Jodlerfest

«Es ist einfach unfassbar»: Das Nordwestschweizer Jodlerfest soll simpel und urchig werden

Am Freitag startet in Mümliswil-Ramiswil das Nordwestschweizerische Jodlerfest. Silvia Meister, Verbandspräsidentin und Mitglied des Trägervereins Jodlerklub Passwang spürt bereits erste Nervosität.

«Es ist unglaublich schön», sagt sie. «Es ist einfach unfassbar, wenn ich darüber nachdenke, wie viele Leute dieses Wochenende hier sein werden.» Bis zu 25 000 Gäste erwartet die Präsidentin des Nordwestschweizerischen Jodlerverbandes Silvia Meister am diesjährigen Jodlerfest in Mümliswil-Ramiswil. Darunter rund 2100 aktive Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger. Ihrer Freude kann die 55-Jährige kaum Ausdruck verleihen: «Ich mag Menschen und das Beisammensein. Und nach bald 40 Jahren Jodeln kennt man fast jeden am Fest.»

Vor 38 Jahren ist die Mümliswilerin in die Welt des Schweizer Brauchtums eingetaucht. «Mein Vater hat mich immer an Jodlerkonzerte mitgenommen und gesagt ‹Los zue›», erzählt sie. «Irgendwann hat mich die Leidenschaft gepackt.» Nach einem spontanen «Bärgbächli»-Duett mit einem der Sänger des Jodlerklubs Passwang trat sie ohne zu zögern dem Klub bei. «Das Jodeln ist mein Feuer, meine Leidenschaft. Es ist mir wichtig, dass die Tradition weitergegeben wird.»

Seit 2014 engagiert sich die diplomierte Bäuerin als Präsidentin des Nordwestschweizerischen Jodlerverbandes und sie ist die erste Frau in diesem Amt. «Ich war bereits davor 12 Jahre lang als Kantonsrätin in einer Männerdomäne tätig. Solange man mich akzeptiert, habe ich keine Schwierigkeiten damit», sagt sie. Und ihre Meinung ist durchaus gefragt: Während ihrer siebenjährigen Tätigkeit im Vizepräsidium und den anschliessenden fünf Jahren als Präsidentin des Verbandes hat Silvia Meister drei Jodlerfeste beratend mitorganisiert. Damit bringt sie viel Erfahrung für die Vorbereitungen des diesjährigen Anlasses mit, die seit Januar 2017 am Laufen sind. «Ich rate den Organisatoren oftmals, am Boden zu bleiben und ruhig auch einmal urchig zu sein», sagt sie. «Die Besucher freuen sich auf das Fest und diese Freude darf man ihnen nicht verderben.» Wichtig seien vor allem bodenständigen Preise und einfache Übernachtungsmöglichkeiten. Beispielsweise mit «Hotel Mama»: Der Hotelmangel in Mümliswil-Ramiswil habe das 41-köpfige Organisationskommitee zu Kreativität gezwungen. Anstelle von zentralisierten Übernachtungsmöglichkeiten, stehen den Besuchern Zimmer und Bette in den Wohnungen gastfreundlicher Mümliswiler und Ramiswiler zur Verfügung. «Viele Besucher feiern ohnehin vom Samstag auf den Sonntag durch», sagt Meister.

Einfach und urchig

Auch das Festprogramm ist simpel gehalten. Auf die Festeröffnung am Freitag, 5. Juli, mit einem Auftritt der Kindergärtner und Primarschüler, folgen jeweils Wettvorträge der Alphornbläser, Fahnenschwinger und Jodler, die das Programm bis Samstagabend dominieren. Insgesamt sind 360 Wettvorträge von 113 Klubs geplant. Während der Vorträge sorgen die örtlichen Vereine für regen Festbetrieb im sogenannten «Jodlerdöfli». Zwischen den Wettvorträgen in der Aula und der Turnhalle des Schulhauses Brühl, in der Kirche sowie in den Hallen der Zimmerei J. Roth AG befinden sich diverse Begegnungsplätze und Bühnen zum Singen und Tanzen. «Dem Jodler muss man kein Programm geben, er macht sich dieses selbst», sagt Meister lachend. Das Highlight des Festes ist jedoch am Sonntag geplant: Nachdem alle Aufregung der Wettvorträge verflogen ist, wird mit dem Festakt die Fahne des ehemaligen Gastgebers Rothrist in die grosse Festhalle getragen und eine Andacht gehalten. «Ich habe dies unter das Motto ‹Das Feuer vom Brauchtum weitergeben› gestellt», erklärt Silvia Meister. «Darum freut es mich auch so sehr, dass die Schule am Fest teilnimmt.»

Vielleicht springt auch der eine oder andere Funke jener Leidenschaft auf einen der rund 300 Helfer, die im Einsatz stehen. Denn seit bald drei Wochen laufen die Aufbauarbeiten des Festes. Auch die 28 Mitglieder des Trägervereins und Gastgeberklubs Passwang engagieren sich täglich beim Aufbau. «Ich merke, dass in unserem Klub grosse Vorfreude herrscht», sagt Meister. «Wir gehen gerne an Jodlerfeste und sind daher auch gerne einmal Gastgeber.»Auch die Verbandspräsidentin merke langsam, wie die Nervosität steigt. «Das ist das Highlight meiner Verbandstätigkeit.»

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