Neophyten
«Es lohnt sich zu handeln» - Kanton Solothurn bekämpft Neophyten

Was tun gegen die Verdrängung einheimischer Flora und Fauna? Kantonale Behörden besitzen eine systematische Vorgehensweise gegenüber Neophyten, die die Biodiversität gefährden oder gesundheitsschädlich sind.

Rahel Meier
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Die gesundheitsschädigende Pflanze Ambrosia wurde im Kanton Solothurn bereits ausgerottet. (Archiv)

Die gesundheitsschädigende Pflanze Ambrosia wurde im Kanton Solothurn bereits ausgerottet. (Archiv)

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Wer sich auf der Homepage des Kantons Solothurn in Sachen «Neophyten» schlau machen möchte, findet eine ganze Reihe von Merkblättern. «Praxishilfe Neophyten» oder «Exoten im Garten – was tun?» sind beispielsweise Informationen, die vor allem für Privatpersonen gedacht sind. Andere Informationsblätter wenden sich an die Gemeinden, an Gärtner oder Entsorgungsfirmen.

Zuständig für diese Informationsschriften und die Bekämpfung der Neophyten sind diverse kantonale Behörden: Das Amt für Umwelt, das Amt für Wald, Jagd und Fischerei, das Amt für Verkehr und Tiefbau, das Amt für Landwirtschaft und die Fachstelle Pflanzenschutz des Amts für Landwirtschaft am Wallierhof.

Gemeinsam haben sie in der Arbeitsgruppe «Neobioten» die Strategie zur Bekämpfung der invasiven Neophyten, das heisst schädliche eingeschleppte Pflanzen, erarbeitet und koordinieren die Aktionen. «Zentrales Element der Strategie ist eine Bekämpfungstabelle, die Lebensräume und Neophyten einander gegenüberstellt. Dabei wird definiert, ob man die Pflanzen eliminieren muss, beispielsweise Riesenbärenklau, der Allergien verursacht, oder ob sie fallweise bekämpft werden, wie etwa Amerikanische Goldruten in Landwirtschaftsflächen.

Damit hat der Kanton Solothurn eine systematische Vorgehensweise gegenüber allen schädlichen Neophyten definiert», erklärt Daniel Schrag (Amt für Umwelt). Da nicht alle Arten und Lebensräume gleichzeitig bekämpft oder kontrolliert werden können, enthält die Tabelle auch Prioritäten, so sind Naturschutzflächen, Waldreservate und Gewässer wichtiger als Bauzonen.

Nach diesen Kriterien wurde beispielsweise die Ambrosia im Kanton Solothurn ausgerottet. Diese Pflanze ist nachweislich gesundheitsschädigend und verursacht Allergien. Hingegen ist der Japanische Staudenknöterich für Menschen nicht gefährlich. Er verdrängt aber einheimischen Pflanzen und gefährdet damit die Biodiversität.

Prioritäten setzen

«Der Kanton hat zwar die Aufgabe invasive Neophyten zu bekämpfen. Zusätzliche finanzielle Mittel wurden dafür aber keine gesprochen», so Daniel Schrag. In der Strategie des Kantons, die im Jahr 2013 vom Regierungsrat genehmigt wurde, steht denn auch: «Es sind klare Prioritäten zu setzen. Es sollen gezielt diejenigen Schadenorganismen bekämpft werden, die grösseren Schaden anrichten können. Auf eine flächendeckende Bekämpfung aller potenziell schädlichen Pflanzen muss verzichtet werden.»

Auch das Organisatorische ist geregelt. Die Arbeitsgruppe ist für die Information und die Beratung zuständig. Der Fachbereich Wasserbau kümmert sich um den Unterhalt entlang der Gewässer und pflegt den Kontakt zu den Unterhaltsverantwortlichen in den Gemeinden. Das Kreisbauamt pflegt die Ränder entlang der Kantonsstrassen und die Gemeinden resp. Werkhöfe sind für weitere öffentliche Flächen zuständig. «Eine generelle Bekämpfungspflicht gibt es nicht», so Schrag. Man informiere die Gemeinden immer wieder über die aktuellsten Erkenntnisse und biete seit Neustem auch in Zusammenarbeit mit der Repla Espace Mittelland Kurse mit Praxishilfe an.

Das Ziel sei, dass die Gemeinden einen Aktionsplan zur Bekämpfung der Neophyten erarbeiten und so je nach finanzieller und personeller Möglichkeiten systematisch und effizient gegen eine Ausbreitung vorgehen können. «Eine minimale Planung ist sicher auch im Interesse einer Umweltkommission, eines Bauverwalters oder eines Werkhofchefs», so Daniel Schrag. Allerdings seien nicht alle Gemeinden gleich von Neophyten betroffen und deshalb seien auch nicht alle gleich aktiv. Die Standorte der invasiven Neophyten sind alle im Neophyten-GIS erfasst und werden regelmässig aufdatiert. «Gerade wenn ein Bestand noch klein ist, lohnt es sich zu handeln», so Schrag überzeugt.

Invasive Neophyten

Eingeschleppte Pflanzen sind weltweit ein Riesenproblem: Neben dem Lebensraumverlust und der Überdüngung sind die Neophyten als drittwichtigster Verursacher des rasanten Artenschwunds verantwortlich. Zudem beschädigen sie Infrastrukturanlage und gefährden häufig die menschliche Gesundheit. Da will die Schweiz nicht untätig sein und hat seit Rio 1992 zahlreiche internationale Abkommen unterzeichnet. Lieber spät als nie geht es nun darum, die Bekämpfung zu organisieren und die Ausbreitung zu verhindern. (MGT)

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