Obergericht

Es bleibt bei einer milden Bestrafung für die beiden Brandstifter

Die jungen Männer hatten selbstgebastelte Brandsätze entzündet. (Symbolbild)

Die jungen Männer hatten selbstgebastelte Brandsätze entzündet. (Symbolbild)

Die Staatsanwaltschaft blitzt mit ihrem Antrag auf unbedingte Gefängnisstrafen für zwei junge Brandstifter ab. Sie hatten bei einem «Saubannerzug» zwischen Solothurn und Selzach mit Molotow-Cocktails für Verwüstung gesorgt.

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern sprach im April 2012 zwei 24-jährige Schweizer der Brandstiftung sowie verschiedener weiterer Delikte schuldig. Sie hatten unter anderem im Mai 2009 zwischen Solothurn und Selzach in der Art eines «Saubannerzugs» (wir berichteten) insgesamt acht Molotowcocktails gegen verschiedene Objekte und Gebäude geworfen. Mit Freiheitsstrafen von 24 beziehungsweise 14 Monaten auf Bewährung blieb das Amtsgericht damals deutlich unter den Anträgen des Staatsanwaltes, der deshalb in Berufung ging.

So musste das Obergericht den Fall neu beurteilen. Der Tatverlauf war unbestritten, aber selbst die beiden Angeklagten konnten nicht erklären, warum sie Molotowcocktails geworfen hatten. «Mir kam in jener Nacht einfach die Idee», gab Michael G.* zu. Geplant sei nichts gewesen. «Wir waren total verladen», lautete der Erklärungsversuch von Johann V.* bei der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht. Beim Grillen an der Aare sei sehr viel Bier und Wodka getrunken und Marihuana geraucht worden.

Flaschen wurden zu Brandsätzen

Die zwei füllten acht Bier- und zwei Schnapsflaschen mit Benzin, zerrissen ein altes Hemd und bastelten daraus Lunten. Die ersten Brandsätze warfen sie beim «Rössli» in Selzach aus dem fahrenden Auto. Weitere «Zielscheiben» waren in Bellach die Telefonkabine bei der Post, das Bowling-Center und ein Mehrfamilienhaus am Höhenweg.

Dramatisch wurde es beim Wurf eines Molotowcocktails auf die Wohngemeinschaft «Noscresco», wo Johann V. früher eine Zeit lang gelebt hatte. Hier geriet ein Sofa in Brand, was den Einsatz der Feuerwehren Selzach und Grenchen auslöste. Auf dem Heimweg konnten die Grenchner Feuerwehrleute dann auch noch einen Waldbrand verhindern, indem sie 15 zuvor von den Angeklagten in Brand gesteckte Heuballen löschten.

Die Liste der weiteren Anklagepunkte ist lang. Während Michael G. nur während einer Phase von drei Monaten kriminell aktiv war, musste sich Johann V. noch ein Deliktverzeichnis mit 31 Punkten aus dem Jahr 2008 vorwerfen lassen: Diebstahl, Hehlerei, Hausfriedensbruch, Urkundenfälschung, Sachbeschädigung. Um aus dem Teufelskreis mit Drogenkonsum, schlechtem Umgang und Kleinkriminalität auszubrechen, ist Johann V. nach Deutschland ausgewandert, wo er geheiratet hat.

Vor Amtsgericht sagte er noch aus, dass er die Tochter seiner Frau adoptieren wolle. Heute ist diese Ehe aber geschieden. Positiv für ihn: seit sieben Monaten hat er in Deutschland eine Festanstellung.

«Die Vorinstanz wollte um jeden Preis verhindern, dass die beiden in den Strafvollzug müssen», sagte Staatsanwalt Raphael Stüdi. «Aber wenn das Tatverschulden eine gewisse Grenze überschreitet, dann ist das nicht mehr möglich. Und diese Grenze wurde überschritten.» So forderte er für Johann V. eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten und Sicherheitshaft wegen Fluchtgefahr. Für Michael G. forderte er 36 Monate, wovon 12 Monate in Halbfreiheit zu verbüssen seien, damit er seine Stelle nicht verliert. Die restlichen 24 Monate sollen auf Bewährung ausgesetzt werden.

Es bleibt bei «Bedingten»

«Ein Strafvollzug würde ihn die Festanstellung kosten», sagte Rechtsanwältin Stephanie Selig, die Michael G. verteidigte. «Er hat in den vergangenen viereinhalb Jahren gezeigt, dass er seine Lehren aus der Geschichte gezogen hat.» Hans Schatzmann, der Johann V. vertrat, blies ins selbe Horn: «Ein Strafvollzug würde niemandem etwas nützen. Mein Mandant würde dadurch höchstens aus der Bahn geworfen».

Das Obergericht bestätigte alle erstinstanzlichen Schuldsprüche und korrigierte sogar die Einschätzung einzelner Anklagepunkte leicht im Sinne des Staatsanwalts. Die vom Amtsgericht verhängten milden Strafen wurden aber dennoch bestätigt. Für Johann V. bleibt es bei einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten auf Bewährung, für Michael G. wurde die Strafe sogar von 14 auf 12 Monate reduziert.

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