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«Es sind keine langen Ferien»: Familie Pleuger zeigt, wie lernen daheim funktionieren kann

Viele Eltern müssen wegen des Corona-Virus in den kommenden Wochen mit ihren Kindern den Schulstoff bewältigen. Wie das gehen könnte zeigt Familie Pleuger aus Zuchwil.

Rebekka Balzarini
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Noah und Nohemi Pleuger lernen in den nächsten Wochen gemeinsam.

Noah und Nohemi Pleuger lernen in den nächsten Wochen gemeinsam.

Tom Ulrich

Nohemi Pleuger aus Zuchwil geht es wie vielen anderen Müttern aus dem Kanton Solothurn und der ganzen Schweiz: Sie muss dafür sorgen, dass ihr Sohn Noah in den nächsten Wochen möglichst wenige Schulstoff verpasst. Eine ungewohnte Situation für Pleuger. Noah besucht momentan die vierte Klasse der Primarschule, seine jüngere Schwester geht noch in den Kindergarten.

«Als ich hörte, dass der Unterricht nicht wie üblich stattfinden kann, hat es in meinem Kopf sofort angefangen zu rotieren», erinnert sich Pleuger.

«Mir war sofort klar, dass wir trotzdem feste Strukturen brauchen», erzählt sie am Esstisch ihrer Wohnung in der Nähe der Aare. «Ich wecke die Kinder, sie machen ihr Bett, wir frühstücken gemeinsam und starten so in den Tag», erzählt sie.

Jeden Tag soll Noah mindestens drei Stunden für die Schule lernen. Ausserdem hat sie die Zahl seiner Englischstunden erhöht, die er neben dem üblichen Unterricht erhält. Statt zweimal in der Woche lernt er jetzt jeden Tag Englisch, dafür spricht er mit seinem Englischlehrer über Skype.

Zusätzlich erhält Noah weiterhin Deutschunterricht bei einem Kantischüler, der mit ihm vor allem Grammatik übt.

Keine Ferienstimmung aufkommen lassen

Die Unterrichtsmaterialien kann Noah teilweise online abrufen, andere Materialien holt er in der Schule ab. Jedes Kind holt die Materialien zu einer bestimmten Uhrzeit, damit sich nicht zu viele Kinder gleichzeitig im Schulzimmer befinden. Nohemi Pleuger hat für viele Aufgaben Lösungsblätter erhalten, damit sie die Aufgaben korrigieren kann.

Zwar sei ihr Sohn sehr selbstständig, so Pleuger, trotzdem setzt sie sich regelmässig hin und schaut ihm beim Lernen über die Schulter. «Erst dacht ich, dass wir Ferien haben», sagt Noah und und lacht. «Dabei muss ich jetzt fast mehr machen», sagt er.

Pleuger muss darüber ebenfalls lachen. «Es stimmt», gibt sie zu. «Aber wir kennen das ja selber auch: Wenn wir nicht aufpassen, dann fangen wir an, Zeit zu verschwenden», versucht sie zu erklären.

Aktivitäten, denen Noah sonst in der Freizeit nachgeht und die nun abgesagt wurden, versucht sie deshalb mit ähnlichen Aktivitäten zu ersetzen. Normalerweise ist Noah etwa bei den Singknaben dabei, die Stunden wurden aber abgesagt. Statt in der Gruppe zu singen widmet sich Noah während den Probezeiten jetzt auf andere Art der Musik, so spielt er etwa Gitarre, hört klassische Musik oder singt. Und statt zu Turnen geht die Familie jetzt gemeinsam an die frische Luft, zum Beispiel an die Aare.

Trotz ihrer Bemühungen macht sich Pleuger ein bisschen Sorgen: «Noah möchte eigentlich gerne in die Sek P. Dafür muss er sich aber anstrengen»; erzählt sie. «Ich habe das Gefühl, dass wir uns deshalb häufiger bei seiner Lehrerin melden müssen und er vielleicht zusätzliche Aufgaben braucht», so Pleuger.

Grundsätzlich sei sie aber zufrieden damit, wie die Schule mit der Situation umgehe: «Es ist alles sehr professionell und gut organisiert», sagt Pleuger. Wie gut Noah mit den Unterrichtsmaterialien daheim den Lehrplan einhalten könne, sei aber schwierig zu beurteilen. Dafür habe sie noch zu wenig Materialien gesehen.

«Wahrscheinlich müssen die Lehrerinnen und Lehrer nach der Zeit, in der die Kinder daheim gelernt haben, schon etwas strenger sein», vermutet sie. Sie habe auch Freundinnen, die wegen der Schliessung der Schulen gehörig in den Stress gekommen seien: «Eine meiner Freundinnen hat vier Kinder, und ihr Mann arbeitet jetzt auch im Homeoffice. Sie muss sehr viel organisieren, damit alle aneinander vorbeikommen», erzählt die studierte Betriebsökonomin.

Nicht alle Kinder können auf Eltern zählen

Sorgen macht sich Pleuger, die sich unter anderem im Vorstand des Familienforums Zuchwil engagiert, sich um Kinder in Familien, die keine Zeit für die Schulbildung ihrer Kinder haben oder keine Möglichkeit, ihren Kindern bei den Aufgaben zu helfen.

«Es kommt sehr darauf an, wie gut sich Familien selber organisieren können»; sagt sie. «Da hängt auch sehr viel von den Eltern ab. Ich fürchte schon, dass einige Kinder wegen der neuen Situation einen Nachteil haben könnten».

Diese Sorgen muss sich Noah nicht machen, da ihm seine Mutter offensichtlich sehr gut auf die Finger schauen wird in den nächsten Wochen. Aber auch Nohemi Pleuger kann von der gemeinsamen Zeit vielleicht noch profitieren: «Am Computer komme ich besser draus als sie», erzählt Noah dem Fotographen während des Fotoshootings am Ende des Interviews mit dieser Zeitung stolz.