Einsiedelei
Es ist wieder eine Frau! Schwester Benedikta ist die neue Einsiedlerin

119 Personen, die Hälfte davon aus dem Ausland, wollten Einsiedler oder Einsiedlerin in der Klause bei Rüttenen werden. Nun hat der Bürgerrat Solothurn entschieden: Die 51-jährige Schwester Benedikta tritt am 1. Juli ihr Amt an.

Wolfgang Wagmann
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Das ist die neue Einsiedlerin: Schwester Benedikta aus dem Bernbiet.
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Sie hat gut lachen: Sie wurde aus 119 Personen ausgewählt.
Schwester Benedikta heisst mit bürgerlichem Namen Franziska Siegel.
Schwester Benedikta ist geschiedene Mutter von vier Kindern.
Sie unterhielt in Bern fast 20 Jahre lang ein sogenanntes Offenes Haus für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen sowie einen Mittagstisch für Schüler aus Kleinklassen.
Schwester Benedikta führt das Amt von Verena Dubacher weiter
Die Einsiedelei hatte sie erstmals wahrgenommen und «entdeckt» bei der Wahl ihrer Vorgängerin Verena Dubacher vor gut fünf Jahren.
Die neue Einsiedlerin will in den Kapellen Stundengebete öffentlich singen statt sprechen.
Die neue Einsiedlerin kann auch einen Nagel einschlagen, wie sie lachend auf eine Frage sagte.

Das ist die neue Einsiedlerin: Schwester Benedikta aus dem Bernbiet.

Hanspeter Bärtschi

«Die Arbeitsgruppe hat alle Optionen geprüft - bis hin zur Aufgabe der Einsiedelei.» Keine Selbstverständlichkeit also, dass Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger wieder eine Frau als Nachfolgerin von Verena Dubacher, die zweite Einsiedlerin überhaupt, Schwester Benedikta, vorstellen konnte. Sie sei vom Bürgerrat einstimmig bei einer Enthaltung gewählt worden, aus zuletzt noch sechs Kandidaturen, vier davon aus der Schweiz, zwei aus Deutschland.

«Eine Person schnitt klar am besten ab – Schwester Bendikta», erklärte Wyniger weiter zur Wahl, die unter 62 interessierten Schweizer Kandidierenden und 51 deutschen sowie weiteren ausländischen Bewerbern erfolgt war. «Ich möchte auch für die Menschen da sein, nicht nur für das Gebet», diese schlichte Begründung lieferte die Schwester als Hauptgrund, warum sie sich für die Einsiedelei entschieden hatte.

Offenes Haus und Eremitin

Schwester Benedikta, mit zivilem Namen Franziska Siegel, ist in der Region Bern aufgewachsen. Die geschiedene Mutter von vier erwachsenen Kindern unterhielt in Bern fast 20 Jahre lang ein sogenanntes Offenes Haus für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen sowie einen Mittagstisch für Schülerinnen und Schüler aus Kleinklassen. Seit 2011 führte sie ein eremitisches Leben, zuletzt im bündnerischen Tersnaus. «Ich bin eine waschechte Bernerin», betont sie jedoch lachend im Bürgerratssaal. Die Einsiedelei hatte sie erstmals wahrgenommen und «entdeckt» bei der Wahl ihrer Vorgängerin Verena Dubacher vor gut fünf Jahren.

Mit einem Schmunzeln verrät sie den acht anwesenden Journalistinnen und Journalisten: «Schon damals dachte ich, das wär doch was für mich.» Angesprochen auf den manchmal recht beachtlichen Rummel, der in der Einsiedelei auf sie zukommen kann: «Ich habe ja Schauspielunterricht gehabt.» Sie freue sich auf den Kontakt mit den Menschen in der Verenaschlucht, den «zweiten Flügel» in ihrer Seele neben der Zurückgezogenheit im Gebet.

Denn Schwester Benedikta hat ausserdem Kurse in Atemtherapie, Seelsorge und Theologie besucht und neben dem erwähnten Schauspielunterricht auch solchen im klassischen Sologesang genossen. «Sie hat vor, in den Kapellen Stundengebete öffentlich zu singen statt zu sprechen», teilt die Bürgergemeinde zu ihren künftigen Auftritten in der St. Martins- und Verenakapelle mit.

«Kann einen Nagel einschlagen»

Wie «eine Mutter in der Küche für ihre Kinder da ist», will Schwester Benedikta ihr Amt in und um die Klause versehen – und zwar bereits ab dem 1. Juli, ihrem ersten Arbeitstag. Doch, in der Klause hinten sei sie schon gewesen, «es ist ein sehr gemütliches Zuhause». Neben den vielen Aufgaben vor allem in den beiden Kapellen, aber auch in der näheren Umgebung wird sie zum Ausgleich weiterhin ihre farbigen Kunstkarten mit Engelsmotiven anfertigen – den Journalisten hatte Schwester Benedikta gleich eine ganze Auswahl im Bürgerratssaal ausgelegt. «Ich freue mich sehr, dass ich zu den beiden Gotteshäusern schauen darf», sieht sie ihren Aufgaben gelassen und heiter entgegen. Denn auf die Frage, wie es um ihre handwerklichen Fähigkeiten bestellt sei, fragt sie zurück: «Wie meinen sie das? Im Garten arbeiten oder einen Nagel einschlagen, das kann ich.»

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