Die Bemühungen des Personals sind gescheitert. Bosch wird die Fertigung verlagern. Was sagen Sie dazu?

Esther Gassler: Das bedaure ich sehr und ich hätte den Mitarbeitenden selbstverständlich einen besseren Bescheid gewünscht. Andererseits hätte es wohl fast an ein Wunder gegrenzt, wenn Bosch auf den Entscheid zurückgekommen wäre. Wichtig ist, dass im Rahmen der Konsultation die Zahlen und Fakten überprüft wurden und die Gründe, die zum Entscheid führten, transparent dargestellt wurden.

Haben Sie Verständnis für den harten Entscheid?

Verständnis ist das falsche Wort. Es sind stetige Entwicklungen in der Wirtschaftsstruktur einer Region oder eines Landes, die nicht aufzuhalten sind. Das ist keine Solothurner Spezialität. Daraus erwachsen einerseits Chancen, dass neue Firmen mit neuen Produkten in anderen Branchen entstehen. Andererseits gibt es die Schattenseite, dass im ersten Schritt Arbeitsplätze verloren gehen.

Warum haben Sie der Belegschaft nie persönlich Mut zugesprochen?

Grundsätzlich empfinde ich für jeden Menschen Mitgefühl, der mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes konfrontiert ist. Das ist eine schwierige und einschneidende Situation.
Aber die Belegschaft hätte moralische Unterstützung erwartet.

Unsere Aufgabe als Kanton ist es, den Betroffenen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz alle erdenkliche Unterstützung zu bieten. Und das werden wir mit allen unseren zur Verfügung stehenden Mitteln auch tun. Das kann ich den Betroffenen versichern.

Hat der Kanton zu wenig gemacht, um die Arbeitsplätze zu retten?

Nein. Wir standen immer in Kontakt mit den Verantwortlichen bei Bosch und haben deren Entscheide stets kritisch hinterfragt. Der Kanton ist zuständig für die Rahmenbedingungen, damit das Umfeld für die Unternehmen stimmt. Die betriebswirtschaftlichen Entscheide dagegen fällt das Management. Da kann der Kanton keine Verantwortung übernehmen.

Der Kanton sitzt mit am Runden Tisch, um einen Nachfolgeinvestor für die Fabrik zu finden. Was kann der Kanton beitragen und wie beurteilen Sie die Chancen?

Wir können unser ganzes Netzwerk in Wirtschaft und Politik einbringen. Zudem können wir über die Wirtschaftsförderung Ansiedlungen eng begleiten und auch Zugeständnisse im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben machen. Die Chancen, dass sich ein Investor finden wird, sind berechtigt.