Der Kampf um die Bahnlinie zwischen Solothurn und Moutier geht in die nächste Runde. Der Bund spielt mit dem Gedanken, die Bahn stillzulegen und den Weissensteintunnel gleich zu schliessen. Doch jetzt klingt es erst mal nach guten Nachrichten: «Vom Bund gibt es positive Signale», so Baudirektor Roland Fürst (CVP) auf Anfrage.

Der Regierungsrat bestätigt damit die Informationen dieser Zeitung, wonach sich die Spitzen des Bundesamts für Verkehr (BAV) mit ihm und Vertretern seines Departements zu einem Arbeitsgespräch getroffen haben. Bei dieser Tour d’Horizon, wie Fürst sagt, sei es darum gegangen, «einmal alle Fakten auf den Tisch zu legen und das weitere Vorgehen zu bestimmen».

Von einem Durchbruch mag er freilich noch nicht sprechen. Dass er sich aber trotzdem vorsichtig optimistisch zeigt, dürfte vor allem daran liegen: Man wolle alles tun, damit der Weissensteintunnel sicher noch ein paar Jahre länger genutzt werden kann. Nur so bleibe genug Zeit, um mögliche Lösungen zu suchen. In diesem Punkt immerhin sollen sich nun alle Beteiligten einig sein. «Das Ziel ist es, den Tunnel mindestens bis ins Jahr 2020 einsatzbereit zu halten», so Fürst.

Nach Angaben aus Behördenkreisen dürfte der massive Widerstand gegen die Bahn-Schliessung ebenso Wirkung gezeigt haben. 17 000 Menschen haben eine VCS-Petition gegen die Schliessung unterzeichnet.

BLS an Gutachten beteiligt

In seinem heutigen Zustand sei der Tunnel höchstens noch bis Ende 2016 sicher, heisst es bei der BLS. Wasser dringt durch den Jurakalkstein und macht dem Gewölbe zu schaffen. Für Fürst steht darum vor allem die Frage im Vordergrund, mit welchen Mitteln die Sanierung «auf ein notwendiges Mass» reduziert werden kann. Gesucht ist gewissermassen ein Kompromiss, so etwas wie eine «Mindestsanierung».

Zudem fordert der Kanton Solothurn ja Klarheit, ob eine Totalsanierung wirklich 170 Millionen Franken kostet, wie es bei der Bahnbetreiberin BLS heisst. Das Ergebnis der unabhängigen Untersuchung soll im zweiten Quartal 2015 vorliegen. Mit einer Zweitmeinung, erklärt Fürst, könne man sich Sicherheit verschaffen.

Wie nun bekannt wird, wird sich auch die BLS am Gutachten beteiligen. Dabei sollte die Expertise doch gerade überprüfen, ob die Kostenschätzung vom BAV und der BLS nicht bewusst abschreckend hoch angesetzt worden ist. Und nun soll die BLS helfen, ihre eigene Schätzung zu hinterfragen? Der Baudirektor sieht darin kein Problem, im Gegenteil: «Es ist gut, wenn wir alle Beteiligten an Bord haben», sagt Fürst. Die Berner Behörden seien involviert, werden sich finanziell allerdings nicht am Gutachten beteiligen.

Frequenz soll erhöht werden

Zugleich haben sich Kanton und BAV bei ihrem Spitzengespräch auch darauf geeinigt, zwei weitere Gutachten in Auftrag zu geben. Über Details soll erst in ein paar Wochen informiert werden. Klar ist bereits: Eine Angebotsstudie soll Alternativen zur Bahn aufzeigen. Doch hat die Solothurner Regierung nicht bereits im Herbst klargemacht, dass es zur Bahn keine Alternative gibt? Dass eine Busverbindung über Balsthal und Oensingen für Pendler aus dem hinteren Thal eine Verdreifachung der Reisezeit bedeuten würde?

«Jawohl», bestätigt Fürst, «in unseren Augen ist die Sache klar.» Es sei aber nur recht, wenn man auch hier auf eine Studie zurückgreifen könne. Tatsächlich müssen Alternativen vor Investitionen in regionale Strecken ohnehin geprüft werden. So will es eine Verordnung. Andererseits soll darüber nachgedacht werden, wie die Nachfrage nach der Bahn erhöht werden könnte. Dabei denke man vor allem an das Thal. Neben dem Tunnel ist es nämlich hauptsächlich der tiefe Kostendeckungsgrad, der zu schaffen macht. Dieser liegt unter 30 Prozent. Deshalb muss die Umstellung auf einen Busbetrieb laut Verordnung in Betracht gezogen werden. Baudirektor Fürst weiss: «Das ist wohl unser wichtiger Hebel.» Konkret geht es darum, die Frequenz tagsüber zu erhöhen. Auch hier ist die BLS beteiligt.

Und die Gondelbahn?

Ein wichtiger Faktor bleibt dabei die neue Weissenstein-Gondelbahn. Ohne Moutier-Bahn wird die Talstation in Oberdorf nicht mehr vom öffentlichen Verkehr erschlossen. Bevor der alte Sessellift im Jahr 2009 geschlossen worden ist, lag der Kostendeckungsgrad der Bahnlinie über 30 Prozent. Nun, da die Gondelbahn wieder offen ist, sollten auch die Frequenzen der Moutier-Bahn wieder ansteigen.

Gemäss dem Amt für Verkehr und Tiefbau sei es noch zu früh, um eine Prognose zu stellen. Derzeit laufen Fahrgast-Erhebungen im Auftrag des Kantons. Für den Bund steht allerdings fest: Die Kosten einer Tunnelsanierung liessen sich selbst mit dem höheren Passagieraufkommen der Gondelbahn nicht kompensieren.