Ich beherrsche also doch nicht einfach Schwiizerdütsch, indem ich bei allen Wörtern ein «li» anhänge. Geld holt man von einem Bänkli, Brot vom Bäckerli und auf den Weissenstein führt hoffentlich doch bald wieder ein Sesseli – oder eine Gondeli. Nein, so einfach geht das nicht...

hmmmm?! Was hat mir mein neuer Kollege sagen wollen? Nachdenkpause. Fragender Blick. «Ach, entschuldige», erwidert Andreas freundlich und leistet Nachbarschaftshilfe, indem er seine Sprache fliessend von Schwiizerdütsch auf Hochdeutsch verändert. Solch verbale Gastfreundschaft ist mir netterweise mehrmals begegnet in der Stadt.

Als ich in der Solothurner Hauptgasse in einem Handyshop (pardon: «Natel» muss das hier ja heissen) ein Angebot suche mit günstigem Tarif nach Österreich, meint die Verkäuferin lachend: «Das höre ich doch.» Sehr verständnisvoll, denk ich mir.

Immerhin verstehe ich als Oberösterreicherin eine Zahl perfekt, die euch Solothurnern recht wichtig ist, wie ich schon mitbekommen hab. «Öufi» heisst auch in meinem Wortschatz Elf, «Zwöufi» folglich zwölf. Irgendwie schade, es wäre eine gute Ausrede gewesen, wäre ich einmal zu spät zu einem Elf-Uhr-Termin gekommen. «Nix verstanden» hätte die Antwort gelautet. Ihr habt bei uns ja den Ruf, üüüüüberpünktlich zu sein...

Was dafür der Stiftungsrat von mir Österreicherin glaubt? Warum soll ich ein Pferd mitnehmen? «Wann zügelst du?», fragte er vor ein paar Wochen. Zügeln? Was bitte? Ich will schreiben, kein Pferd dirigieren! Ich schüttle noch den Kopf, bis mir dämmert, dass er mein österreichisches «Siedeln» meint, was eben auf gut Schwiizerdütsch «Zügeln» heisst. Bist narrisch, im nächsten halben Jahr muss ich höllisch aufpassen, die Solothurner nicht falsch zu zitieren ...

Der Herr Chefredaktor gab mir am ersten Arbeitstag eine verständliche Schonfrist: Die Redaktionssitzung leitete er auf Hochdeutsch. «Morgen sprechen wir wieder Schwiizerdütsch», warnte er vor. Es gibt kein Zurück mehr in die vertraute österreichische Dialekt-Welt. Auch wenn ich ab und zu nur Bahnhof verstehe. Oder muss es Bahnhöfli heissen?