Auf einen Kaffee mit...
«Es gibt Dutzende Blumen, die eine romantische Botschaft vermitteln»

Für viele gehören Blumen am Valentinstag einfach dazu, so auch für Regula Gloor und Michael Albrecht von der Vebo-Gärtnerei in Matzendorf. Für die meisten Männer sei der Blumenstrauss mit roten Rosen immer noch die erste Wahl, weiss Gloor.

Sven Altermatt
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Valentinstag in der Vebo-Gärtnerei in Matzendorf
10 Bilder
Im Angebot hat die Vebo allerlei für den Valentinstag
Auch Herzen aus Holz wirken erwärmend
Das Herz ist allgegenwärtig
Ein Herz für die «Ewigi Liebi»
Herzen im Blumentopf
Herzen aus Filz
Herz, Herz und nochmals Herz
Frosch mit Herz
Auch die Mäuse bringen ein Herz mit

Valentinstag in der Vebo-Gärtnerei in Matzendorf

Hanspeter Bärtschi

Der Valentinstag ohne Blumen? Unmöglich, sagen 62 Prozent der Befragten in einer kürzlich veröffentlichten Umfrage. Blumen gehören zum Tag der Liebe wie die Schmetterlinge im Bauch von Verliebten.

Und diese stehen heute schliesslich im Mittelpunkt. Egal, ob junge oder späte Liebe; egal, ob Träumerei oder Realität: «Der Valentinstag ist dazu da, um sich seine Liebe zu schwören», sagt Regula Gloor.

So einfach ist das, schöner könnten wir es kaum ausdrücken. Wir treffen die 38-Jährige und ihren Kollegen Michael Albrecht, 61, in der Gärtnerei der Vebo-Genossenschaft in Matzendorf. Hier leitet Gloor die Floristik, Albrecht verantwortet den Gärtnereibetrieb.

Keine gewöhnliche Gärtnerei

Die Vebo-Gärtnerei, die vor ziemlich genau 20 Jahren gegründet wurde, ist allerdings keine gewöhnliche ihrer Spezies. Über 30 Mitarbeiter mit einer Behinderung - darunter ein Drittel in Ausbildung - arbeiten hier in einer geregelten Tagesstruktur.

Erklärtes Ziel: «Die Mitarbeiter in ihrem eigenen Handeln zu fördern und sie in die Gesellschaft einzugliedern», wie es Albrecht formuliert. Wer in der Vebo-Gärtnerei eine Berufslehre absolviert, soll möglichst dicht an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt werden - die Aussichten auf einen Job seien bestens, sagt Albrecht. Das erfüllt ihn mit Stolz.

Trauungen trotz Verbot

Nun aber zurück zum Valentinstag. Warum gibt es diesen überhaupt? Und weshalb verschenken wir dann so gerne Blumen? Michael Albrecht und Regula Gloor zucken mit den Schultern.

«Eine gute Frage», sagt Gloor, «für uns Floristen gehört der Tag einfach dazu.» Werfen wir einen Blick ins Lexikon. Böse Zungen behaupten ja, dass der Valentinstag eine Erfindung von Blumenhändlern sei.

Tatsächlich gilt der 14. Februar in Europa erst seit den 50er-Jahren als Tag der Liebe. Feststeht: Der Brauch wurde aus den USA importiert. Dessen Herkunft allerdings ist europäisch. Um 300 nach Christus soll der italienische Priester Valentin - trotz Verbot - Verliebte christlich getraut und sie mit Blumen beschenkt haben. Blumen! Also doch.

Oberstes Gebot

Am grossen Stehtisch in der Floristik servieren uns Regula Gloor und Michael Albrecht Kaffee. Im lichtduchfluteten Raum zwischen Verkaufsladen und Gewächshäusern wird emsig gearbeitet. Drei junge Frauen kreieren bunte Gestecke mit Herzen aus unzähligen Materialien. Flink greifen sie in die Töpfe mit den Schnittblumen, wickeln Drähte drum und zupfen Blätter zurecht.

«Viele Gestecke produzieren wir erst am Valentinstag», erklärt Regula Gloor. Frische ist auch bei Blumen oberstes Gebot. Für die meisten schenkwilligen Männer sei der Blumenstrauss mit roten Rosen immer noch die erste Wahl, weiss Gloor.

Weil Rosen heute jedoch zu zig Anlässen verschenkt werden, wirken sie auf manche ein wenig einfallslos. «Kein Problem», sagt Gloor. «Es gibt Dutzende Blumen, die eine romantische Botschaft vermitteln.»

Rosen in anderen Farben etwa. Aber auch Ausgefalleneres wie der Goldlack, der die Sehnsucht symbolisiert. Wer sein Geschenk als Wegweiser nutzen möchte, lässt Myrte in den Blumenstrauss stecken. In der Sprache der Blumen bedeutet das: Eine Hochzeit steht vor der Türe.

Das Wetter passt

Noch blühen und duften die Rosen in der Natur nicht; die Blumen, die am Valentinstag verkauft werden, stammen grösstenteils aus Gewächshäusern. Trotzdem kommen auch jene, die Schnittblumen nichts abgewinnen können, auf ihre Kosten.

Zum Beispiel mit Primeln. Die Frühlingsboten blühen nämlich bereits prächtig. «Das Wetter passt halbwegs, Licht und Wärme gibt es genug», sagt Michael Albrecht. Der Gärtnermeister ist hin- und hergerissen.

«Frühlingsgefühle im Februar sind ja schön», bestätigt er, «aber es könnte sein, dass der Winter im März oder April nochmals zurückschlägt.» Deshalb empfiehlt er: Wer jetzt schon «Primäli» kauft, sollte diese erst ins Freie bringen, wenn keine Frostgefahr mehr besteht.

Verkaufsstarker Samstag

Beschert der Valentinstag den Gärtnereien volle Kassen? «Überbewerten sollte man diesen Tag auch nicht», sagt Regula Gloor. Die Floristin würde ihn eher mit einem verkaufsstarken Samstag gleichsetzen.

«Man muss den Kunden zuerst ins Gedächtnis rufen, dass Valentinstag ist.» Nicht zu vergessen: Blumen sind harter Konkurrenz ausgesetzt. Kissenherzen, Schmuck oder Restaurants mit Valentins-Specials buhlen um Verliebte.

Immerhin: Im Zweikampf mit der Schokolade seien die Blumen auf der Siegerseite, ist Michael Albrecht überzeugt. «Beides ist vergänglich, aber Blumen machen wenigstens nicht dick.»