Zum ersten Mal wurde heuer in Solothurn der Velotreff für Frauen angeboten. Organisiert und unterstützt wurde dieser von so!mobil, dem Alten Spital, Pro Velo Solothurn und der Stadtpolizei Solothurn. Der Velotreff bildet das Fortsetzungsangebot des Velokurses für Frauen, der dieses Jahr bereits zum vierten Mal durchgeführt wurde. Der Kurs richtet sich an Frauen die gar nicht oder nur schlecht Velo fahren können, dies seien vor allem Migrantinnen.

Ein Projekt mit Zukunft

Carla Padovan von so!mobil erklärt: «Wir haben festgestellt, dass der Velokurs für die meisten Frauen nicht ausreicht. Sie lernen dort zwar viel, auch wie sie im Verkehr fahren müssen, aber sie haben danach nicht genügend Routine.» Aus diesem Grund wurde nun der Velotreff für Frauen ins Leben gerufen. «Im Gegensatz zum Kurs ist der Treff nicht kostenpflichtig. Er ist auch etwas niederschwelliger aufgebaut, sprich es geht beim Treff einfach darum, die Fahrpraxis und so die Sicherheit auf der Strasse zu fördern.»

Geübt wird bei den regelmässigen Treffen am Mittwochabend mit dem eigenen Velo. Der Velotreff wird geleitet von ehrenamtlichen Helferinnen, die das Treffen jeweils je nach Anzahl Teilnehmerinnen flexibel gestalten. Um alle Teilnehmerinnen zu erreichen, habe man einen Whatsapp-Chat eingerichtet, erklärt Carla Padovan. «Wir haben festgestellt, dass dies für unsere Bedürfnisse das beste Kommunikationsmittel ist. So kann man auch mal ein Treffen absagen, beispielsweise wenn das Wetter schlecht ist.» Es bestehe auch keine Pflicht, zu kommen. «Es sollen einfach jene kommen, die Lust und Zeit haben. Das ist die Idee hinter dem Velotreff.»

Es sei zwar schwer, die Zielgruppe zu erreichen, die ja hauptsächlich aus Migrantinnen bestehe, aber das Interesse an den beiden Angeboten Kurs und Velotreff sei gross. «Wir wollen den Velotreff voraussichtlich auch nächstes Jahr durchführen.»

Wie eine zweite Familie

Es ist das zweitletzte Treffen der Teilnehmerinnen auf der Südseite der Roten Brücke an der Aare. Dieses Mal sind nur zwei junge Frauen dabei und zwei der ehrenamtlichen Helferinnen. Um 20 Uhr endet das anderthalbstündige Treffen. Entspannt stehen die vier Frauen neben ihren Velos und plaudern. Die beiden Teilnehmerinnen sind die Äthiopierin Etalem Ayele (30) und die aus Südafrika stammende Busisiuse Bethke (33). Beide Frauen haben bereits am Velokurs teilgenommen. Ayele erklärt: «Es ist wichtig, dass man Velo fahren kann in der Schweiz. Vor allem wenn man Kinder hat und eine Arbeit und deshalb mobil sein muss.» Für sie ist der Velotreff aber mehr als nur ein Training. «Der Kontakt zu anderen tut mir gut und ausserdem werden auch meine Deutschkenntnisse verbessert durch die Gespräche, die wir führen.»

Auch Bethke – sie spricht bis anhin nur Englisch – ist begeistert von dem Angebot. «Ich komme gerne zu den Treffen. So lerne ich das Velofahren und betreibe auch Sport.» Zudem finde sie, dass das Velo ein sehr praktisches Fortbewegungsmittel ist, mit dem man überall hinkomme. Sie finde auch die anderen Teilnehmerinnen und die Helferinnen sehr nett und habe sie bereits ins Herz geschlossen. «Sie sind für mich fast wie eine zweite Familie.»