Leutnant, dass gegnerische Truppen gesichtet worden sind. Im Nu werden Leute ausgeschickt, um die Lage zu beobachten und unter Kontrolle zu halten. Was hier nach einem schlimmen Kriegsszenario klingt, ist glücklicherweise nur eine Übung der Schweizer Armee.

Unter dem Namen «Angerona Duplex» probt die Panzerbrigade 1 seit gestern Montag und bis morgen im Raum Solothurn/Bern für den Ernstfall. Angerona steht für die römische Göttin der Verschwiegenheit und des geheimen Wissens. Duplex für den verbundenen Kampf zweier Bataillone, hier namentlich um das Aufklärungsbataillon 1 und das Geniebataillon 2. Ihre gemeinsame Mission: Nachrichtenbeschaffung. Also herausfinden, wo der Gegner sich befinden könnte und was er vorhat. Dazu gehört auch die Inbetriebnahme des Bereitschaftsraumes, die Sicherstellung von Mobilität und Unterstützung der zivilen Behörden.
Gegner von den eigenen Leuten simuliert

Auch wenn bei «Angerona Duplex» die Bedrohung bloss simuliert wird und der Gegner aus den eigenen Reihen stammt, verhalten sich die 1200 im Einsatz stehenden Mann wie bei einem echten Angriff. «Es ist wichtig, dass wir die Soldaten zum Denken anregen und ihnen die Augen öffnen, wie im Ernstfall zu handeln ist. Auch wenn wir in der Schweiz nicht mit einem Krieg rechnen müssen, sind Paris oder Kopenhagen doch nicht sehr weit entfernt. Auch hier könnte so etwas passieren», sagt der Übungsleiter, Brigadier Yvon Langel.

Stressresistenz, Kameradschaft und Verantwortung sind Qualitäten, die bei dieser Übung von jedem Einzelnen gefordert werden sollen und auch für den Berufsalltag durchaus nützlich sind. So ist der junge Mann, der während der Pressekonferenz im Schloss Jegenstorf mit einer schweren Waffe ausgerüstet die Türe bewacht, im wahren Leben eigentlich Krankenpfleger. Nun steht er während dreier Wochen im Rahmen seines Wiederholungskurses (WK) für die Schweizer Armee im Einsatz.
Panzer und Drohnen

«Bei Angerona Duplex wird von einer hybriden Bedrohung ausgegangen, also sowohl ausserhalb als auch innerhalb der Landesgrenzen», erklärt Oberstleutnant Alexandre Vautravers. Um der simulierten Bedrohung angemessen gegenübertreten zu können, stehen 28 Aufklärungsfahrzeuge und 20 Panzerjäger bereit. Unterstützung bekommen diese von der Luftwaffe mit Helikoptern und Drohnen.

Dass die Übung der hauptsächlich französischsprechenden Einheit auch im Kanton Solothurn stattfindet, sei von vorgesetzter Stelle so vorgegeben worden. Wo die Leute aber überall zum Einsatz kommen, sei noch nicht klar, da man schliesslich auch nicht wisse, wo sich der Gegner aufhalte. Die infrage kommenden Gebiete sind aber hauptsächlich im Bezirk Wasseramt, entlang der Emme, verteilt. Wer beim nächsten Spaziergang einen elf Tonnen schweren Panzer sichtet, braucht also nicht überrascht zu sein.