Die Fachstellenleiterin Melanie Muñoz und der sechsköpfige Vorstand blickten an der Mitgliederversammlung der Fachstelle Lysistrada auf das vergangene Jahr zurück und hoben dabei besonders eine Änderung in der Arbeit hervor: Die Mitarbeiterinnen konnten 2018 die Indoor-Lokalitäten, in denen im Kanton Solothurn sexuelle Dienstleistungen angeboten werden (Wohnungen, Saunaclubs, Cabarets), häufiger besuchen. Die Besuchsfrequenz zu erhöhen war ein lange gehegtes Ziel der Fachstelle.

Umgesetzt werden konnte es nun aber vor allem deswegen, weil seit der Einführung des neuen kantonalen Wirtschaftsgesetzes mit seinen Regelungen zur Sexarbeit 2016 viele Etablissements verschwunden sind. Vor allem kleinere Lokalitäten, in denen die Sexarbeitenden oft relativ selbstständig und unabhängig arbeiten konnten, hatten Mühe, die Auflagen zu erfüllen und die Bewilligung zur Weiterführung des Betriebs einzuholen.

Melanie Muñoz betonte gegenüber den anwesenden Mitgliedern, dass man nicht davon ausgehe, dass es nun weniger Sexarbeiterinnen im Kanton gebe; das Gewerbe habe sich vermutlich einfach verstärkt ins Netz verlagert. Diese Entwicklung sei deshalb problematisch, weil Sexarbeiterinnen im Netz weder für die Polizei noch für Präventionsangebote wie Lysistrada einfach zu erreichen sind. Das nationale Netzwerk ProKoRe, dem Lysistrada angehört, hat auch deswegen per April 2019 eine App lanciert, auf der sich Sexarbeitende in ihrer jeweiligen Muttersprache über wichtige Themen informieren und mit Präventionsangeboten in Kontakt treten können.

Weiter informiert Lysistrada über einen Appell gegen ein Sexkaufverbot nach schwedischem Vorbild, wie es im Sommer 2018 von der Frauenzentrale Zürich gefordert wurde. Da ein solches Verbot Sexarbeiterinnen in die Illegalität treibe und sie damit gerade nicht schütze, sondern ausbeutbarer macht, ist Lysistrada gegen jede Form der Kriminalisierung von Prostitution. (szr)