Ob ein Bienenstich, ein verstauchter Fuss oder ein plötzlich eintretender Herzinfarkt. Bei medizinischen Angelegenheiten stellen die Samariter die Erstversorgung sicher und tragen mit ihrem Engagement zur Sicherheit der Veranstaltungsbesucher bei. Das Samariterwesen im Kanton Solothurn hat jedoch schwer zu kämpfen. Die einst hoch geschätzte Freiwilligenarbeit findet immer weniger Anhänger.

Mittlerweile ist es schon fast Normalität, dass jährlich rund zwei Samaritervereine von der Bildfläche verschwinden. Manche Vereine lösen sich auf, weil teils nicht einmal die allerwichtigsten Ämter besetzt werden können. Andere fusionieren, um dem erstgenannten Schicksal für einige weitere Jahre zu entgehen.

Silvia Stöckli, Medienverantwortliche des Solothurner Samariterverbandes, sagt: «Das Samariterwesen ist stark von Überalterung betroffen. Der Nachwuchs fehlt, weil unsere Arbeit nicht mehr attraktiv zu sein scheint.»

Nach und nach erreichen die treuen, langjährigen Vereinsmitglieder ein Alter, in dem sie nicht mehr aktiv im Verein tätig sein wollen. Sie werden zu Passivmitgliedern oder treten aus dem Verein aus. Und weil niemand Jüngeres die Position übernimmt, kommen die Vereine in Schwierigkeiten. Silvia Stöckli: «Wann die Vereinsauflösungen begannen, kann ich nicht genau sagen. Seit fünf bis zehn Jahren fällt es jedoch auf, dass viele Vereine mit Mitgliedermangel zu kämpfen haben.»

Stöcklis Einschätzungen werden durch die Zahlen belegt. Im Jahr 2009 gab es im Kanton Solothurn 51 Samaritervereine und drei Jungsamaritergruppen. Von den damals 1241 Mitgliedern im Kantonalverband sind heute noch gerade 980 aktiv. Jeder fünfte Samariter hat also sein Amt aufgegeben. Von den damals 51 Vereinen verschwanden deren 11.

Bei den Jungsamaritergruppen sind zwar leicht mehr Mitglieder vorhanden als 2009, doch die 75 Nachwuchssamariter im Kanton können dem Wegfall von 261 erwachsenen Mitgliedern auch nicht entgegenwirken.

Grösserer Aufwand

Verstärkt wird der Rückgang durch den grösseren Aufwand, der das Samaritersein im Vergleich zu früher darstellt. Im Jahr 2018 traten neue Regelungen bezüglich dem Pflichtprogramm eines Samariters in Kraft. Ein Samariter musste bis Ende 2017 pro Jahr fünf Pflichtübungen von je zwei Stunden besuchen. Neu sind es fünf Pflichtübungen plus sieben Stunden Ausbildungskurs. Der Zeitaufwand hat sich so von zehn auf siebzehn Stunden erhöht.

Für die Samariterlehrer ist der Aufwand auch gestiegen. Sie müssen neu zusätzlich zum alljährlichen Weiterbildungstag alle zwei Jahre einen 14-stündigen Kurs besuchen.

Noch kein Mangel

Bisher sind die Mitgliederabgänge noch verkraftbar. Silvia Stöckli: «Mir ist bis jetzt kein Fall bekannt, in dem an einer Veranstaltung, an welcher Samariter benötigt wurden, keine verfügbar waren. Die Aufgaben der weggefallenen Vereine haben bis jetzt immer die Nachbarvereine übernommen. Wenn diese nicht verfügbar waren, wurden Leute aus dem Samariterpool angefragt.»

Falls die Mitgliederzahlen in den kommenden Jahren weiter so drastisch sinken, werden aber professionelle Anbieter in die Bresche springen müssen. Dies würde das Budget der Veranstalter um einiges mehr belasten als bis anhin.