Auf einen Kaffee mit...

«Es geht um viel mehr als das Spiel»: Gemeinsam auf Pokémon-Jagd

Präsidiert den ersten Schweizer Pokémon Go-Verein mit rund 30 Solothurner Mitgliedern: Pascal Jacomet.

Präsidiert den ersten Schweizer Pokémon Go-Verein mit rund 30 Solothurner Mitgliedern: Pascal Jacomet.

Auf einen Kaffee mit... Pascal Jacomet, Sekretär der SVP Kanton Solothurn und leidenschaftlicher Pokémon Go Spieler. Mit dem Smartphone fängt er Fantasiewesen im virtuellen Solothurn ein und präsidiert gar einen Verein von Pokémon-Begeisterten.

In der realen Welt ist der Fischbrunnen auf dem Märetplatz eine Sehenswürdigkeit der Stadt Solothurn. Auf dem Handy des Präsidenten des Vereins PoGo Solothurn verwandelt er sich in eine Pokémon-Arena – ein Ort wo Pokémon eingefangen werden können. Pokémon sind Fantasiewesen, die aus dem gleichnamigen Karten- und Videospiel stammen. Mit dem App auf dem Smartphone können sie gesammelt werden. Und so sitzt Pascal Jacomet gerne vor der Brasserie Fédérale und frönt seinem Hobby. «Ich hoffe, die Einladung auf einen Kaffee war symbolisch gemeint. Ich kann mit Kaffee gar nichts anfangen», sagt Jacomet und bestellt sich einen Eistee. Von Beruf ist der 34-jährige Luterbacher Informations- und Dokumentations-Assistent. «Früher hiess das Bibliothekar», erklärt er seine Tätigkeit, die er bei der Pädagogischen Hochschule ausübt.

Als Jacomet die Pokémon-Go-App startet, öffnet sich auf dem Bildschirm eine Karte der Umgebung, die auf den ersten Blick nicht viel anders aussieht als Google Maps – ausser, dass auf dem Märetplatz auch noch vier Pokémon auftauchen. «Keines ist für mich wirklich interessant», erkennt Jacomet sofort. Trotzdem will er zur Demonstration ein «Diglett» einfangen. Dazu muss er das Pokémon mit einem Ball treffen, der aussieht wie eine runde Solothurner Fahne: oben rot, unten weiss. «Das ist lustiger ein Zufall, dass die Anbieter des Spiels die Farben so ausgewählt haben», weiss Jacomet. Er trifft das Pokémon und fängt es ein. «Der Diglett ist nicht besonders stark, aber ich könnte ihn nun weiter entwickeln, indem ich ihm Süssigkeiten zu essen gebe.»

Der erste Verein der Schweiz

In der Region Solothurn spielen rund 200 Personen aktiv Pokémon Go. Der Verein PoGo Solothurn ist der einzige seiner Art in der Schweiz und er hat bereits 30 Mitglieder. Als Gründungsmitglied und Präsident hat Pascal Jacomet standesgemäss das höchstmögliche Level 40 erreicht. Eine Sammlung sei aber nie komplett, man könne diese immer weiterentwickeln. Besonders gesucht seien die seltenen «shiny» Pokémon. Trotzdem warten viele Spieler wie er sehnsüchtig darauf, dass es eine Stufe weiter geht und neue Levels möglich werden.

Plötzlich tut sich etwas auf dem Handy, denn der Fischbrunnen ist ja eine Pokémon-Arena: «Hier wird in 14 Minuten ein Ei schlüpfen und an der Farbe erkenne ich, dass es ein ‹legendäres› Pokémon geben wird.» Damit es gefangen werden kann, muss es im Kampf besiegt werden und dazu braucht es mehrere Spieler. «Wir Solothurner sind bestens organisiert. Ich kann unseren Mitgliedern über unsere App darüber informieren, dass hier etwas passiert. Vielleicht kommt jemand und hilft mir.»

Aber wie kommt es, dass er als Gemeinderat und Präsident der SVP Luterbach mit dem Handy in der Freizeit auf die Jagd nach Pokémon geht? Ist das nicht eher etwas für Teenager? «Meine Generation ist mit den Pokémon-Karten aufgewachsen und das Spiel ist 2016 mit der App Pokémon Go erwachsen geworden», erklärt Jacomet seine Faszination. «Es geht um viel mehr als das Spiel. Wir unternehmen viel zusammen. So haben wir zum Beispiel am Tag der Erde nicht nur Pokémon gespielt, sondern gleichzeitig auch noch Abfall eingesammelt.»

Ein facettenreicher Verein

PoGo Solothurn sei wie jeder Verein ein soziales Konstrukt. «Man schliesst über das Spiel neue Bekanntschaften und es entstehen Freundschaften», sagt Jacomet. Bald stehe ein gemeinsamer Kinobesuch auf dem Programm: Der Film «Pokémon Detective Pikachu» läuft gerade im Kino an.

Bei mehr als 470 verschiedenen Pokémon, die wiederum alle in ganz verschiedenen Stärkestufen und Ausprägungen existieren, ist das Spiel ist offensichtlich uferlos und stachelt den Sammeltrieb an. Weil es mit jedem kleinen Erfolg eine Belohnung, aber auch gleich wieder ein neues Ziel gibt, kann es süchtig machen. «Man sollte es nicht negativ sehen. Man kann Pokémon Go ja nicht zu Hause alleine an einer Konsole spielen. Man muss dazu an die frische Luft. Der Spieler bewegt sich ständig und tut etwas für seine Fitness», relativiert Jacomet das Suchtpotenzial.

Erste Regionalmeisterschaften

Beim Fischbrunnen ist mittlerweile das «legendäre» Pokémon aus dem Ei geschlüpft, doch weil kein anderer Spieler unterwegs war, bleibt es unangetastet. Beim kommenden Pokémon Community Day am 19. Mai wird das ganz anders sein. Dann sind besonders viele der begehrten «shiny» Pokémon anzutreffen und sie können ohne Kampf gefangen werden. Der Verein nutzt den Community Day, um damit an «Schweiz Bewegt» teilzunehmen. Jacomet rechnet mit etwa 80 Personen, die dann Bewegungsminuten für Luterbach sammeln werden.
Bereits heute Samstag findet ab 15.30 Uhr in der Braustube der Solothurner Öufi-Brauerei zum ersten Mal in der Schweiz eine Regionalmeisterschaft im Pokémon statt.

Dazu werden die besten Spieler der Schweiz eingeladen und mit Simon Roy Uebelhart, Ivan Kissling und Tamara Rauch haben sich auch drei Mitglieder des Solothurner Vereins qualifiziert. Pascal Jacomet rechnet mit 40 Spielern und 25 Zuschauern. «Es werden Duelle ausgetragen, wobei die Pokémon zwar verschiedene Eigenschaften besitzen, aber alle ähnlich leistungsfähig sind. Jedes Pokémon ist stark gegen gewisse Gegner, aber schwach gegen andere. So gewinnt nicht der Spieler mit dem stärksten Pokémon, sondern der mit der besten Strategie.» Der Sieger der Regionalmeisterschaft wird an die Europameisterschaft in Dortmund eingeladen.

Die nächsten Pokémon-Events:

Regionalmeisterschaft, Heute Samstag 15.30 Uhr, Solothurner Öufi-Brauerei. Community Day: Sonntag, 19. Mai: Der Verein PoGo Solothurn trifft sich um 15 Uhr im Park vor dem Kunstmuseum Solothurn. Auch Anfänger sind willkommen. Weitere Informationen: www.pogoso.ch

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