Der Gäubach zwischen Rickenbach und Wangen bei Olten plätschert dahin – er führt kaum Wasser. Der diesjährige Sommer war heiss und trocken – darunter litten auch die Fische. Dass der Fischbestand in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen ist, hat aber nicht nur mit den Temperaturen zu tun, sondern mit dem allgemeinen Zustand der Bäche und Flüsse.

Laut dem Bundesamt für Umwelt will der Bund in den nächsten 80 Jahren schweizweit 4000 Kilometer Fliessgewässer revitalisieren. Für die Fischereivereine eigentlich eine gute Nachricht. Doch: Es existieren insgesamt 65'000 Kilometer Bäche und Flüsse in der Schweiz. Damit sich der Fischbestand erholen könne, müssten viel mehr Fliessgewässer revitalisiert werden, sagt Sämi Gründler vom Schweizerischen Fischerei-Verband (SFV).

Mit Manpower viel erreichen

Ulrich Harder vom kantonalen Amt für Umwelt sagt aber auch, dass man nicht nur mit den grossen Revitalisierungsprojekten – wie zum Beispiel jenem der Emme bei Derendingen und Luterbach – etwas bewirken kann, sondern auch mit kleineren Eingriffen ohne grosse Maschinen.

Genau dies hat sich der SFV zu Herzen genommen. Zusammen mit dem Solothurner kantonalen Fischerei-Verband führten die beiden Vereine deshalb letztes Wochenende den ersten offiziellen Kurs «Fischer schaffen Lebensraum» durch.

Wer glaubt, Fischer seien nur zum Fischen da, hat weit gefehlt. An den beiden Kurstagen bewiesen sie jedenfalls etwas anderes. Doch bevor die Fischer Äste, Wurzelstöcke und ganze Baumstämme in den Gäubach schleppen konnten, erklärte ihnen Ulrich Harder, wie man so ein Umgestaltungsprojekt beim Kanton einreicht. «Macht es einfach nicht wie der Biber – ohne Baubewilligung», sagte Harder scherzend.

Faschinen, Pfahlbuhnen, inklinale Buhnen – die Umgestaltungselemente sollen neues Leben in die Bäche und Flüsse bringen. Es sind Elemente, welche bei naturnahen Bächen normalerweise von alleine entstehen – selten aber bei kanalisierten oder künstlichen Bächen. Pfahlbuhnen zum Beispiel sollen das Wasser umleiten. Die Pfähle im Fluss leiten die Strömung so um, dass das Wasser hinter der Absperrung fast still steht und an anderen Orten Material von der Flusssohle weggeschwemmt wird. Auch Wurzelstöcke sollen den Fischen Lebensräume und Rückzugsorte bieten.

Die Zukunft zeigt den Erfolg

Christian Dietiker, Präsident des Solothurner kantonalen Fischerei-Verbandes, blickt auf den Abschnitt, in welchem neuer Lebensraum geschaffen wird. Vor dem Kurs sei hier eine Fischzählung durchgeführt worden. «Wie viel die Massnahmen wirklich bringen, wissen wir erst in einem Jahr», sagt er. Dann werde man den Fischbestand noch einmal zählen.

Der Wasserstand ist laut Ulrich Harder in den Bächen im Gäu extrem tief. Doch nicht nur den Gäubächen geht es nicht berauschend. Im Kanton gibt es laut Christian Dietiker einige Sorgenkinder: die Dünnern und der Augstbach in Balsthal, der Dorfbach in Trimbach und der Limpach seien in einem besorgniserregenden Zustand. «Schon bei meinem Antritt letzten November als Präsident war mir die Aufwertung der Bäche ein wichtiges Anliegen.» Dabei gehe es nicht nur um den Fischbestand, sondern allgemein um die Artenvielfalt und um die Gefahr vor Hochwasser. «Grundsätzlich hat es in den Fliessgewässern viel zu wenig Totholz», sagt Dietiker. Dieses spendet Nährstoffe und dient als Rückzugsort für Fische. Es sorgt zudem für unterschiedliche Fliessgeschwindigkeiten, was besonders für Jungfische wichtig ist, damit sie nicht weggespült werden.