Luterbach

«Es ist ein sehr emotionaler Ort» – Uferpark-Architektin nach dem Erhalt des «Silbernen Hasen»

Der Uferpark Attisholz ist seit Dienstag preisgekrönt. Die Architektin erinnert sich und blickt in die Zukunft.

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Uferparks Attisholz wurde das Projekt des Kantons am Dienstag mit einem Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet. Die silberne Hasen-Trophäe, verliehen durch den Verlag Hochparterre, steht in Zürich, im Schaufenster von Mavo Landschaft. «Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir daran vorbeigehen», erzählt Martina Voser. Für sie und ihr Team sei der Hase eine Anerkennung für die viele Arbeit, die sie oft an den Anschlag gebracht habe.

Als Voser an einem nebligen Herbsttag zum ersten Mal das ehemalige Areal der Cellulose Attisholz AG besuchte, hat sie der Ort sofort gepackt. «Es war magisch», sagt die Landschaftsarchitektin. Die Spannung zwischen der Poesie und der Härte und Brutalität des Industrieareals faszinierte sie. «Es ist ein sehr emotionaler Ort, der vom Aufbruch und vom Sterben der Industrie erzählt.»

Voser wollte mit ihrem Projekt diese Geschichte erzählen und erhalten, ohne jedoch ein Mahnmal zu errichten. Diesen Ansatz lobte auch die von Hochparterre eingesetzte Jury. In der Laudatio spricht sie von «einem zeitgenössischen Park, der es schafft, den Bogen zwischen Geschichte und Zukunft des Orts zu schlagen».

Mit dem Bau musste alles ziemlich schnell gehen, Werkleitungen erschlossen und eine Strasse gebaut werden. Dazu kam Unerwartetes wie die eine oder andere Betonplatte im Boden. Auch bei der Umnutzung der alten Kläranlage mussten die Architekten die Planung immer wieder vor Ort leicht justieren. Es war nicht von Anfang an klar, dass das Gebäude stehen bleiben würde, der Kanton überlegte auch, es abzureissen. Voser setzte sich stark für die Umnutzung ein. «Es war sehr mutig von Kanton, es zu erhalten», sagt sie.

«Man kann nicht alles planen»

Das Interesse der Besucher gibt der Landschaftsarchitektin recht. Bei der Eröffnung und bei ihren Besuchen seien die Leute sehr interessiert an den Klärbecken gewesen, die begehbar und erlebbar wurden. Regelmässig fährt Voser nach Luterbach, um zu sehen, wie sich der Park entwickelt. «Im Sommer war ich oft dort und habe mich gefreut, dass alle Generationen sich im Park wohlfühlen.» Auch sie selbst habe ein gutes Gefühl und spüre, dass die Menschen den Park schätzen und respektvoll mit ihm umgehen. Sie habe auch noch nie Abfall herumliegen sehen.

In gewisser Weise sei der Park genau so geworden, wie Voser ihn sich vorgestellt hat. «Als ich eine Familie sah, die mit ihrem Kind am Brunnen spielte, oder zwei Männer, die am Feierabend ihr Bier auf der Brüstung an der Aare abstellten, war das genau so wie in meiner Vorstellung.» Doch alles könne man nicht planen. Wie die Blumenwiese gedeiht, wie die Bäume wachsen, wie die Umwelteinflüsse wirken. «Ein neuer Park ist wie ein neugeborenes Baby», so Voser. «In den ersten Jahren muss man besonders gut darauf schauen.»

Aktuell müsse man ein Auge darauf haben, welche Pflanzen und Tiere sich ansiedeln und wie die Nutzung des Parks sich entwickelt. Park-Nachbar Biogen habe kürzlich die Wiesen angesät, es müsse sich noch zeigen, wie sich die Pflanzen ergänzen. Jemand, der sich auch über den Park freut, ist der Biber. Während der Bauzeit war der Nager verschwunden, nun ist er im Park-Gebiet wieder aktiv. «Wir sind gespannt, wie weit er sich in Zukunft ausbreiten wird», so Voser. Auch die Vögel hätten sich wieder im Park angesiedelt, die Artenvielfalt wachse stetig.

Die Schönheit des Ortes, wie sie ihn am ersten Tag erlebte, wollte Voser für alle sichtbar machen. Die Architektur-Jury findet, es sei ihr gelungen.

Autor

Alice Guldimann

Alice Guldimann

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