Das Bundesamt für Verkehr lockert die Regeln für Gummiböötler: Die Promillegrenze von 0,5 Promille wird gestrichen. Dieser Entscheid kommt beim Solothurner SP-Nationalrat und Präsident des Blauen Kreuzes Philipp Hadorn gar nicht gut an. Im Verkehr habe Alkohol schlichtweg nichts zu suchen. «Auch auf den Schweizer Gewässern sind jährlich rund 50 Todesopfer zu beklagen», heisst es in einer Mitteilung. Mit der Aufhebung der Promillegrenze drohe diese Zahl nun noch zu steigen. Das Bundesamt für Verkehr riskiere «Schritt für Schritt Menschen zu gefährden und nimmt die Zunahme von Opfer in Kauf», so Hadorn.

«Beim Gummiboot handelt es sich nichts desto trotz um ein Verkehrsmittel», betont auch Markus Bärtschi von der Bieler Schifffahrtsgesellschaft (BSG) auf Anfrage. Solange es zu keinem Unfall komme, sei alles gut und recht. «Aber kommt es erst einmal zu einem Unfall, so spielt der Alkoholpegel eine erhebliche Rolle», mahnt er. Als Chef der Nautik weiss Bärtschi, wovon er spricht. Im Sommer, bei schönem Wetter, laufe die Aare förmlich über mit Gummiböötler, die sich herumtreiben liessen.

«Unaufmerksamkeit» lautet dabei das Unwort für alle Kapitäne der BSG, die zwischen Biel und Solothurn mit den Kursschiffen unterwegs sind. «Wenn man in einem Gummiboot am Dösen ist, so sieht man oft vor lauter Wald die Bäume nicht mehr», sagt Bärtschi und meint damit, dass die Bootsfahrer nicht selten von den grossen Kursschiffen überrascht würden.

Ein weiterer Gefahrenpunkt für die Kapitäne sei auch, dass die Leute die Distanzen nicht richtig einschätzen könnten. «Das Wasser ist eben kein Element, auf dem sich die Leute tag täglich bewegen», erklärt Bärtschi. Als Beispiel hierzu erzählt Bärtschi, wie aufgeschreckte Schwimmer immer wieder den längeren Weg zum Ufer wählen würden, wenn sie einem grösseren Schiff Platz machen müssten.  

Doch ob die Verordnungsänderung des Bundes nun gut oder schlecht sei, vermag der Experte nicht zu beurteilen. Ob mit oder oder Promillegrenze: «Es gibt auch solche, die sich mit 0,0 Promille auf dem Wasser daneben benehmen», schliesst Bärtschi scherzhaft. (ajs)