Der Kantonale Lehrmittelverlag lanciert mit «Lesestark» ein neues Lehrmittel zur Alphabetisierung fremdsprachiger Erwachsener, wie die Staatskanzlei am Mittwoch mitteilt. Der neue Lehrgang der Autorin Ursula Rickli setzt auf die Wichtigkeit der Aussprache von deutschen Sprechlauten und eignet sich ab der Sekundarstufe I.

«Lesestark» unterstützt in hohem Masse den individualisierenden Unterricht in heterogenen Klassen. Die Materialien gibt es in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden, so dass sie gezielt eingesetzt, das individuelle Lernen berücksichtigt und das selbständige Arbeiten gefördert werden können. 

Deutsche Sprechlaute

Der Lese- und Schreiblehrgang ist in drei Phasen aufgebaut. In der ersten Phase beschäftigen sich die Kursteilnehmenden ausschliesslich mit Lauttafeln und ahmen die Mundstellungen der Lauttafeln nach.

Diese Auseinandersetzung mit den deutschen Sprechlauten ist ausserordentlich wichtig, weil die Lernenden - je nach Muttersprache - gewisse Laute gar nicht kennen. Sie reihen nun verschiedene Lauttafeln aneinander und lesen von den Mundstellungen ganze Wörter ab, denn eine sichere Lautdifferenzierung ist Grundlage jeden späteren Lese-, Schreib- und Rechtschreiberfolgs. 

Das neue Lehrmittel «Lesestark»

Das neue Lehrmittel «Lesestark»

Die zweite Phase verbindet dann Laute mit den Buchstaben. Wenn die Lernenden die Laute anhand der Sprechbewegungsbilder kennen und auch Wörter lesen und legen können, wird jedem Laut der Buchstabe zugeordnet, d.h. an jeder Lauttafel wird der passende Grossbuchstabe befestigt. Das Auge verbindet ganz automatisch den gesprochenen Laut mit dem dazugehörenden Schriftzeichen. 

Nun können bereits richtige Wörter und einfache Sätze mit Grossbuchstaben gelesen werden und das Schreiben der Buchstaben wird geübt. Vorerst werden nur die Grossbuchstaben geschrieben, denn diese Formen unterscheiden sich explizit voneinander. Die Kleinbuchstaben kommen erst in der nächsten Phase hinzu, damit keine Verwechslungen entstehen wie z.B. b / d / p. 

Neue Buchstaben entdecken

In der zweiten Phase wird auch die Anlauttabelle eingeführt. So sind die Lernenden in der Lage, Buchstaben, welche ihnen noch nicht bekannt sind, selber zu entdecken und zu schreiben. 

Erste Texte lesen

Die Phase drei konzentriert sich auf die Arbeit mit Lesetexten. Die Erwachsenen sind nun in der Lage, die ersten Texte mit Gross- und Kleinbuchstaben zu lesen. Um die Lesemotivation hoch zu halten, werden Themen angeboten, welche für fremdsprachige Erwachsene von Interesse sind. Kurzweilige, informative, unterhaltsame, lehrreiche Texte wechseln sich ab. 

Anhand der Geschichten der «Familie Ramos» erhalten die Lernenden Einblicke in das tägliche Leben einer Familie, die in der Schweiz wohnt. Die Inhalte der Geschichte lassen sich den folgenden «fide»-Handlungsfeldern (fide = Förderung für sprachliche Integration von Migranten) zuordnen: Wohnumgebung, Kinder, Arbeit, Medien und Freizeit, Einkäufe, Post und Gesundheit. 

Zu allen Themen werden die wichtigen Wörter in Bild und Wort auf Karten angeboten, um den Wortschatz aufzubauen und zu erweitern. 

Die Autorin Ursula Rickli wird im Verlaufe des Monats November auf einer Präsentationstour an verschiedenen Pädagogischen Hochschulen das neue Lehrmittel persönlich präsentieren und die einfach funktionierende Methode des neuen Lehrmittels aufzeigen. (sks)