«Wir wollten eine gewisse Anstandsfrist einhalten und die nationalen Wahlen vorüberziehen lassen», sagt Staatsschreiber Andreas Eng. Im kommenden Januar aber soll die wohl exklusivste Stelle im Amtsblatt ausgeschrieben werden, die der Kanton Solothurn zu vergeben hat: Jene des Hans-Roth-Ehrenkleidträgers.

Ende vergangenen September nämlich ist der bisherige Amtsinhaber, der 1994 gewählte Stadtsolothurner Eduard Roth, im Alter von 87 Jahren verstorben.

Das Ehrenamt erinnert an jenen Rumisberger Bauern Hans Roth, welcher der Sage nach 1382 die Stadt Solothurn vor einem Überfall der Kyburger gewarnt hatte. Ab 1538 verlieh der Stand Solothurn dem jeweils ältesten Nachfahren ein rot-weisses Ehrenkleid, seit 1758 auch eine jährliche Pension.

Und nun also bereitet die Staatskanzlei das Terrain für die nächste Nachfolgewahl vor. In die Kränze kommen kann allerdings nur ein verhältnismässig kleiner Kreis möglicher Interessenten: Diese müssen belegen können, dass unter ihren Vorfahren mindestens eine Person ist, die das Ehrenkleid einst getragen hat. Wahlbehörde ist eine Jury unter Leitung von Staatsschreiber Eng.

Gewählt werde nach Sichtung der Meldungen jener Bewerber, der für das Amt «am besten geeignet ist». Konkret: «Er muss vital sein und eine gewisse Ausstrahlung haben.» Seit 1994 ist dies auch nicht mehr zwingend der älteste Nachfahre.

Die Zahl öffentlicher Auftritte habe in den letzten Jahren ohnehin deutlich abgenommen, sagt der Staatsschreiber mit Blick auf die immer selteneren Waffenläufe oder vaterländischen Veranstaltungen. (ums.)