Das Publikum im vollbesetzten Solothurner Landhaus wurde anschaulich in das Thema des diesjährigen Panelgesprächs der Baloise Bank SoBa – «Wir werden vernetzt: unser Leben 4.0» – eingeführt. «Ihre physische Präsenz wäre gar nicht nötig», eröffnete Bank-SoBa-Verwaltungsratspräsident Michael Müller den bereits traditionellen Herbst-Anlass.

Mithilfe des Internets könnte das Podiumsgespräch von überallher mitverfolgt werden, und zwar interaktiv. Die Saalmiete, die Reisekosten und der Zeitaufwand könnten eingespart werden. Doch alles habe eine Kehrseite. «Ohne physische Präsenz fehlen soziale Aspekte, die menschliche Interaktion.» Für Müller ist aber auch klar: «Ob wir wollen oder nicht, wir werden immer mehr vernetzt.» Deshalb gelte es, «einen gesunden Mix von On- und Offline zu erreichen».

Braucht es noch Einkaufsläden?

Anhand einiger Beispiele wurde anschliessend in illustrer Runde über das Thema vertieft debattiert. «Wie werde ich morgen oder übermorgen einkaufen? Gehe ich überhaupt noch in den Laden?», eröffnete Moderator Ernst Brugger die Diskussion. «Ja, auf jeden Fall», antwortete Reto Conrad, Mitglied der Geschäftsleitung Coop. Um dann zu differenzieren. Die Kundschaft wolle frische Lebensmittel, die sie riechen und in die Hand nehmen könne.

Dasselbe gelte für Fleisch oder Brot. «Für diese Warengruppen ist ein Aufgeben des stationären Handels undenkbar.» Ganz anders sehe es im Non-Food-Bereich aus. «Schon heute werden über 30 Prozent der Unterhaltungselektronik über das Internet bestellt, Tendenz steigend.» Künftig komme es zu einer Verbindung von kleineren stationären Läden und Online-Einkaufsplattformen.

Nicht mehr aufzuhalten sei auch das Einkaufen mit Self-Scanning und Self-Checkout. Teilweise erfolgten an Coop-Standorten 70 Prozent der Einkäufe am Automaten. Noch am Anfang stünde die Entwicklung der intelligenten Geräte, sagte Markus Popp, Unternehmer und Mitgründer verschiedenster Start-ups, zum Beispiel tilllate.com. «Dannzumal wird der Drucker dem Benutzer melden, ‹ich bin jetzt zu alt, willst du nicht ein neues Modell bestellen›». Die digitale Technik sei nicht nur konsumfördernd, sondern das Einkaufen werde wahnsinnig bequem.

Hier machte Bischof Felix Gmür einen Einwand: «Der Mensch darf nicht nur als Konsument betrachtet werden.» Oder das Beispiel des Druckers zeige, dass auch mehr Abfall produziert werde, warnte er. Dann etwa, wenn der Drucker ersetzt werde, obwohl er eigentlich noch tadellos funktioniere.

Zweiter Schwerpunkt war der Informationsflut in der zunehmend digitalisierten Welt gewidmet. «Welche Medien werden sich durchsetzen?», wollte Gesprächsleiter Brugger wissen. Es sei ein sehr anspruchsvolles Umfeld, erklärte Veit Dengler, CEO der NZZ-Mediengruppe. Früher habe man ein Produkt, die Zeitung, produziert. Heute seien Informationen auf verschiedensten Kanälen erhältlich.

«Jeder Konsument entscheidet, welchen Kanal er bevorzugen will.» Diese Umschaltung sei der grosse Umbau. Denn nur jene Kanäle hätten eine Daseinsberechtigung, für welche der Konsument bereit sei, etwas zu bezahlen. «Unser Produkt sind nicht die Artikel, sondern die Einordnung der Inhalte und deren Analyse.» Nur Qualität werde sich längerfristig durchsetzen.

Gefahr der Desinformation

Angesichts der Informationsflut votierte auch Bischof Felix Gmür für Qualität. Ohne die Aufbereitung der Informationen wachse die Gefahr der Desinformation. Die Geschwindigkeit der Informationsverbreitung sei für den Einzelnen oft zu hoch, um noch zwischen wahr und unwahr unterscheiden zu können.

Er stelle bei den Menschen oft Erschöpfung fest, ausgelöst durch die rasante Entwicklung. Er nahm das Eröffnungsvotum von Michael Müller auf und plädierte nicht nur für die Fähigkeit zur Schnelligkeit, sondern auch zur Langsamkeit, zum Offline-Sein. «Wir wollen vom Zug nicht überfahren werden, sondern dass der Zug in die richtige Richtung fährt.»