In einer Männerdomäne

Erster weiblicher Feuerwehrinstruktor: Diese Dänikerin brennt für ihre Berufung

Charmant und unverblümt zugleich: Feuerwehrinstruktor Franziska Hochstrasser im Gespräch. Patrick Lüthy

Charmant und unverblümt zugleich: Feuerwehrinstruktor Franziska Hochstrasser im Gespräch. Patrick Lüthy

Die Dänikerin Franziska Hochstrasser ist der erste weibliche Feuerwehrinstruktor im Kanton Solothurn. Bis dahin war es ein weiter Weg. Doch bereits im Alter von 16 Jahren wusste sie: Das will ich machen.

Ein Revoluzzer sei sie, sagt Franziska Hochstrasser. «Aber wenn man das charmant macht, ist das kein Problem», fügt die 38-Jährige lachend an, die von sich selbst sagt, sie sei «ned uf d’ Schnure gheit». Man nimmt ihr beides ab: den Charme und die Unverblümtheit.

Hochstrasser ist seit Ende Januar der erste weibliche Feuerwehrinstruktor im Kanton Solothurn. Frau Instruktor? Ein militärischer Grad, erklärt sie, deshalb gebe es keine weibliche Form. Dennoch ist ihr wichtig, den Leuten zu zeigen, dass auch eine Frau eine solche Position besetzen kann. «Indem ich diese Männerdomäne aufbreche, hoffe ich, eine Tür zu öffnen für die Frauen, die nach mir kommen», sagt sie.

Dies, obschon in der Däniker Feuerwehr, der sie als Kommandant vorsteht, das Geschlecht nicht von Belang sei. «Jeder hat seine Stärken und Schwächen und jeder tut das, was ihm am besten liegt», sagt sie. Alle hätten sie im Team dieselben Rechte – aber auch dieselben Pflichten.

Lebensschule Landwirtschaft

Heute bildet Hochstrasser andere Feuerwehrleute aus und möchte vor allem «Freude an der Feuerwehr» vermitteln. Bis zum Instruktor war es indes ein weiter Weg. Dieser zeichnete sich schon in ihrer Jugend ab. Als sie im Alter von 16 Jahren vier Wochen Landdienst leistete, wusste sie: Das will ich machen. Und lernte als «feines Solothurner Stadtmeitli» Landwirtin. An die zweijährige Lehre hängte sie drei Jahre Ausbildung an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen an, Fachrichtung Pflanzenbau.

Meistens sei sie die einzige Frau in der Klasse gewesen, erzählt Hochstrasser. «Ich musste mich schon früh in einer etwas ruppigeren Welt behaupten.» Die landwirtschaftliche Ausbildung sei eine gute Lebensschule gewesen, ist sie überzeugt. 21-jährig zog sie nach Däniken, einen Feuerwehr-Grundkurs hatte sie da schon hinter sich gebracht. Als sie von der lokalen Feuerwehr angefragt wurde, sei für sie klar gewesen, dass sie beitrete. «Ich wollte etwas machen, um mich im Dorf zu integrieren», erzählt sie.

Während ihre berufliche Laufbahn sie zu Syngenta in die Marketing-Abteilung führte, nahm auch ihre Berufung klarere Konturen an. «Das Unglück von Gretzenbach im Jahr 2004 war ein Wendepunkt in meiner Feuerwehrkarriere», erinnert sie sich. Sie war vor Ort im Einsatz, als sieben ihrer Feuerwehrkollegen ums Leben kamen. «Das zeigte mir, wie abhängig wir im Team voneinander sind», sagt sie. Von diesem Moment an hatte die Feuerwehr erste Priorität für sie. Sie scheute sich nicht, mit der Motorsäge zu hantieren, Sandsäcke zu schleppen, die schwere Leiter aufzustellen. Anfangs habe es gerade von der alten Garde welche gegeben, die sie schräg ansahen. «Aber ich sagte immer: Ich will das auch machen.» Ihre Devise: «Wenn ich etwas nicht probiert habe, weiss ich auch nicht, ob ich es kann oder nicht.»

Immer neue Herausforderungen

Hochstrasser, die in einem ehemaligen Bauernhaus wohnt und Hühner und Hunde hält, wäre zwar am liebsten ständig draussen, winters wie sommers. Trotzdem hatte sie immer einen «Bürojob»: Sieben «interessante» Jahre beim internationalen Konzern Syngenta, wo sie ganz andere Bereiche der Landwirtschaft kennen lernte. Als die Stelle wegen «Umstrukturierung» gestrichen wurde, wechselte sie zum Bauernverband beider Basel in Sissach. Auch hier ist sie bereits sieben Jahre tätig. Was sie an der Arbeit schätzt: «Wir sind ein kleines Team, können Sachen direkt umsetzen und direkt Einfluss nehmen», sagt sie. Sie müsse den Bauern nun nichts mehr verkaufen, sondern könne heute für die Interessen der Landwirtschaft einstehen.

Dass Hochstrasser selbst keinen Landwirtschaftsbetrieb führt, bringt einen entscheidenden Vorteil mit sich: So bleibt genug Zeit für die Feuerwehr. Rund 50 Übungen sind das im Jahr; ausserdem Routineeinsätze wie etwa Löscharbeiten. Grossbrände, sagt sie, ereigneten sich glücklicherweise nur alle zwei bis drei Jahre. Hochstrasser wäre nicht Hochstrasser, wenn sie nicht immer eine neue Herausforderung suchte. Vom einfachen Rekruten machte sie Weiterbildungen bis zum Gruppenführer und anschliessend zum Offizier. Als der Kommandant der Däniker Feuerwehr mitteilte, er wolle in zwei Jahren aufhören, war Hochstrasser eine von zwei Personen, die infrage kamen. Sie übernahm den Posten.

Nach dreijähriger Kommandanten-Tätigkeit bewarb sie sich für die Ausbildung zum Instruktor. Um wieder neue Inputs zu kriegen, wie sie sagt. Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren hat sie diesen nun in der Tasche. Sie möchte fortlaufend Weiterbildungskurse besuchen. «Und vielleicht rutsche ich ja mal in den Schweizerischen Verband hinein, wer weiss», sagt sie, die auch im Bezirksfeuerwehrverband Olten-Gösgen aktiv ist. Und hängt an: «Ich bin immer offen für Neues.»

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