Lehrer sein, das ist für viele noch immer ein Traum. Doch mehr und mehr Pädagogen empfinden den Beruf als Belastung. Verhaltensauffällige Schüler, komplizierte Eltern und andauernde Reformen machen ihnen zu schaffen. Wie gravierend die Probleme sind, verdeutlichte erstmals eine Nationalfonds-Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz: Diese kam 2014 zum Schluss, dass jeder dritte Volksschullehrer anfällig ist für ein Burnout. Alleine auf der Oberstufe seien schweizweit mehr als 10'000 Lehrer betroffen, so die Studie. Sie kommen auch in der Freizeit nicht mehr zur Ruhe und geben an, regelmässig müde, schwach und krankheitsanfällig zu sein.

Ausgebrannt im Schulzimmer? Das Thema treibt auch den Solothurner Lehrerverband (LSO) um. «Wir haben festgestellt, dass zunehmend mehr Lehrpersonen im Kanton mit Burnout-Problemen zu kämpfen haben oder gar für längere Zeit krankheitsbedingt nicht unterrichten können», sagt LSO-Geschäftsführer Roland Misteli. Weitere Folgen der oft hohen Belastungen seien etwa Erschöpfungssymptome oder Schlafprobleme.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, hat der Verband nun Massnahmen ergriffen: Für Lehrer werden neu sogenannte Resilienz-Trainings angeboten – unter dem Leitspruch «gesund und gelassen im Beruf». Resilienz nennen Forscher das, was gemeinhin als psychische Widerstandfähigkeit verstanden wird. Vereinfacht ausgedrückt, soll der Mensch die Fähigkeit bekommen, aus Erfahrungen zu lernen und damit selbst schwerste Krisen ohne seelischen Schaden zu überstehen.

Kanton will Vorreiter sein

Im Rahmen eines zweijährigen Programms soll die Resilienz von Lehrern gestärkt werden. Das Angebot, für das 106'000 Franken budgetiert sind, wird vom Kanton unter anderem mit einem Beitrag von 10'000 Franken aus dem Lotteriefonds unterstützt. Der Solothurner Regierungsrat hat die Leistungsvereinbarung mit der Beratungsstelle für Lehrkräfte des LSO entsprechend angepasst. Man wolle «Standards setzen, damit der Beruf der Lehrperson nicht krank macht», erklärte Bildungsdirektor Remo Ankli (FDP) diesen Herbst am kantonalen Lehrertag.

Die Ursachen für die Burnout-Anfälligkeit sind vielfältig. Auf der Problemliste der Lehrer stehen «schwierige Schüler», «Reformen» und «Erwartungen von Erziehungsberechtigten und Kindern» ganz oben, wie eine Aargauer Erhebung zeigte. Dass die traditionelle Allianz zwischen Lehrern und Eltern bröckelt, ist jüngst in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Juristische Auseinandersetzungen sind nur der Höhepunkt einer längeren Entwicklung. Manche Eltern intervenieren bei Schulleitern und bügeln die Fehler ihrer Kinder aus, bevor sie aus diesen lernen können. Andere wollen bei der Gestaltung des Unterrichts mitreden oder beschäftigen die Behörden mit Kaskaden von Anträgen.

«Gerade die Elternarbeit erfordert heute tendenziell mehr Zeit», sagt LSO-Geschäftsführer Misteli. Teilweise gebe es Abgrenzungsprobleme, was in die Schule gehört und was nicht. Trotzdem warnt er davor, die Probleme zu pauschalisieren. Oft seien es sehr individuelle Situationen, welche die Lehrer im Alltag fordern würden.

Persönlichkeitsstärke entfalten

Die Resilienz-Trainings werden diesen Winter erstmals angeboten, die Leitung übernimmt die Psychologin Regula Blöchlinger von der Beratungsstelle für Lehrpersonen des LSO. In vier teilweise mehrtägigen Modulen lernen die Teilnehmer, wie sie auch in turbulenten Zeiten entschlossen handeln und zuversichtlich bleiben.

Es gehe darum, Denkhaltungen und Methoden zu entwickeln, um «ein hohes Mass an Persönlichkeitsstärke zu entfalten», heisst es beim LSO. Die Schwerpunkte tragen Titel wie «Umgang mit Emotionen und Gedanken» oder «Innere Signale wahrnehmen und einordnen».
Zum Programm gehören nebst Referaten und praktischen Übungen auch Gruppencoachings und Selbstreflexionen. Durchgeführt werden die Trainings ausserhalb der regulären Schulzeit. Misteli betont, man wolle so die Schwelle zur Teilnahme niedrig halten.