«Das Ausmass des Anstieges hat uns überrascht.» So kommentiert Jonas Motschi, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, die Zahlen über die Entwicklung auf dem Solothurner Arbeitsmarkt im Dezember. Die Zunahme um 299 Menschen ohne Arbeit auf 4679 Personen ist tatsächlich selten hoch. Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber dem Vormonat von 3 auf 3,2 Prozent.

Die Verschlechterung begründet Motschi mit saisonalen Effekten; insbesondere im Baunebengewerbe und Gartenbau sinke in den Wintermonaten traditionellerweise die Beschäftigung. Verträge mit Temporärpersonal würden nicht verlängert, wenn sich die Auftragslage abschwäche. Die Aufschlüsselung der Stellensuchenden nach Geschlecht belege diesen Befund.

So ist im Dezember die Zahl der Männer auf Stellensuche deutlich gestiegen, während jene der Frauen stabil blieb. Der Zusammenhang zum Saisoneffekt liegt darin, dass in den bau- und baunahen Branchen überdurchschnittlich viele Männer arbeiten. Darüber hinaus zeige sich, dass die Firmen bei Neueinstellungen zurückhaltend seien, beobachtet Motschi. «Sie sind darauf bedacht, die Kosten im Griff zu halten und deshalb keine personelle Expansion anzustreben.»

Der «Export-Effekt» wirkt

Trotzdem spricht der AWA-Chef von einem stabilen Jahresverlauf auf dem Arbeitsmarkt. So hat sich die Zahl der Arbeitslosen Ende Jahr praktisch kaum verändert im Vergleich zu Ende 2015. So waren nur gerade 78 Personen oder 1,7 Prozent mehr bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren als arbeitslos registriert. Es habe nur wenig Schwankungen gegeben. Der starke Schub der Arbeitslosigkeit fand vielmehr im Vorjahr mit dem Frankenschock statt.

Bis Ende 2015 stieg damals die Zahl der Menschen ohne Arbeit um 23 Prozent auf den höchsten Stand seit August 2010 an. Zum Vergleich: Landesweit erhöhte sich die Zahl der Betroffenen 2015 «nur» um 7,6 Prozent.

Damals und auch im letzten Jahr mache sich der «Export-Effekt» spürbar. Motschi meint die im Kanton Solothurn überdurchschnittlich stark vertretene Exportindustrie. «Der starke Franken wirkt weiterhin.» Der Kostendruck für die auf den Weltmärkten agierenden Unternehmen sei enorm.

Hinzu komme eine weiterhin eher schleppende Weltwirtschaft. Um die schwierige Nachfrage und den Frankendruck zu kompensieren, hätten viele Firmen mit Massnahmen zur Effizienzsteigerung reagiert. Das führe tendenziell zu weniger Jobs.
Davon sei insbesondere die Metall-, Elektro-, Maschinen- und Uhrenindustrie betroffen. Also genau jene Branchen, die im Solothurnischen tonangebend seien. So hat denn auch die Exportindustrie ein schwieriges Jahr hinter sich.

Die Solothurner Ausfuhren sind in den ersten elf Monaten 2016 um ein Prozent gesunken, während diese landesweit um 4 Prozent zulegten. Das zeige auch, dass heute die hohe Qualität der Güter aus dem Kanton Solothurn «kein Freipass mehr sind, um auf den Auslandsmärkten höhere Preise durchsetzen zu können».

Besserung für 2017 erwartet

Basierend auf den Prognosen für die Schweiz rechnet Motschi im laufenden Jahr mit einer positiveren Entwicklung der Wirtschaft. So sehen die Ökonomen der Credit Suisse für die besonders gebeutelte Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Licht am Ende des Tunnels. 2017 dürften die Exporte der Branche erstmals seit Anfang 2015 wieder leicht wachsen, hiess es gestern bei der Präsentation einer Studie.

«Das wird zu einer leicht rückläufigen Arbeitslosigkeit führen», erwartet Motschi. Für den Kanton Solothurn sieht er die durchschnittliche Arbeitslosigkeit nach 3 Prozent im 2016 bei 2,8 Prozent. Mehr liege wohl nicht drin. Er hält aber fest, dass die Abhängigkeit der hiesigen Exportindustrie von der Entwicklung der Wechselkurse und der Verfassung der ausländischen Absatzmärkte auch im Gegenteil spiele.

Sobald sich beide Faktoren positiv verändern, werde Solothurn überdurchschnittlich profitieren. Dazu ein Blick zurück: Die Arbeitslosenquote ist nach der letzten Krise von 4,6 Prozent Ende 2009 innert anderthalb Jahren auf 2,1 Prozent gesunken; so rasch und stark wie in keinem anderen Kanton.

Allerdings ist für Motschi auch klar, dass die Stellensuche für den Einzelnen nicht einfacher werde. Die Anforderungen stiegen auf allen Ebenen und in allen Branchen. Arbeitsplätze für einfachere Tätigkeiten nehmen ab, die berufliche Qualifikation spiele die Hauptrolle. Das führe zu einer grossen Verunsicherung. «Die guten, ruhigen alten Zeiten sind definitiv vorbei.»